Bundesliga

Drei Spiele in sieben Tagen - Herthas Woche der Wahrheit

Hertha-Trainer Jos Luhukay will mit einem Sieg beim SC Freiburg die Mini-Serie von zuletzt zwei Niederlagen stoppen. Am Mittwoch geht es im Pokalspiel nach Kaiserslautern. In einer Woche kommt der FSV Mainz.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Im dunkelblauen Trainingsanzug saß Trainer Jos Luhukay auf der Pressekonferenz vor dem Spiel beim SC Freiburg an diesem Sonntag (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei Immer Hertha). Schon allein mit seiner Kleiderwahl machte der Niederländer so deutlich, dass vor seinem Team viel Arbeit liegt.

In nur sieben Tagen spielt Hertha drei Partien in Freiburg und gegen Mainz, dazwischen noch im DFB-Pokal in Kaiserslautern. Nach dieser Woche der Wahrheit wird der Klub Gewissheit haben, wohin die Reise in der Hinrunde geht.

Denn nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge muss Luhukays Team wieder den Weg zurück zum Erfolg finden. „Ich hoffe auf einen Sieg, einen Punkt aus Freiburg würden wir aber auch gern mitnehmen“, sagte Luhukay.

Manager Preetz vertraut dem Team

Auf etwas Zählbares hofft auch Michael Preetz. „Wir werden mit viel Schwung in diese Woche gehen, denn die Mannschaft hat bewiesen, dass sie guten Fußball spielen kann. Daraus kann man eine Menge mitnehmen. Und das werden wir machen“, versprach der Manager.

Die Gefühlslage im Verein ist mit diesen Worten genau umrissen. Einerseits hat das Team die beiden vergangenen Spiele nicht nur verloren, sondern auch keinen eigenen Treffer dabei erzielt. Vom Ergebnis her ist der Trend eindeutig negativ. Doch andererseits schöpfen die Blau-Weißen Mut aus ihrer bisherigen Spielweise. So wie Kapitän Fabian Lustenberger: „Wir haben in den vergangenen Spielen trotz der beiden Niederlagen gezeigt, dass wir mithalten können. Das gibt uns ein gutes Gefühl für diese schwere Woche.“

Luhukay setzt auf seine Offensive

Jos Luhukay weiß, dass vor allem die Ergebnisse zählen und deshalb die Entwicklung von außen immer kritischer betrachtet wird. Doch der Trainer hob vor allem die positiven Aspekte hervor und zeigte sich als Pädagoge, der weiß, dass in solchen Situationen eher das motivierende Lob gefragt ist. Deshalb erinnerte der Niederländer vor allem an die aus seiner Sicht überragende Leistung seines Teams im Spiel gegen den VfB Stuttgart, das Hertha unglücklich 0:1 verlor: „Wir haben als Team sehr hoch verteidigt, mit viel Druck und Pressung in der Offensive. Das muss man erst einmal in der Bundesliga schaffen.“ Die Zweifler, die Hertha vor der Saison die Tauglichkeit für die Eliteklasse abgesprochen hatten, sind zumindest verstummt. Zu klar ist, dass Luhukays offensives Spielkonzept auch ohne große Stars fruchtet.

Die Sorgen sind jedoch bei den Blau-Weißen nicht verschwunden. Auch wenn sowohl Michael Preetz als auch Jos Luhukay solche Gedanken weit von sich weisen. Die Erinnerungen an die letzte Bundesliga-Saison der Berliner sind noch nicht verblasst. Mit 20 Punkten befand sich der Verein nach der Hinrunde im sicheren Mittelfeld, bevor er erneut in die Zweite Liga abrutschte. Gegen die Angst, Geschichte könnte sich wiederholen, hilft keine Medizin. Nur Punkte sowohl gegen Freiburg als auch in einer Woche zu Hause gegen Mainz und als Bonus noch ein Weiterkommen im DFB-Pokal, dem ewigen Sehnsuchtsobjekt der Hertha-Anhänger. Dazu muss allerdings Zweitligist Kaiserslautern im eigenen Stadion (Mittwoch, 19 Uhr) geschlagen werden. „Wenn wir schön punkten und auch im Pokal weiterkommen, war das für uns sicher ein sehr, sehr gelungener Start“, fasst Fabian Lustenberger zusammen, wie das ideale Zwischenfazit nach der Woche der Wahrheit lauten könnte.

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Ein erster Schritt gegen eine mögliche erste kleine Krise bei den Berlinern ist aber die Partie gegen Freiburg. Die Breisgauer spielten am Donnerstagabend gegen den tschechischen Klub Slovan Liberec 2:2. Jos Luhukay versucht aus dieser Situation einen Vorteil zu ziehen: „Wir wissen, dass Freiburg momentan noch nicht bei hundert Prozent ist. Vielleicht können wir in der einen oder anderen Situation von der fehlenden Stabilität profitieren. So wie auch Liberec in der Europa League, die eigentlich zwei Tore geschenkt bekommen haben.“

Wobei der Niederländer gar nicht auf Präsente des Gegners angewiesen sein möchte. Stattdessen zeigte er eine mustergültige Personalführung, indem er nach dem deutlich längeren Lob kurz die Unzulänglichkeiten seines Teams ansprach. Ohne Umschweife kam Luhukay auf den Punkt: „Vielleicht kann man der Mannschaft vorwerfen, dass zuletzt einen Tick die letzte Entschlossenheit, die letzte Zielstrebigkeit gefehlt hat.“ Für den Trainer neben den bisher nicht sehr ertragreichen Standardsituationen der Grund für die Niederlagen.

Luhukay: Wir müssen so weitermachen

Ein Patentrezept oder Parolen gab Luhukay aber nicht zur Problemlösung aus. Stattdessen zeigte sein Trainingsanzug mit der aufgestickten Hertha-Fahne, den er bei der Pressekonferenz trug, was er zu machen gedenkt. Einfach weiterarbeiten wie bisher. Der Trainer ist von seiner Marschroute überzeugt und geht sie unbeirrt weiter. Das verhehlt er zu keiner Zeit: „Wir müssen auf unserem Weg in der ersten Liga so weitermachen. Das war bisher absolut überzeugend. Wir gehen von unserer eigen Stärke aus und bleiben bei unserer Grundausrichtung. Die ist sehr offensiv, sehr aktiv und sehr aggressiv. Und so wollen wir das auch in Freiburg angehen.“

Es ist deutlich, dass Jos Luhukay die Ergebnisse von Herthas Woche der Wahrheit nicht abwarten muss. Denn an seiner Strategie wird das nichts ändern.