Morgenpost-Check

Das können die Fans von Herthas Neuzugängen erwarten

Vor dem Trainingsauftakt: Hertha hat vier neue Spieler verpflichtet. Wer sind sie, woher kommen sie - und was können sie in der kommenden Bundesliga-Saison in Berlin ausrichten? Der Morgenpost-Check.

Am Sonntag beginnt für Hertha BSC die Mission „Klassenerhalt“. Der Bundesliga-Aufsteiger startet ab 10.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz in die Vorbereitung auf die Saison 2013/14. Früh wie selten zuvor steht der Kader der Berliner. Mit Sebastian Langkamp, der vom FC Augsburg kam, Johannes van den Bergh von Fortuna Düsseldorf, Alexander Baumjohann (Kaiserslautern/alle ablösefrei) und Hajime Hosogai, der für rund eine Million Euro Ablöse von Bayer Leverkusen verpflichtet wurde, geht Hertha mit vier Neuen in die Spielzeit. Bis auf Hosogai, der noch mit der japanischen Nationalmannschaft am Confed-Cup in Brasilien teilnimmt, werden alle Zugänge beim ersten Training dabei sein. Was aber ist von ihnen zu erwarten? Wer von den Neu-Herthanern wird der Mannschaft sofort weiterhelfen? Welcher der Etablierten muss sich Sorgen um seinen Stammplatz machen?

Sebastian Langkamp

Warum hat Hertha ihn verpflichtet? Sebastian Langkamp ist ein erfahrener Bundesliga-Verteidiger, anders als der junge John Anthony Brooks (20) und Fabian Lustenberger, mit denen als Stammformation im Abwehrzentrum Hertha erfolgreich die Zweite Liga bestritten hat. Zudem wird Lustenberger im Mittelfeld eingeplant. Weil man von Roman Hubnik nicht überzeugt ist, musste neben Maik Franz ein weiterer Mann mit Erfahrung her.

Was hat er bisher geleistet? Langkamp wurde beim FC Bayern ausgebildet und war in der A-Jugend sogar Kapitän. Er wechselte zum HSV, konnte sich dort aber nicht durchsetzen. 2009 gab er für den Karlsruher SC sein Bundesligadebüt. Luhukay holte ihn nach dem Bundesligaaufstieg 2011 nach Augsburg, wo Langkamp als unumstrittener Stammspieler maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt war. In der vergangenen Saison bestritt er aufgrund einer Leistenverletzung nur elf Spiele.

Wem macht er Konkurrenz? Obwohl Luhukay sagt, dass alle Spieler zu Saisonbeginn bei Null anfangen, dürfte Brooks vorerst im Abwehrzentrum gesetzt sein. Zudem ist wahrscheinlich, dass Lustenberger zunächst als Innenverteidiger aushelfen wird. Langkamp wird versuchen, den beiden etablierten Verteidigern Konkurrenz zu machen und sich gegen Maik Franz, der zu Saisonbeginn zwei Spiele gesperrt ist, als erste Alternative durchzusetzen.

Was ist er für ein Typ? Langkamp gilt als Spieler mit Führungsqualitäten. Und er scheint ein akribischer Arbeiter zu sein: Nach seiner Leistenoperation vor acht Wochen trainierte der 25-Jährige in Hamburg täglich sechs Stunden verbissen seine Fitness. Während sich die Hertha-Profis im Urlaub erholten, flog Langkamp mit einem Personalcoach ins Trainingslager nach Malaga. Das dürfte genau nach Luhukays Geschmack sein.

Wird er sofort Stammspieler? 226 Tage liegt das letzte Ligaspiel von Langkamp zurück. Erst vor acht Wochen wurde er an der Leiste operiert. Dass er nach dieser langen Leidenszeit bei Hertha sofort zum Stammspieler aufsteigt, ist daher eher unwahrscheinlich. Doch Luhukay sieht ihn langfristig als Stütze im Abwehrzentrum und hat ihn als potenziellen Abwehrchef verpflichtet. Um diesen Anspruch zu erfüllen, wird er aber Zeit brauchen.

