Fußball-Bundesliga

Hertha im Glück holt einen Punkt beim SC Freiburg

Schlecht gestartet, Brooks durch Verletzung verloren, den Ausgleich geschafft, am Ende mit einem Punkt gut bedient: Herthas Gastspiel in Freiburg hatte viele Facetten. Und ein glückliches Ende.

Jos Luhukay hatte kein Problem damit, nach einer schwachen Vorstellung seiner Mannschaft Klartext zu sprechen. „Wir sind heute unheimlich glücklich zu unserem Punktgewinn gekommen“, gab der Trainer von Hertha BSC nach dem 1:1 (1:1) beim SC Freiburg ohne Umschweife zu. Und dann bemühte er sogar höhere Mächte: „Wir können uns beim lieben Gott bedanken, dass der letzte Ball nicht ins Tor geht.“

Fernandes trifft den Pfosten

Damit beschrieb der Niederländer die Szene, die einem insgesamt niveauarmen Bundesligaspiel doch noch zu einem Sieger hätte verhelfen können. Gelson Fernandes, Schweizer Mittelfeldspieler des SC Freiburg mit kapverdischen Wurzeln, war von der Strafraumgrenze frei zum Schuss auf das Hertha-Tor gekommen. Doch der Ball klatschte an den Innenpfosten und von dort ins Spielfeld zurück.

Auch bei der anschließenden Ecke hatten die Berliner das Glück noch einmal auf ihrer Seite: Unbedrängt köpfte Matthias Ginter den Ball neben das Tor. Und so schloss sich Hertha-Verteidiger Johannes van den Bergh den Worten seines Trainers an: „Das Spiel war kein Leckerbissen. Aber“, ergänzte er, „auswärts muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.“

Erfolgsserie im Breisgau hält trotz schwacher Leistung

Zumal als Aufsteiger. Hertha verteidigte mit Müh und Not im Breisgau nicht nur seine Serie, seit zwölf Jahren dort nicht verloren zu haben, sondern auch seinen Platz im Bundesliga-Mittelfeld. Dabei hatte das Spiel alles andere als wunschgemäß begonnen. Die vermeintlich nach ihrem miserablen Saisonstart verunsicherten Gastgeber starteten nämlich stürmisch und zielgerichtet und wurden dafür schon in der sechsten Minute belohnt. Vorausgegangen war eine Kette von Fehlern im Spiel der Gäste.

John Anthony Brooks passte auf den gedeckten Änis Ben-Hatira, der den Ball gegen Fernandes nicht behaupten konnte. Der passte auf Sebastian Freis, der wiederum blitzschnell auf Admir Mehmedi in den Strafraum. Und ausgerechnet der Schweizer, der vier Tage zuvor mit einem gruseligen Fehlpass das 2:2 des SC in der Europa League gegen Slovan Liberec verschuldet hatte, ließ sich nicht lange bitten. Gekonnt umkurvte er Hertha-Torwart Thomas Kraft und schob zum 1:0 ein. Viel hätte nicht gefehlt, und Fernandes hätte wenig später auf 2:0 erhöht (10.).

Ronnys Einwurf führt zum Ausgleichstreffer

Doch das war es auch schon mit der Herrlichkeit der Freiburger. Von nun an bestimmten die Gäste das Spiel – ohne dabei allerdings Torchancen zu erarbeiten. Hertha verkraftete auch den Ausfall von Brooks, der nach einem Zweikampf mit Verdacht auf Ellenbogenluxation ausgewechselt werden musste. Luhukay sagte nach dem Spiel: „Wir befürchten, dass er lange ausfällt.“

Doch zum Glück ist sein Team in dieser Saison so breit aufgestellt, dass Ersatz schnell gefunden war: Levan Kobiashvili kam 495 Tage nach dem skandalösen Relegationsspiel in Düsseldorf, nach dem er wegen einer Tätlichkeit gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark 30 Wochen gesperrt worden war, zu seinem ersten Bundesligaeinsatz und zugleich seinem ersten für Hertha in dieser Saison. Fabian Lustenberger rückte in die Innenverteidigung, der Georgier übernahm seinen Platz im defensiven Mittelfeld.

Mit Kobiashvili wird Hertha besser und hat mehr Ballbesitz

Ob es an dem 36-Jährigen, der an alter Wirkungsstätte in Freiburg von den Fans freundlich begrüßt wurde, lag oder nicht – Hertha war nun bissiger, eroberte mehr Bälle und war Herr im Mittelfeld. Der SC zog sich zurück und lauerte auf Konter. Weil gleichzeitig den Berlinern im Spiel nach vorn so gut wie nichts einfiel, waren Torchancen und Strafraumszenen Mangelware. Das 1:1 fiel deshalb aus einer eher ungewöhnlichen Situation. Der Brasilianer Ronny, dessen Freistöße diesmal keine Gefahr heraufbeschworen, wurde immerhin zum Torvorbereiter.

Nach seinem Einwurf auf Höhe der Strafraumgrenze flog der Ball am einköpfbereiten Adrian Ramos ebenso vorbei wie an sämtlichen Freiburger Verteidigern. Der Neu-Herthaner Per Skjelbred reagierte am schnellsten, entwischte seinem Bewacher Christian Günter und spitzelte den Ball in die lange Ecke des SC-Gehäuses (38.). Es war der erste Bundesligatreffer des Norwegers überhaupt. Luhukay blickte erneut nach oben: „Das kam aus heiterem Himmel. Eigentlich hatten wir in der ganzen ersten Hälfte keine richtige Torchance.“

Kobiashvili scheitert knapp

Nach der Pause blieben die Verhältnisse ähnlich. Hertha war meist in Ballbesitz, wusste damit allerdings herzlich wenig anzufangen. Bis zur 74. Minute. Da tauchte plötzlich Ramos frei vor Oliver Baumann auf, schoss Freiburgs Torwart allerdings ans Bein. Zehn Minuten vor Schluss hatte ausgerechnet Kobiashvili das 2:1 auf dem Fuß, doch seinen Schuss aus 16 Metern wehrte Baumann mit den Fingerspitzen zur Ecke ab. War in diesen Minuten das 1:1 aus Gastgeber-Sicht noch glücklich zu sehen, wendete sich mit den Schlussminuten das Geschehen noch einmal.

„Insgesamt ist es für beide ein verdienter Punktgewinn“, schloss Kobiashvili, „das Spiel war nicht überragend von beiden Mannschaften.“ Luhukay wurde auch hier ein bisschen drastischer: „Als Fußball-Liebhaber habe ich dieses Spiel nicht genossen.“ Den Punktgewinn dafür umso mehr.