Fußball

Herthas Luhukay hat 50. Geburtstag - und fühlt sich jung

Jos Luhukay wird 50 Jahre alt. Die Berliner Morgenpost gratuliert Herthas Cheftrainer mit 50 Anekdoten aus seinem Leben. Musikalisch teilt der Niederländer eine Leidenschaft seines Managers.

Foto: Hannibal Hanschke / picture alliance / dpa

Seinen Sommerurlaub verbringt Jos Luhukay gerade in der Nähe von Nizza an der Côte d’Azur. Dort feiert der Cheftrainer von Hertha BSC am Donnerstag gemeinsam mit seiner Frau Ingrid auch seinen 50. Geburtstag. Das Altern aber stört den Niederländer. Gerade noch war er doch selbst noch ein junger Spielern. Nun hat er Hertha als Trainer mit einer Rekordsaison zurück in die Bundesliga geführt. Dazwischen ereigneten sich ein paar schöne und auch ein paar tragische Geschichten. Lesen Sie 50 Fakten über den Fußballprofi, -trainer und vor allem den Menschen Jos Luhukay.

1. Das Älterwerden macht auch Jos Luhukay Probleme: „Man kann das gar nicht glauben. Plötzlich steht da eine Fünf vorne. Ich fühle mich überhaupt noch nicht so alt“, sagt Herthas Trainer.

2. Schnurbartträger ist der Niederländer seit seinem 15. Lebensjahr. „Der gehört einfach zu mir.“ Nach dem Aufstieg in die Bundesliga mit Borussia Mönchengladbach wollten ihm seine Spieler den Bart abrasieren. „Sie haben es nicht geschafft.“

3. Seit knapp 33 Jahren ist Luhukay mit seiner Frau Ingrid verheiratet.

4. Ingrid kommt zu fast jedem Heimspiel nach Berlin. Oft bringt sie ihrem Mann die von ihm geliebte niederländische Nachspeise Vla mit, eine Art flüssiger Pudding mit Sahne.

5. Als Ingrid ihren 50. Geburtstag feierte, überraschte ihr Mann sie mit einer großen Party. „Sie musste mir aber versprechen, dass sie das bei mir nicht macht“, so der Trainer.

6. Luhukay fährt gern mit der Bahn zur Familie nach Venlo an die niederländische Grenze. Obwohl die Deutsche Bahn Herthas Hauptsponsor ist, hat er sich selbst eine Bahncard 50 für die 1. Klasse gekauft.

7. Das Ehepaar Luhukay hat zwei Kinder: Naomi (21) studiert in Nijmengen Medizin, Sohn Sonny (20) Sportwissenschaft in Venlo. Beide leben noch im Elternhaus.

8. Eigentlich trinkt Luhukay keinen Alkohol. „Das schmeckt mir einfach nicht“, sagt er. Bei Herthas Saisonabschlussparty wurde er dennoch mit einem kleinen Glas Champagner gesichtet.

9. Nur 26 Minuten lang stand Luhukay als Profi in der Bundesliga auf dem Feld. Zweimal wurde er in der Saison 1995/96 für den KFC Uerdingen eingewechselt.

10. Eigentlich wollte Luhukay bei den Amateuren in Uerdingen seine Karriere ausklingen lassen. Weil die Profis aber Verletzungssorgen hatten, holte ihn Uerdingens damaliger Trainer nach oben: ein gewisser Friedhelm Funkel, einer von Luhukays Vorgängern in Berlin.

11. Luhukay ist der Sohn einer niederländischen Mutter und eines Vaters, der auf der Inselgruppe Molukken (Indonesien) aufgewachsen ist. Sie gehörte zur Kolonie Niederländisch-Indien. Er floh in die Niederlande und arbeitete in Stahlwerken. Er ist bereits verstorben.

12. Als Kind staunte Luhukay oft über den Fußball von Borussia Mönchengladbach. Er fuhr die 40 Kilometer bis zum Bökelberg, um in den 70er-Jahren Günter Netzer spielen zu sehen.

