Das Freiburger Stadion liegt inmitten einer gediegenen Wohngegend. An grölende Fußballfans hat man sich hier gewöhnt. Am frühen Sonntagabend vernahmen die Häuslebauer hinter ihren Gardinen jedoch Gesänge, die sie länger nicht mehr gehört hatten: „Levan, Levan Kobiashvili!“
Levan Kobiashvili steht seit drei Jahren in Berlin unter Vertrag, und das machte ihn beim 1:1 (1:1) des SC Freiburg gegen Hertha BSC eigentlich zum Gegner. Doch als der Georgier nach 20 Minuten eingewechselt wurde, begrüßten ihn die Freiburger Anhänger so, als wäre er noch immer einer von ihnen. Fünf Jahre spielte der Routinier im Breisgau, dort begann seine bemerkenswerte Bundesliga-Karriere. „Es ist immer schön, wieder nach Freiburg zu kommen, ich habe viele positive Erinnerungen an diese Zeit“, freute sich Kobiashvili darüber, dass man ihn an alter Wirkungsstätte wiedererkannt hatte.
Ähnlich wie den Freiburger Fans erging es auch seinem Trainer. Doch während Kobiashvili für Jos Luhukay die positive Entdeckung des Tages war („der beste Mann auf dem Platz“), erkannte er den Rest seines Teams kaum wieder. „Ich habe mich sehr gewundert und kann mir nicht erklären, warum wir in den ersten Spielen so gut und gestern so schlecht gespielt haben“, sagte Luhukay am Tag nach dem glücklichen Remis, das den Aufsteiger in der Tabelle um zwei Plätze auf Rang zehn abrutschen ließ.
Immerhin 17 Minuten nahm der 50-Jährige sein Team beim Training ins Gebet, lautstark gestikulierend. Folgeerscheinungen eines Spiels, bei dem es die bislang schlechteste Saisonleistung abgeliefert hatte. „Der Trainer hat die Defizite klar angesprochen“, so Kobiashvili.
Levan Kobiashvili übernahm Verantwortung
Schon nach fünf Minuten geriet der Aufsteiger in Rückstand. Unsicher, nahezu labil präsentierte sich Hertha an diesem sechsten Spieltag in der Anfangsphase. Erst nach der Einwechslung von Kobiashvili, der für den verletzten John Brooks kam, fanden die Berliner ihre Stabilität wieder. Allerdings auch bedingt durch passive Freiburger, die den Berlinern das Geschehen mit der Führung im Rücken überließen. Daraus machte die Mannschaft jedoch herzlich wenig und hätte fast noch verloren.
Dass Luhukay am Ende Kobiashvili hervorhob, lag natürlich an dessen Sicherheit und Ruhe am Ball, der starken Passquote (76,2 Prozent) und der Hälfte gewonnener Zweikämpfe. Kobiashvili übernahm Verantwortung und hätte zehn Minuten vor Schluss fast noch das 2:1 erzielt. Auf der anderen Seite wirkte es wie ein Affront gegen die restlichen Akteure, dass ein 36-Jähriger bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz seit 15 Monaten vormacht, wie es geht.
Es war sowieso ein bisschen verkehrte Welt in Freiburg, denn trotz mäßiger Leistung reichte es zum Punktgewinn. Zuvor hatte Hertha zweimal ansehnlich gespielt, trotzdem verloren, und natürlich kommt der Verdacht auf, dass das am Selbstbewusstsein gekratzt hat. „Das kann man so sehen“, sagte Luhukay.
Luhukay will Truppe rasch zurück in die Spur bringen
Ausdruck dessen war auch das taktische Fehlverhalten. Beim Gegentor stand Linksverteidiger Johannes van den Bergh zu hoch, Änis Ben-Hatira zog nach innen, verlor den Ball, und die linke Seite war frei. „Das war so nicht abgesprochen“, sagte Luhukay. Ebenfalls nicht abgesprochen war, dass Ronny Innenverteidiger Fallou Diagne früh störte. Was den Brasilianer nicht daran hinderte, fleißig draufzugehen.
Ständig waren die Herthaner in Halbzeit eins am Diskutieren. „Die Spieler wissen, was wir uns vornehmen. Wenn sie sich daran halten, haben wir Stabilität. Wenn nicht, haben wir ein Problem“, sagte Luhukay und ärgerte sich auch über die erneute mangelnde Effektivität vor dem gegnerischen Tor: Ramos scheiterte in der zweiten Halbzeit aus aussichtsreicher Position. Luhukay: „In der Bundesliga gibt es diese Momente, in denen man gewinnen kann.“
Es ist ein bisschen Ernüchterung eingekehrt beim Hauptstadtklub. Luhukay will seine Truppe rasch zurück in die Spur bringen, hat aber nicht viel Zeit, da morgen bereits die Zweitrundenpartie des DFB-Pokals in Kaiserslautern ansteht. „Wir haben zurzeit nicht das nötige Selbstvertrauen. Siege sind das beste Heilmittel“, sagte der Holländer, der bei der Mission Kurskorrektur vorerst auf Brooks verzichten muss. Wegen eines Überstreckungstraumas im rechten Ellenbogen, eines Muskeleinrisses am Unterarm und eines Anbruchs der Speiche wird der 20-Jährige wohl zwei bis drei Wochen pausieren.
Der nächste personelle Ausfall passt ins Bild, auf der anderen Seite gibt es da ja noch Levan Kobiashvili. Der wäre erneut eine Option, wenn Fabian Lustenberger wieder Brooks’ Position einnimmt und im defensiven Mittelfeld Platz macht. Zudem laborierte mit Peer Kluge ein weiterer Kandidat gestern am Sprunggelenk. „Ich würde mich über einen Einsatz freuen“, sagte Kobiashvili, „wenn nicht, ist jemand anderes dran. Wir sind ein Team.“ Eines, bei dem er jetzt aber wieder Verantwortung übernehmen muss.














