Fußball

Sanft ist Herthas Hajime Hosogai nur neben dem Platz

Mit dem 27 Jahre alten Japaner Hajime Hosogai kommt noch mehr Aggressivität in Herthas Mittelfeldspiel. Coach Luhukay freut sich auf einen fantastischen Profi - der im Spiel knallhart durchzieht.

Foto: Str / picture alliance / dpa

Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz waren extra vorbeigekommen, um beim Training zuzuschauen. Unter den rund 200 Kiebitzen fanden sich erstmals auch vier japanische Fans. Hertha BSC war gespannt auf den Auftritt von Hajime Hosogai (27). Der japanische Nationalspieler ist der vierte und mutmaßlich letzte Neue des Fußball-Bundesligisten. Durch den Confed-Cup in Brasilien hatte er drei Wochen später Urlaub als die neuen Kollegen in Berlin. Aber auch der ist nun beendet.

Gleich mit seiner allerersten Aktion zeigte Hosogai, was Hertha von ihm erwarten darf. Trainer Jos Luhukay hatte den Ball zur Eröffnung einer Spielform in den Raum gerollt, es machte Rums – und Spielmacher Ronny kugelte sich am Boden, während Hosogai das Spielgerät dem nächsten Mitspieler zupasste. Am Rande der Bande stand Shohei Higuchi, sein Manager von der Agentur Athleteplus aus Tokio, und beschrieb seinen Klienten: „Hajime hat ein sehr sanftes Gemüt. Aber auf dem Platz ist er sehr aggressiv.“

Vielseitig einsetzbar

Hertha hat den Neuen mit einem Vier-Jahres-Vertrag ausgestattet und zahlt die Ablöse von einer Million Euro an Bayer Leverkusen. Manager Preetz begründete die Verpflichtung so: „Hajime ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler mit einer großartigen Mentalität. Er ist bissig im Zweikampf, dazu international erfahren.“ Hosogai kann im defensiven Mittelfeld auf der Sechs und der Acht spielen, sowie in der Abwehrkette rechts und links. „Wir haben ihn aber nicht als Außenverteidiger geholt, sondern vorrangig als Mittelfeldspieler“, sagte Preetz. Im defensiven Mittelfeld bewerben sich somit reichlich Kandidaten um zwei Positionen: Kapitän Peter Niemeyer, Peer Kluge, Fabian Lustenberger, Hany Muhktar, Levan Kobiashvili – und eben Hosogai.

Bei der Frage, ob diese Position nicht überbesetzt sei, holt der Manager etwas aus. Er erinnert, dass in der abgelaufenen Zweitliga-Saison „Peter Niemeyer und Peer Kluge da praktisch konkurrenzlos waren“. Für die Bundesliga jedoch „brauchen wir Konkurrenzkampf auf allen Positionen. Deshalb haben wir diesen Transfer gemacht.“

Die Etablierten wissen, dass die Situation sich ändert. Kapitän Niemeyer agiert aufmerksam und resolut im Training, ebenso wie Peer Kluge. Der sagte über den neuen Mannschaftskollegen. „Hajime hat sich vorgestellt, wir werden ihn gut aufnehmen. Es ist wichtig, dass wir intern Konkurrenz haben. Er wird uns gut tun.“

23 Länderspiel für Japan

Dass sich etwas ändern wird bei Hertha, erwähnt Manager Higuchi in einem Nebensatz. Hosogai hat 23 Länderspiele für Japan absolviert. Sein Manager sagt, dass er fest davon ausgeht, dass Hosogai zum Aufgebot für die WM 2014 in Brasilien gehören wird. „Das ist auch der Grund, warum er nach Berlin gewechselt ist. Er will regelmäßig spielen.“ Da sich ein Spieler nicht selbst aufstellt, wird es entsprechende Signale in den Verhandlungen zwischen Hertha und Hosogai gegeben haben. Die Konkurrenten im defensiven Mittelfeld werden das aufmerksam registrieren.

Trainer Jos Luhukay hat - wie mit den anderen Neuen Sebastian Langkamp, Johannes van den Bergh und Alexander Baumjohann – auch mit Hosogai bereits gearbeitet. Mit der Erfahrung der gemeinsamen Tage beim FC Augsburg erwartet Luhukay keine Probleme beim Aufholen des konditionellen Rückstandes von Hosogai auf den Kader. „Hajime ist ein phantastischer Profi“, lobt Luhukay überschwänglich, was eher selten bei ihm ist.

Er berichtet, dass er ihm in Augsburg teilweise das Laufen verboten hat. „Die anderen saßen nach dem Training schon geduscht in ihren Wagen, da hat Hajime immer noch Runden auf dem Platz gedreht.“ Hosogai erklärte, dass das ein „Cooling down“ für ihn sei. Luhukay: „Ich habe ihm das in den ersten drei Trainingstagen der Woche erlaubt, aber nicht mehr in den beiden Tagen vor dem Spiel. „Da kannst du dann so viel laufen, wie du willst.“

Der Trainer hat gestern seinen Zögling im Hotel besucht und eine Stunde mit ihm gesprochen. Was er von Hosogai erwartet, wo er ihn sieht, was die Herausforderungen sein werden.

Gleich im roten Trikot

Anders als Pierre-Michel Lasogga, der nach seinem Trainingseinstieg in den ersten beiden Tagen bei den Spielformen zuschauen musste, durfte Hosogai von Beginn an ran. Er spielte im roten Trikot, war also jeweils bei der ballführenden Mannschaft. Und ließ hinterher eine Dolmetscherin übersetzen: „Es hat Spaß gemacht. Ich fühle mich auch nicht komplett neu, weil ich einige schon kenne.“ So kickte Hosogai in Augsburg bereits mit Langkamp und Marcel Ndjeng. Seine Ziele bei Hertha skizzierte er so: „Ich möchte möglichst viel spielen und der Mannschaft helfen, dass Hertha in der Bundesliga bleibt.“

Trainer Luhukay versprach den Gegnern, dass sie nicht viel Spaß mit Herthas Neuem haben werden. „Hajime hat ein gutes Passspiel. Trotz seiner 1,77 Meter ist er relativ kopfballstark. Und in der Defensive ist er ein sehr unangenehmer Gegenspieler.“ Ronny war der erste, der das zu spüren bekam.