Bundesliga

Herthas Hajime Hosogai beweist seine Qualität

In seinem ersten Bundesliga-Auftritt für Hertha zeigt der Japaner Hajime Hosogai, warum die Berliner für den Transfer eine Million Euro ausgegeben haben. Mit ihm steigt die Qualität im Team.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Mit einem Fußball in der Hand standen zwei japanische Fans am Tag nach dem fulminanten 6:1 über Eintracht Frankfurt am ersten Bundesliga-Spieltag am Trainingsgelände und warteten geduldig auf ihren Landsmann Hajime Hosogai. Der Nationalspieler hatte in seinem ersten Pflichtspiel für Hertha eindrucksvoll bewiesen, warum die Berliner für ihn von ihrer Linie abwichen und sogar eine Million Euro Ablöse bezahlten. Der Japaner hebt spürbar die Qualität im defensiven Mittelfeld.

Direkt nach dem Spiel sagte sein Trainer Jos Luhukay noch unter dem Eindruck des gerade Gesehenem beinahe ehrfürchtig: „Hajime Hosogai war überragend.“ Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Wie die gesamte Mannschaft.“ Dabei war gar nicht davon auszugehen, dass der Japaner gleich in der ersten Partie zum Einsatz kommt. Denn durch den Confed-Cup in Brasilien stieß der Zugang aus Leverkusen erst später zum Team.

Hosogai ersetzt Peer Kluge

Lange hat der niederländische Coach darüber gegrübelt, sich dann aber doch für Hosogai entschieden. Als Absicherung für die vier offensiven Spieler Sami Allagui, Alexander Baumjohann, Änis Ben-Hatira und Adrian Ramos. Dabei sollte der 27-jährige Zugang aber nicht die Rolle als reiner Abräumer neben Kapitän Fabian Lustenberger einnehmen.

Ebenso wie Vize-Kapitän Peer Kluge, den der Japaner auf die Bank verdrängte, zeigte sich Hosogai als Schalterspieler. Sobald sich Hertha den Ball erkämpfte, sollte die Kugel präzise und schnell nach vorne gespielt werden. Mit einer Passquote von über 87 Prozent setzte der 1,77 Meter große Mittelfeldspieler die Vorgabe seines Coaches perfekt um.

Luhukay kennt die Stärken des Japaners

„Das war Wahnsinn. Ich hatte das Gefühl, dass er jede Minute besser und stärker wird. Am Ende hat er richtig viel Spaß am Fußball gehabt“, schwärmte Luhukay. Seinen Profis hatte der Trainer schon zu Beginn der Vorbereitung klar gemacht, was sich im Gegensatz zum Aufstiegsjahr für sie ändern würde: „Drei Facetten sind in der Bundesliga entscheidend: Tempo, Handlungsschnelligkeit und das Umschaltspiel.“

Genau dort liegen die Stärken von Hosogai, der mit seinen blitzschnellen Zuspielen die beiden Tore von Sami Allagui im ersten Spiel initiierte. Der Japaner selbst hatte zu so einem frühen Zeitpunkt in der Saison noch gar nicht mit einem Platz in der Startelf gerechnet und sieht zudem Potenzial bei Hertha: „Wir sind noch nicht bei hundert Prozent. Von Spiel zu Spiel werden wir uns entwickeln.“ Damit meinte er nicht das Ergebnis, sondern die fußballerische Qualität der Mannschaft.

Konkurrenz bei Leverkusen ist Herthas Glück

Für Hertha ist der Japaner ein Glücksfall. Nicht nur durch seine Qualität, sondern auch vom Preis und den Transfermodalitäten. Im Normalfall könnten sich die Berliner einen solchen Spieler nicht leisten. Aber der Japaner sah im starken Leverkusener Mittelfeld mit Rolfes, Reinartz und Bender keine Chance, sich für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zu empfehlen.

Bei Bayer musste er sogar als linker Außenverteidiger aushelfen. Deshalb suchte er einen Verein, bei dem er gute Chancen auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld hat. „Ich bin froh, wieder in der Mitte zu spielen“, sagte er ehrlich. Dazu kam Leverkusen den Berlinern bei der Ablöse von einer Million Euro so weit entgegen, dass die nicht nur in Raten, sondern auch noch verzögert bezahlt werden kann.

Kein Angriff auf japanischen Markt

Mit Hosogai kehrt bei Hertha auch wieder asiatischer Medientrubel ein. Fast wie vor zehn Jahren, als die Blau-Weißen eine chinesische Version ihrer Website starteten. Der Klub wollte sich unter Manager Dieter Hoeneß global vermarkten und ein Angebot für 600 Millionen chinesische Fußballanhänger schaffen. In der Annahme, diese würden sich alle für Hertha interessieren. Sogar der Kapitän der chinesischen Nationalmannschaft trainierte zur Probe, damit die Berliner für den vermuteten Wachstumsmarkt attraktiv würden.

Den Trubel mit japanischen Kamera-Teams und den auffällig hinzugekommenen Fans aus Fernost beim Training nimmt der Verein nun im Vorbeigehen mit. Doch von globalen Visionen ist nichts mehr zu hören. Auch die chinesische Website gibt es nicht mehr. Die Entscheidung für den Japaner Hosogai war ein Wunsch des Trainers und nicht eines Vermarktungsteams.