Bundesliga

Herthas Fabian Lustenberger hat Konkurrenz aus Japan

Trainer Jos Luhukay will den flexiblen Schweizer sowohl im Mittelfeld als auch im Abwehrzentrum einsetzen. Lustenberger bekommt nun mit Hajime Hosogai ein weiteren Rivalen.

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Der Junge hatte etwas auf dem Herzen. Das gewünschte Autogramm zierte bereits sein Trikot, aber da war noch mehr. „Könnte ich“, flüsterte der Steppke und hielt dabei eine Hand vor dem Mund, „könnte ich vielleicht einen deiner Schuhe haben?“ Der Mann mit den begehrten Tretern nickte und zeigte Richtung Kabine: „Warte dort drüben auf mich, dann gebe ich ihn dir.“

Mit nur einem Schuh 200 Meter zur Umkleide humpeln – so viel Flexibilität konnte man dann doch nicht von Fabian Lustenberger verlangen. Die hatte er zuvor auf dem Platz abgerufen. Beim Trainingsspiel beorderte Hertha-Trainer Jos Luhukay den 25-Jährigen in die Innenverteidigung neben Maik Franz. Jene Position, die er auch beim Test gegen RB Leipzig (1:0) einnahm. In den Vorbereitungspartien zuvor hatte Lustenberger stets im defensiven Mittelfeld agiert. Seine erste Erklärung für den Wechsel: „Bei den Verletzungen von Roman Hubnik und Levian Kobiashvili bin ich der naheliegendste Innenverteidiger.“

Keiner ist so vielseitig wie Lustenberger

Doch die Rückkehr in die Abwehrzentrale ist mehr als eine Entscheidung mangels Alternativen. Luhukay hat bereits eine Idee, wie er Lustenberger in der Bundesliga einsetzen will. „Es ist denkbar, dass wir in der Saison bei ihm mehrfach switchen“, ließ der Trainer via Kicker verlauten. Da wusste der Betroffene noch nichts von seinem Glück, hatte aber eine Ahnung: „Er hat mir gesagt, dass er sich nicht festlegen will, weil ich gewisse Positionen spielen kann“, sagte Lustenberger.

Seine Polyvalenz – jenen Begriff, den der Schweizer Lucien Favre einst in den Hertha-Sprachgebrauch eingeführt hat – holt ihn vier Wochen vor dem Liga-Start gegen Eintracht Frankfurt wieder ein. Gespielt hat der Lockenkopf schon fast überall: Innenverteidigung, die Sechs, als Rechtsverteidiger und zentraler Mittelfeldspieler kam er in der vergangenen Saison zum Einsatz.

Pendelei zwischen Fluch und Segen

Profis wie Lustenberger pendeln zwischen Fluch und Segen. Sie spielen selbstverständlich immer da, wo der Trainer sie einsetzt, weisen aber im Nebensatz gern darauf hin, wo sie sich am wohlsten fühlen. Und das war bei Herthas dienstältestem Akteur stets das defensive Mittelfeld. Das hat er gelernt, hier kann er seine antizipatorischen und spielerischen Fähigkeiten zur Geltung bringen. Zudem hat sich das Ansehen der Position entwickelt vom einstigen ‚Wasserträger‘ zum prestigeträchtigen verkappten Spielmacher im modernen Konzeptfußball.

Aber auch ein flexibler Spieler will in die Startelf. Also „lasse ich es auf mich zukommen und bin froh, wenn ich meine Einsätze kriege. Welche Position, das ist sekundär“, sagt Lustenberger – und es fehlt der Nebensatz mit der Wunschposition. Denn inzwischen kann der Schweizer sich eine dauerhafte Anstellung ganz hinten vorstellen: „Es ist kein Problem für mich, Innenverteidiger zu spielen. Wenn man eine Saison gute Leistungen auf einer Position gezeigt hat, hat man das Selbstvertrauen.“

Trainer Luhukay lobt Lustenberger

Ab dem dritten Spieltag in Liga zwei spielte Lustenberger dort. Nach minimalen Schwierigkeiten zu Beginn spielte der Schweizer einen überzeugenden Abwehrchef und dirigierte neben ihm Youngster John Anthony Brooks. Die Zahlen belegen das: 14 Gegentore kassierten die Berliner in 23 Begegnungen mit Lustenberger als Innenverteidiger. Genau so viele wie in den restlichen elf Partien. „Sein Auge, seine Cleverness, sein Gespür für die Situation: Fabian ist der herausragende Verteidiger der Liga“, schwärmte Luhukay. Ein weiterer Aspekt: Es war seine erste Saison ohne Verletzungen. 33 Einsätze, 2935 Spielminuten – mehr schaffte kein anderer Berliner. „Ich denke zwar, dass ich das auch auf der Sechser-Position geschafft hätte, aber als Innenverteidiger muss man weniger an seine Grenzen gehen“, sagt Lustenberger.

Hosogai steigt am Montag ins Training ein

Ab dieser Woche steigt Zugang Hajime Hosogai ins Mannschaftstraining ein. Der Japaner hat seinen Urlaub nach dem Confed-Cup beendet. Er ist wie Lustenberger ein Defensiv-Allrounder und wird den Konkurrenzkampf anheizen. Kluge, Niemeyer, Mukhtar, Kobiashvili – sie alle können ebenfalls auf der Sechs spielen. Auch in der Innenverteidigung kämpfen fünf Profis um zwei Positionen. Lustenberger, der seinen Vertrag im April bis 2017 verlängert hat, wird seine Einsätze bekommen. Auf welcher Position werden wohl erst die ersten Bundesligaspiele zeigen. Es gehört zu den Eigenschaften eines Polyvalenten, das mit Anstand hinzunehmen: „Es ist die Entscheidung des Trainers. Ich ordne mich unter.“