Bundesliga

Hertha besteht gegen Wisla Krakau den ersten Härtetest

Der Bundesliga-Aufsteiger schlägt den polnischen Erstligisten verdient mit 2:0. Doch anders als in den bisherigen Testspielen wurde Hertha gegen Krakau auch in der Rückwärtsbewegung gefordert.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Zur Pause wurden die ersten Mannschaftswagen der Polizei abgezogen. Bis dahin hatte die Besatzung der acht Wannen einen ruhigen Nachmittag gehabt. Aus Sicherheitsgründen fand die Vorbereitungspartie zwischen Hertha BSC und Wisla Krakau unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Nachricht hatte sich bis Polen herumgesprochen.

Von den gefürchteten Wisla-Hooligans war nichts zu sehen. So konnte sich Trainer Jos Luhukay ganz auf die sportlichen Erkenntnisse dieses Vorbereitungsspieles konzentrieren. Nach fünf Tests gegen unterklassige Gegner ging es erstmals gegen einen Erstligisten. Der Bundesliga-Aufsteiger setzte sich mit 2:0 (2:0) letztlich ungefährdet gegen den Siebten der polnischen Liga durch.

Erstmals spielten bei Hertha die Spieler komplett durch, bisher hatte der Trainer zur Pause jeweils das komplette Team getauscht. Die anderen Profis wie Peter Niemeyer, Rony, Adrian Ramos, Peter Pekarik oder Maik Franz, die den Test von der Tribüne aus verfolgten, werden morgen im Freundschaftsspiel bei Viktoria Köln auflaufen.

Fähigkeit zum Blitzstart beibehalten

Eine erste Erkenntnis für Luhukay stellte sich nach 90 Sekunden ein. Wie in der Zweiten Liga hat seine Mannschaft auch nach der Sommerpause die Fähigkeit zum Blitzstart beibehalten. Sami Allagui stürmte über die rechte Seite, seine Flanke landete bei Nico Schulz, der sofort abzog, 1:0 (2.). Die Polen, deren Saison am Wochenende startet, wirkten beeindruckt.

Die Hausherren blieben am Drücker. Luhukay hatte drei der vier Neuen aufgeboten, nur Hajime Hosogai saß auf der Tribüne. Alexander Baumjohann präsentierte sich fleißig in der Spielmacher-Rolle. Seine technischen Fähigkeiten zeigte er mit Direktspiel und Außenrist-Pässen mehrfach. Noch gelingt mit den neuen Kollegen nicht alles.

Aber Hertha hat mit dem Ex-Lauterer eine Stärke dazu gewonnen, die bisher nur mit Ronny verbunden wurde: die bei Standardsituationen. So köpfte Sebastian Langkamp, ein weiterer Neuer, eine Baumjohann-Ecke schulmäßig unter die Latte, nach zwölf Minuten führte der Bundesliga-Aufsteiger mit 2:0.

Kluge und Lustenberger als Organisatoren

Dann kamen die Gäste besser ins Spiel. Anders als die bisherigen Gegner forderte Krakau Hertha auch im Rückwärtsgang. Kapitän Peer Kluge hatte im defensiven Mittelfeld mit Fabian Lustenberger einiges zu organisieren. Auf der linken Abwehrseite setzte sich Johannes van den Bergh, der dritte Zugang, mit wechselndem Erfolg mit dem schnellen Emmanuel Sarki auseinander.

Für ungewollte Aufregung sorgte Langkamp. Der Innenverteidiger spielte einen zu kurz geratenen Rückpass zum eigenen Tor, Sarki spritzte dazwischen – in höchster Not rettete Torwart Thomas Kraft (40.). Solche riskanten Aktionen sollten dem neuen Innenverteidiger in der Bundesliga besser nicht unterlaufen. Auch wenn sich Wisla die eine oder andere Ecke erarbeitete oder sich auf den Außen mal durchsetzte, im Abwehrzentrum standen die Berliner sicher.

Nach der Pause legte Hertha erneut einen Zwischenspurt ein. Pierre-Michel Lasogga, der Stoßstürmer spielte, erarbeitete sich zwei Chancen (49., 52.), auch Nico Schulz kam von der Strafraumgrenze frei zum Abschluss (51.) – doch jedes Mal blieben die Herthaner in der vielbeinigen Abwehr hängen. Wisla hatte aber nicht vor, sich vorführen zu lassen. Mehrfach stiegen die Polen hart ein gegen Kluge, van den Bergh oder Baumjohann. Auch Lasogga hatte einen eisenharten Gegenspieler. Hertha darf im Liga-Alltag eine ähnlich robuste Gangart erwarten.

Gäste konditionell im Vorteil

Je länger das Spiel dauerte, desto mehr machten sich die konditionellen Vorteile der Gäste bemerkbar, die in ihrer Vorbereitung drei Wochen weiter sind. Dennoch stand der Abwehrverbund bei Hertha sicher. Weitgehend konnte die Mannschaft umsetzen, was Trainer Luhukay seit Ende Juni üben lässt: Kompakt stehen, dem Gegner keinen Raum geben in der bedrohlichen Zone 30 Meter vor dem eigenen Tor. Eine Kopfball-Möglichkeit für Lukasz Gargula (69.) – der Ball flog rechts vorbei.

„Ich hatte etwas mehr Widerstand erwartet“, sagte Hertha-Trainer Luhukay. Er war mit der ersten Hälfte zufrieden. „Da haben wir gut in der Defensive gestanden und bei beiden Toren unsere Qualitäten in der Offensive gezeigt.“ Nach der Pause war es vor allem ein Belastungstest für seine Spieler. Lediglich Ben Sahar wurde für Sami Allagui eingewechselt (70.). „Nach einer guten Stunde war das Tempo raus“, sagte Luhukay.

Am Ende wurde einer von beiden Teams umringt, der gar nicht gespielt hatte. Lukasz Piszczek, polnischer Nationalspieler von Borussia Dortmund und Ex-Herthaner, absolviert seine Reha nach einer Hüftoperation in Berlin. Er sagte: „Ich wünsche Hertha alles Gute.“