Obwohl der FC Bayern am Wochenende souverän gegen Hannover gewonnen hat, kritisierte Sportvorstand Matthias Sammer das Team hart.
Bei Hertha BSC hat Manager Michael Preetz genau das Gegenteil getan. Der 46-Jährige lobte die Mannschaft trotz der zweiten Pleite in Folge gegen Stuttgart (0:1) öffentlich.
Im Interview nennt Preetz die Gründe dafür und verrät, warum er weiter auf den brasilianischen Spielmacher Ronny setzt.
Berliner Morgenpost: Herr Preetz, sehen Sie derzeit keinen Grund für Kritik?
Michael Preetz: Ich habe es für richtig gehalten, die Mannschaft nach dem Spiel deshalb zu loben, weil sie beinahe alles umgesetzt hat, was wir uns vorgenommen haben. Es ist uns nur nicht gelungen, das Tor zu machen. Wir wussten, dass die Spiele in der Bundesliga sehr eng sind, und wir für einen Sieg immer alles in die Waagschale werfen müssen. Das haben wir getan. Daher kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen.
Dennoch gibt es die Sorge, dass es bei einer solch mangelhaften Chancenverwertung wie gegen den VfB am Ende eng werden könnte.
Die mangelnde Effektivität war in diesem Spiel unser Problem. Aber ansonsten gab es keinen großen Unterschied zum Spiel gegen Frankfurt. Da war es auch lange eng. Am Ende haben wir 6:1 gewonnen, weil wir an diesem Tag alles getroffen haben. Gegen Stuttgart hätte wir wohl noch zwei Stunden spielen können und trotzdem kein Tor erzielt. Es gibt solche Tage, da ist es wie verhext. Aber viel schlimmer wäre es doch, wenn die Mannschaft nicht alles probiert hätte. Dies hat sie, übrigens auch nach Meinung der meisten Fans – deshalb haben wir auch keine Sorge.
Bei der ersten Niederlage in Wolfsburg sind beide Gegentore durch Unachtsamkeit kurz vor der Halbzeitpause gefallen. Gegen den VfB fiel der Gegentreffer durch eine Unachtsamkeit kurz nach der Pause. Fehlt Hertha noch die Cleverness?
Dass wir, was die Cleverness angeht, zulegen müssen, haben wir bereits nach dem Spiel in Wolfsburg gesagt. Wir müssen schnell dazulernen – vor allem die jungen Spieler. Aber das funktioniert nur, wenn wir Ihnen den Rücken stärken und ihnen auch Fehler zugestehen. Wichtig ist, dass wir mit den Rückschlägen richtig umgehen.
Wie gehen Sie damit um?
Unser Trainer Jos Luhukay wird das Spiel mit der Mannschaft analysieren und Gutes wie Schlechtes noch einmal per Video zeigen. Und dann werden die Spieler sehen, dass viel mehr Positives als Negatives dabei war, was sie nun ins nächste Spiel gegen Freiburg mitnehmen müssen. Fakt ist aber auch: Um uns muss keiner Angst haben. Wir können das richtig einordnen. Wir wissen auch, dass wir jetzt nicht jedes Mal toll spielen und trotzdem verlieren dürfen. Aber es gibt keinen Grund, unruhig zu werden.
Sie haben vor dem Spiel gegen den VfB gesagt, Ronny müsse beweisen, dass sich Hertha auf ihn verlassen kann. Hat er das?
Mit dieser Aussage habe ich nicht gemeint, dass er sich in diesem einen Spiel beweisen muss, sondern über die gesamte Saison. Ich finde, dass seine Leistung gegen Stuttgart völlig in Ordnung war. Obwohl es ihm der VfB sehr schwer gemacht hat, war er über 90 Minuten bemüht, Linie ins Spiel zu bringen, konnte über die gesamte Strecke das hohe Tempo mitgehen – darauf kann er wunderbar aufbauen.
Wird Ronny den verletzten Alexander Baumjohann dauerhaft vertreten können?
Ronny weiß, dass er dauerhaft gute Leistungen abrufen und sich idealerweise auch noch steigern darf. Dazu muss er sich aber jeden Tag daran erinnern, welche Regeln der Profifußball sonst noch mitbringt. Wenn er das hinbekommt, wird er auch dauerhaft eine gute Rolle für uns spielen.
Wie zufrieden waren Sie mit den beiden Zugängen Per Skjelbred und Tolga Cigerci?
Beide haben ein prima Spiel gemacht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie erst kurz bei uns sind. Beide haben gezeigt, dass sie die Handlungsoption für unseren Trainer im Mittelfeld vergrößern.
Müssen sich etablierte Spieler wie Peer Kluge, der gegen Stuttgart erstmals überraschend nicht im Kader stand, und Verteidiger Maik Franz Sorgen um ihren Platz im Team machen?
Sie müssen sich keine Sorgen machen. Sie müssen sich weiter im Training anbieten und auf ihre Chance warten.
Der kommende Gegner Freiburg konnte noch kein Spiel gewinnen und muss am Donnerstag in der Europa League antreten. Steht Hertha im Breisgau unter Druck?
Jetzt kommt erst der 6. Spieltag, da ist das Wort Druck die falsche Begrifflichkeit. Wir stehen nur unter dem Druck, den wir uns selbst in jedem Spiel auferlegen. Wir wollen auch in Freiburg guten Fußball spielen, punkten und fahren mit einem guten Gefühl dort hin.





