Trainingsstart

Profis von Hertha BSC strecken sich für den Klassenerhalt

Beim ersten Training für die neue Bundesligasaison fehlten bei den Berlinern nur Pierre-Michel Lasogga und Zugang Hajime Hosogai. 800 Fans empfingen die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay mit Applaus.

Nach der ersten Einheit in der Bundesliga-Vorbereitung nahm Manager Michael Preetz am Sonntagvormittag einen ungewöhnlichen Weg vom Trainingsplatz. Statt über die Straße zur Hertha-Geschäftsstelle zu gehen, nahm er einen Schleichweg hinter den Pappeln am Nebenplatz entlang. Eine riesige Fantraube belagerte die Profis auf der Jagd nach Autogrammen und gemeinsamen Fotos.

Der Umweg des Hertha-Managers war am Ende nicht ganz von Erfolg gekrönt, denn einige Anhänger erspähten Preetz, der dann lachend ebenso zum Stift griff.

Gut anderthalb Stunden zuvor hatte Trainer Jos Luhukay die Profis in der Kabine mit einer Ansprache auf die neue Saison eingeschworen. Darin erinnerte der Niederländer an die erfolgreiche Zweitliga-Saison. „Das war ein erster Schritt. Aber wir wollen uns natürlich wieder fest in der Bundesliga etablieren.

Das verlangt noch mehr von uns allen. Wir müssen hart und intensiv arbeiten. So wie im vergangenen Jahr. In der Bundesliga wird es schwieriger. Aber wir haben keine Angst und vertrauen der Mannschaft.“

Applaus beim Aufwärmen

Danach liefen Trainer und Team unter lautem Jubel und Klatschen durch eine schmale Gasse der gut 800 anwesenden Fans auf den Schenckendorffplatz. Vorbei an einer gut zehn Meter langen Tapete, auf die Anhänger in blauer Schrift ihrer Hoffnung auf eine gute Zeit in der Bundesliga Ausdruck verliehen: „Lasst uns gemeinsam die 1. Liga rocken!“, stand darauf.

Die Begeisterung der Fans kannte mit dem Beginn der Übungen noch kein Ende. Bei den ersten Laufrunden zur Erwärmung wurden die Spieler frenetisch beklatscht, wenn sie an den Anhängern vorbeitrabten.

„Das ist ein wirklich schöner Empfang“, freute sich Kapitän Peter Niemeyer (29) danach. „Und ganz eindeutig sind das deutlich mehr Fans als im vergangenen Jahr. Das zeigt, dass Hertha wieder angesagt ist.“ Nach dem Abstieg fanden sich naturgemäß nur wenige Fans zum Trainingsauftakt. Ganz im Gegensatz zur aktuellen Stimmung bei Hertha, die ganz dem sonnigen Wetter entspricht.

Sogar Ordner musste der Verein verpflichten, damit die Einheit in einem vernünftigem Rahmen ablaufen konnte.

Niemeyer wollte gar nicht zu viel über die Schwierigkeiten für den Aufsteiger reden und hob vor allem das Positive hervor: „Ich freue mich auf jeden Spieltag. Das sind 34 Highlights, die wir uns in der vergangenen Saison erarbeitet haben. Darauf sollten wir uns freuen.“

Fanliebling Ronny kehrt pünktlich zurück

Die lockere Atmosphäre übertrug sich leicht von den Anhängern auf die Spieler. „Herzlichen Glückwunsch, Lusti! Das Geschenk gibt es nachher“, rief ein Fan dem Abwehrchef der vergangenen Saison zu, der kürzlich geheiratet hatte. Der Schweizer Fabian Lustenberger winkte lachend zurück und schob den Ball wieder zu seinem Mitspieler.

Vor allem Ronny, der im Gegensatz zur Vergangenheit austrainiert aus Brasilien zurückgekehrt ist, war eindeutig der Publikumsliebling. Mehr als 20 Minuten benötigte er, um sich nach dem Training den Weg durch die Fanmenge zu bahnen. Zuletzt wurde ihm sogar eine Dose mit brasilianischer Limonade geschenkt.

Doch bei aller Ausgelassenheit mit Fanartikelmobil und Imbisswagen am Rande des Übungsplatzes, Jos Luhukay war nicht gewillt, ein Showtraining zu absolvieren wie es bei vielen Klubs mittlerweile zum Auftakt üblich ist.

Unter den Augen von Vereinspräsident Werner Gegenbauer wurde eine leichte Einheit über knapp 70 Minuten absolviert, die erst zum Ende mit Torschüssen etwas für das Fan-Auge bot.

Der Kader steht bereits

Ein Grund dafür mag die Tatsache gewesen sein, dass Luhukay mit 25 Profis in die Bundesligavorbereitung starten kann. Angreifer Pierre-Michel Lasogga (21), der mit der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der EM in Israel spielte, stößt am 4. Juli zum Team. Der Japaner Hajime Hosogai (27) spielte noch am Sonnabend in Brasilien beim Confed-Cup für sein Heimatland und kommt erst am 15. Juli nach Berlin.

„Es ist schön, dass wir mit einem fast vollständigen Kader anfangen können. Das ist doch etwas anderes als im letzten Jahr“, freute sich Luhukay. Im vergangenen Jahr wurden die Zugänge teilweise erst im Verlauf der Saisonvorbereitung verpflichtet. Die Stürmer Sandro Wagner, Ben Sahar und Sami Allagui wurden erst im Trainingslager vorgestellt. Der Verteidiger Peter Pekarik kam sogar erst nach dem dritten Spieltag.

„Das war eine komplizierte Vorbereitungsphase, auch wenn wir von den Ergebnissen her sehr erfolgreich waren“, blickte Luhukay zurück. Jetzt hofft der Coach, dass er sechs Wochen nach seinen Vorstellungen mit dem Team trainieren kann und seine Spieler von Verletzungen verschont bleiben. „Wir müssen pünktlich fit sein“, pflichtete Peer Kluge seinem Trainer bei.

Der Vize-Kapitän genoss zwar sichtlich den Auftakt mit den Fans, war aber schon wieder sehr fokussiert. „Das hat uns im vergangenen Jahr so stark gemacht. Nicht umsonst haben wir so viele Tore in den letzten 15 Minuten der Spiele geschossen“, sagte Kluge.

Langkamp ist wieder fit

Ganz im Sinne von Kluge und Luhukay muss der Urlaub von Zugang Sebastian Langkamp (25) gewesen sein. Der vom FC Augsburg gekommene hochgewachsene Innenverteidiger (1,90 m) wurde vor acht Wochen an der Leiste operiert. Um rechtzeitig zur Saisonvorbereitung wieder fit zu sein, verpflichtete Langkamp auf eigene Kosten einen persönlichen Trainer.

Mit dem Coach bereitete er sich eine Woche in Hamburg und eine Woche in Spanien auf Hertha vor. „Ich bin so weit wiederhergestellt und fühle mich gut. Meine Werte sind in Ordnung. Aber das werden die Trainer noch einmal selbst überprüfen wollen“, sagte Langkamp. Heute und morgen werden alle Profis bei Hertha den bei Trainingsbeginn üblichen Leistungstests unterzogen, bei denen der persönliche Fitnesszustand festgestellt wird.

„Wir wissen, dass die Bundesliga einen höheren Anspruch hat und wir freuen uns darauf“, sagte Luhukay zum Schluss. Diese Freude war während des ersten Trainings jederzeit zu spüren, beim Team und auch bei den in den letzten Jahren so leidgeprüften Anhängern.