Johannes van den Bergh

Warum hat Hertha ihn verpflichtet? Johannes van den Bergh soll die einzige, wirklich große Problemzone bei Hertha in der erfolgreichen Zweitligasaison hinten links in der Viererkette beseitigen. Fabian Holland (22) war zu wenig konstant. Felix Bastians spielte bei Luhukay kaum eine Rolle und ist nach Bochum ausgeliehen. Levan Kobiashvili wird im Juli 35 Jahre alt. Hertha brauchte einen erfahrenen Linksverteidiger, der gute Flanken schlägt.

Was hat er bisher geleistet? Der 26-jährige Blondschopf wurde bei Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen ausgebildet. Unter Trainer Luhukay kam er als 20-Jähriger bei der Borussia in der Zweiten Liga zum Einsatz. Nach seinem Wechsel zu Fortuna Düsseldorf 2009 etablierte sich der 1,83 Meter große Linksverteidiger in der Zweiten Liga schnell als Stammkraft und bestritt in der vergangenen Bundesligasaison 33 von 34 Partien von Beginn an.

Wem macht er Konkurrenz? Links in der Viererkette hat Luhukay in der vergangenen Zweitligasaison munter durchgewechselt. Kobiashvili bestritt in der Rückrunde die meisten Partien. Der Georgier geht allerdings in seine mutmaßlich letzte Profisaison und könnte in der Bundesliga Probleme mit dem höheren Tempo haben. Holland, der in der Hinrunde gesetzt war, hatte besonders in der Offensive Probleme. Er muss um seinen Platz fürchten.

Was ist er für ein Typ? Einen Makel hat van den Bergh: Er kommt von Fortuna Düsseldorf. Seit Hertha 2012 die Relegation verlor, gibt es eine ausgeprägte Feindschaft zwischen beiden Fanlagern. Der 26-Jährige ist sich dieser bewusst. Der „Bild“ verriet er, dass er seinen Lieblingssong „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen (gleichzeitig auch der Aufstiegshit der Fortuna) mit Rücksicht auf die Hertha-Fans nicht mehr hören wird.

Wird er sofort Stammspieler? Von den vier Zugängen hat van den Bergh die besten Chancen, schon von Beginn an bei Hertha Stammspieler zu werden. Er bringt mit, was den Berlinern bis dahin links in der Viererkette fehlte: Er ist defensiv stabil und kann durch seine Schnelligkeit und gute Flanken die Offensive beleben. Im besten Fall wird er auf links das Pendant zu Rechtsverteidiger Peter Pekarik: ein Stabilisator mit Zug nach vorn.

Hajime Hosogai

Warum hat Hertha ihn verpflichtet? Hajime Hosogai löst für Hertha gleich drei Probleme auf einmal: Der Japaner kann nicht nur im defensiven Mittelfeld spielen, wo Hertha nach dem Abgang von Alfredo Morales Bedarf hatte. Hosogai ist darüber hinaus auch in der Lage, auf beiden Außenpositionen in der Viererkette aufzulaufen. Damit wäre er auch eine Alternative, falls sich der etatmäßige Rechtsverteidiger Peter Pekarik verletzen sollte.

Was hat er bisher geleistet? Den Sprung von der japanischen Eliteliga in die Bundesliga schaffte Hosogai in Augsburg. Bayer Leverkusen lieh ihn nach der Verpflichtung von Urawa Red Diamonds 2011 zum FCA aus. Unter Luhukay wurde er im defensiven Mittelfeld schnell Stammspieler. In der Bundesligasaison 2011/12 machte er 32 Spiele. Zuletzt saß er nach seiner Rückkehr in Leverkusen oft auf der Bank. Er ist japanischer Nationalspieler und hofft auf eine Teilnahme an der WM 2014.

