Fußball

Jung-Herthaner Brooks gibt die richtige Antwort auf dem Platz

Es war ein schöner Tag für Anthony Brooks: Bei Herthas 6:1 gegen Frankfurt gelang ihm der Treffer zum 2:0. Doch unter der Woche hatte sich der 20-Jährige über die Berichterstattung in Berliner Medien geärgert.

Die Arme hatte John Anthony Brooks auseinandergespreizt, als wollte er abheben. Herthas junger Innenverteidiger hatte gerade das 2:0 für die Berliner beim fulminanten 6:1-Auftakterfolg gegen Eintracht Frankfurt im Anschluss an eine Ecke aus acht Metern erzielt – ein klassisches Abstauber-Tor, ja ein klassisches Innenverteidiger-Tor. Nun lief der 20-Jährige über den ganzen Platz hinüber zur Haupttribüne, wo seine Familie saß. Die Freude über sein allererstes Bundesligator wollte Brooks mit seinen Lieben teilen, die ihn durch eine turbulente Woche navigiert hatten. Eine Woche, in welcher Herthas Shooting-Star der vergangenen Zweitligasaison deutlich zu spüren bekam, dass er angekommen ist im Geschäft Profifußball.

Verdrehte Sachverhalte

Am Mittwoch noch musste Brooks erfahren, dass es zum Traumberuf Fußballprofi eben auch gehört, unangenehme Fragen zu beantworten und manchmal sogar damit leben zu müssen, wenn Sachverhalte in der Öffentlichkeit verdreht werden. Der Berliner Boulevard hatte berichtet, dass sich Horst Hrubesch, der Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft, um Brooks bemühe. Hrubesch wollte den Abwehrspieler für das Freundschaftsspiel gegen Frankreich am Dienstag nominieren. Zuvor aber hatte sich der Sohn einer deutschen Mutter und eines US-amerikanischen Vaters schon dafür entschieden, die Einladung von Jürgen Klinsmann anzunehmen. Der Coach der US-Nationalmannschaft wollte Brooks gern beim Test gegen Bosnien-Herzegowina am Mittwoch vorspielen lassen, und Brooks wollte die Chance ergreifen.

Ungeachtet dessen, dass sich der Abwehrmann zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig für ein Land entscheiden muss, für das er in Zukunft spielen will (das muss er erst ab seinem 22. Lebensjahr, beziehungsweise mit dem ersten Pflichtspiel), stand eine Grundsatzfrage im Raum: Deutschland oder USA? Entscheide dich! Selbst Klubtrainer Jos Luhukay wurde genötigt, eine Empfehlung auszusprechen, was er klugerweise unterließ. „John soll sich erst einmal in Ruhe in der Bundesliga etablieren.“

Keine Statements für die Journalisten

Dass ihn die Diskussion um seine Person verärgert hat, zeigte Brooks in den Katakomben des Stadions. Zwar gab er oberkörperfrei einige kurze Interviews für das Fernsehen: „Ein großartiges Spiel war das für uns, das wir aber nicht überbewerten dürfen. Für mich persönlich war es natürlich außergewöhnlich.“ An den Berliner Journalisten aber schritt Brooks wortlos vorbei. Zu tief saß noch der Frust. Die Antwort auf das Gezerre an ihm hatte er auf dem Platz gegeben.

Die erste Bundesligasaison für John Anthony Brooks beginnt also, wie die erste Zweitligasaison für ihn endete: mit einem wichtigen Tor. In der letzten Zweitligapartie gegen Cottbus hatte er noch zum 1:1-Ausgleich getroffen. Auch damals lief er mit gespreizten Armen über das Feld, als wollte er abheben. Seitdem hat sich vieles verändert.