Testspiel

12:0 - Neues Duo sorgt bei Hertha für Spaß und viele Tore

Hertha BSC hat den vierten Sieg im vierten Vorbereitungsspiel errungen - und zwar haushoch gegen den Fünftligisten VSG Altglienicke. Dabei wirbelten Ronny und Baumjohann zum ersten Mal gemeinsam.

Foto: Bongarts/Getty Images

Der Ball lag 17 Meter vor dem Tor, die Mauer stand gut neun Meter entfernt und das Publikum raunte „Ronnyyy“. Ronny lief an – und verblüffte den Gegner. Ronny lief über den Ball hinweg, stattdessen machte Alexander Baumjohann zwei kurze Schritte und jagte den Ball über die Abwehr hinweg in den rechten Torwinkel. Es war nach 27 Minuten das zwischenzeitliche 6:0 für Hertha BSC im Test bei der VSG Altglienicke. Am Ende setzte sich der Bundesligist mit 12:0 (6:0) gegen den Fünftligisten durch.

Nach dem vierten Sieg im vierten Vorbereitungsspiel sagte Trainer Jos Luhukay: „Spielerisch und von den Toren war das insgesamt unser bester Test.“

Es war das erste Partie, bei der Ronny und Baumjohann zusammen spielten. Und ohne das Resultat vor 3022 Zuschauern in Adlershof überzubewerten: Auf Anhieb zeigte sich, was Luhukay für die neue Saison beabsichtigt: „Wir wollen nicht ausrechenbar sein.“

Künftig schwerer auszurechnen

Die Zeiten der Zweiten Liga, als die gegnerischen Trainer jedes Mal die Stirn runzelten, man müsse Ronny und Adrian Ramos aus dem Spiel nehmen, sollen vorbei sein.

Hertha will künftig schwerer auszurechnen sein, das begann gestern mit der Aufstellung. Trainer Luhukay stellte statt der üblichen Doppel-Sechs mit Peter Niemeyer nur einen defensiven Mittelfeldspieler auf. Dafür spielte mit Ronny und Baumjohann eine Doppel-Zehn, eine betont offensive Ausrichtung.

Baumjohann belegte bei der Volkssportgemeinschaft, warum ihn seit Jahren der Ruf umgibt, ein extrem begabter Fußballer zu sein. Der Neue, vom 1. FC Kaiserslautern gekommen, bot Kabinettstückchen, etwa eine No-look-Pass mit der Hacke Christoph Janker in den Lauf. Vor allem aber traf er. Die ersten beiden Tore in Koproduktion mit Nico Schulz, der für Baumjohann auflegte, der den Ball flach ins rechte Eck zum 1:0 versenkte (10.). Ähnliche Situation fünf Minuten später: Schulz flankte, Baumjohann traf aus Mittelstürmer-Position, 2:0 (15.).

Nun kam Ronny ins Spiel und zirkelte einen 20-m-Freistoß ins Tor, 3:0 (17.). Nach einem Allagui-Treffer war wieder Ronny an der Reihe. Der Brasilianer legte für Ramos auf, der auf 5:0 erhöhte. Die anfangs beschriebene Freistoß-Co-Produktion von Ronny und Baumjohann bedeutete den 6:0-Halbzeitstand.

„Wir wollen nicht nur mit Doppel-Sechs spielen“, sagte Luhukay. „In der Bundesliga kann ich mir eine Doppel-Acht vorstellen oder eine Doppel-Zehn.“

Dafür muss vor allem Ronny umlernen. Er soll nicht auf einer Höhe mit Baumjohann stehen, sondern etwas versetzt. Das heißt, mal muss der eine etwas defensiver agieren, mal der andere. Gegen Altglienicke war es zumeist Baumjohann, der den offensiven Part übernahm. Ronny war sichtbar bemüht, dem neuen Kollegen zu helfen.

„Das hat Spaß gemacht, Ronny und Alex beim Spielen zuzuschauen“, sagte Luhukay. „Beide haben schöne Tore erzielt.“

Experimente auch nach der Pause

In der Zweiten Liga hatte der Trainer fast durchgehend auf die Taktik 4-2-3-1 gesetzt. Nach dem 4-1-4-1 im ersten Durchgang experimentierte Luhukay auch nach der Pause. Nun wurde ein 4-4-2 mit den Stürmern Sandro Wagner und Pierre-Michel Lasogga gespielt.

Ganz so zügig, ganz so flüssig wie in der ersten Hälfte ging es nicht mehr zu. Aber auch die Formation der zweiten Halbzeit dominierte klar, Hertha war mit elf frischen Spielern am Start, während dem Oberligisten zusehends die Kräfte schwanden.

Auf dem Fritz-Lesch-Sportplatz wurde nun unter den Fans gewettet, wie lange es dauern würde, bis die Anzeigetafel nicht mehr reichen würde. Nach Treffern von Mukhtar (47.), Lasogga (59.) und Ndjeng (67.) war es nach 71 Minuten soweit. Mit einem 21-m-Flachschuss traf Lasogga zum 10:0. Die Veranstalter hatte nur einstellige Ziffern zur Hand. Er löste die Rubrik der Heimmannschaft auf, so dass nur noch eine „10“ auf der Tafel stand.

Hattrick von Lasogga

Lasogga unterstrich seine gute Frühform mit einem Hattrick, insgesamt erzielte er vier Tore. „Pierre hat gefallen mit seinen Toren, dazu Marcel Ndjeng, der dreimal sehr gut vorbereitet hat“, sagte der Trainer.

Wie schon in Falkensee, in Strausberg oder am vergangenen Freitag in Fürstenwalde endete auch der Abend in Altglienicke mit einem positiv besetzten Platzsturm der vor allem jungen Fans von Hertha. Von leiser Kritik, ob die Mannschaft mit diesen unterklassigen Gegnern nicht unterfordert sei, wollte der Trainer nichts wissen. „Wir haben das Programm extra so zusammengestellt. Ich erlebe hier in den vergangenen zwei Wochen jedes Mal eine schöne Atmosphäre. Ich sehe viele Familien mit Kindern, das macht Spaß.“

Der übernächste Gegner wird ein andere Herausforderung: Am kommenden Dienstag geht es unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen den polnischen Erstligisten Wisla Krakau. Da wird es sich nicht so locker kombinieren lassen für Ronny, Baumjohann und Co.