Wem macht er Konkurrenz? Die Verpflichtung von Hosogai dürfte die pikantesten Personalentscheidungen bei Hertha zur Folge haben. Denn im defensiven Mittelfeld waren bisher Kapitän Peter Niemeyer und sein Vize Peer Kluge gesetzt. Der Japaner wird sich mit ihnen und Fabian Lustenberger, der aus der Innenverteidigung ins Mittelfeld rücken könnte, einen packenden Konkurrenzkampf um einen von nur zwei Plätzen liefern.

Was ist er für ein Typ? Hosogai hat sich trotz eines lukrativen Angebots von Eintracht Frankfurt, mit der er in der Europa League gespielt hätte, für Hertha entschieden, weil er mit Luhukay zusammenarbeiten wollte. Das Umfeld ist ihm wichtig, und daher freut er sich auch auf das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Augsburger Kollegen Marcel Ndjeng und Sebastian Langkamp. Mittelweile spricht Hosogai übrigens recht passabel deutsch.

Wird er sofort Stammspieler? Durch die Teilnahme am Confed-Cup mit Japan verpasst Hosogai einen Teil der Vorbereitung bei Hertha. Nach Ende des Turniers wird er nur zwei Wochen Urlaub machen, viel weniger als die Kollegen. Mit mentaler Erschöpfung ist dennoch nicht zu rechnen, in seinem Kulturkreis ist man längere Ferien ohnehin nicht gewohnt. Luhukay wird ihm im Ernstfall aber genügend Zeit zur Eingewöhnung geben.

Alexander Baumjohann

Warum hat Hertha ihn verpflichtet? Alexander Baumjohann überzeugte die Hertha-Verantwortlichen ebenso wie Hosogai als Gesamtpaket, weil es Lösungen für mehrere Probleme versprach. Denn Hertha suchte eigentlich zwei Spieler: einen Back-Up für Spielmacher Ronny, der seine Bundesliga-Tauglichkeit noch beweisen muss, und einen Flügelspieler, der links wie rechts einsetzbar ist. Baumjohann vereint diese unterschiedlichen Fähigkeiten.

Was hat er bisher geleistet? Er galt lange als „ewiges Talent“. Seit Baumjohann 2009 nach nur einem Jahr als Bundesligaprofi von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern wechselte, sich da aber nicht durchsetzen konnte. Nach einem halben Jahr wechselte er zu Schalke 04, aber auch bei den Königsblauen blieb der große Durchbruch aus. Bei Kaiserslautern in der vergangenen Saison avancierte er mit elf Assists jedoch zum drittbesten Vorbereiter der Zweiten Liga.

Wem macht er Konkurrenz? Baumjohann soll einerseits Spielgestalter Ronny, dem besten Scorer der Zweiten Liga in der vergangenen Saison, Konkurrenz machen. Andererseits wird er zunächst wohl im rechten offensiven Mittelfeld eingeplant. Dort spielten bei Hertha zuletzt der vom Stürmer umgeschulte Sami Allagui und Allrounder Marcel Ndjeng. Beide bekommen mit Baumjohann einen starken Konkurrenten vor die Nase gesetzt.

Was ist er für ein Typ? Der starke Techniker versucht nicht nur auf dem Platz oft mit Dribblings das Besondere. Auch neben dem Platz ist er bisweilen für Besonderes zu haben. Beim 30. Geburtstag seiner brasilianischen Frau Tatiane verkleidete sich der 26-Jährige am Sonntag als Joker aus dem Batman-Film. Tatiane ging als Schneewittchen. Die Kinder Melissa (4) und Milena (8 Monate) waren als Superman und Minimaus verkleidet.

Wird er sofort Stammspieler? Der Familienvater hat für Kaiserslautern eine starke Rückrunde gespielt und die besten Chancen, bei Hertha sofort den Platz rechts auf dem Flügel einzunehmen. Er kombiniert Allaguis Torgefährlichkeit mit Ndjengs Ballsicherheit und hat daher Vorteile gegenüber beiden. Zudem ist er als Experte für Standardsituationen eine gute Ergänzung zu Ronny und macht Hertha bei Ecken und Freistößen noch gefährlicher.

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