13. Mit 17 Jahren debütierte Luhukay bei seinem Heimatklub, dem niederländischen Zweitligisten VVV Venlo. Diese Erfahrung habe ihm besonders geholfen, die Nöte des Hertha-Nachwuchsspielers Hany Mukhtar zu verstehen. Auch er debütierte in der vergangenen Zweitligasaison mit 17 Jahren bei Hertha.

14. Als Mittelfeldspieler wies Luhukay eine starke Trefferquote auf: In 268 Partien für Venlo, den SVV Schiedam, RKC Waalwijk, SV 19 Straelen und dem KFC Uerdingen erzielte er 63 Tore.

15. Nur einen Monat nach Beendigung seiner Profikarriere in Straelen übernahm Luhukay den Klub als Cheftrainer in der Oberliga Nordrhein und führte ihn in zwei Jahren auf Platz sechs.

16. Luhukay war einst Mitglied der „Kleurrijk Elftal“, einer Auswahl von Niederländern aus den ehemaligen Kolonien. 1989 ging das Team auf Welttournee. Luhukay fehlte auf Flug 764 der Surinam Airways von Amsterdam nach Paramaribo, weil er mit Venlo noch gegen den Abstieg kämpfte. Dies rettete ihm das Leben: Am 7. Juni 1989 stürzte die Maschine beim Landeanflug ab. 179 Menschen kamen um, darunter 14 Profis. „Man denkt immer wieder daran zurück. Ein Schicksalsschlag“, sagt Luhukay.

17. Noch einmal hatte Luhukay einen Schutzengel: Auf der Autobahn drängte ihn ein LKW in die Leitplanke. Totalschaden. Luhukay und Ingrid blieben unverletzt. Der LKW fuhr einfach weiter.

18. Luhukay wohnt seit seinem Amtsantritt in Berlin in einer Hotelanlage nahe des Olympiastadions. Seit kurzem ist er auf Wohnungssuche. Nicht weiter weg als zehn Minuten vom Stadion soll die gesuchte 3-4-Zimmerwohnung liegen.

19. Nach dem Aufstieg mit Hertha bekam Luhukay eine Glückwunsch-SMS: Bayern-Trainer Jupp Heynckes gratulierte ihm. „Das hat mich sehr berührt.“, sagte Luhukay. Beide arbeiteten 2007 in Mönchengladbach zusammen. Als Heynckes entlassen wurde, übernahm Luhulay.

20. Fast hätte es den Trainer Jos Luhukay bei Hertha nie gegeben. Als die Berliner anfragten, riet ihm ausgerechnet seine Frau ab: „Sie bekam einen richtigen Schreck. Hertha lag damals am Boden, das Image war schwer beschädigt“, sagte Luhukay in einem Bild-Interview.

21. In den Urlaub fährt Luhukay gern an die Côte d’Azur. In diesem Jahr verbringt er die freien Tage nahe Nizza. Als die Kinder noch kleiner waren, gastierte die Familie oft auf Campingplätzen.

22. Sein Debüt als Bundesligatrainer gab Luhukay am 1. November 2003. Nachdem Friedhelm Funkel beim 1. FC Köln entlassen wurde, saß Co-Trainer Jos Luhukay gegen Hannover 96 als Chef auf der Bank. Die Kölner verloren 1:2.

23. Insgesamt 363 Punkte holte Luhukay in 233 Spielen als Cheftrainer in der ersten und zweiten Liga mit dem SC Paderborn, Borussia Mönchengladbach, FC Augsburg und Hertha. Das ist ein Punkteschnitt von 1,56 Zählern pro Spiel. Bleibt es dabei, verbucht Hertha in der kommenden Saison 53 Punkte. In der vergangenen Bundesligaspielzeit hätte das Platz fünf bedeutet.

24. Luhukay schätzt deutsche Profis mehr als niederländische: „In den Niederlanden hinterfragen die Spieler alles. In Deutschland folgen die Spieler ihrem Trainer mehr. Das entspricht meiner Arbeitsauffassung.“ Nicht umsonst nannte ihn der Boulevard in Augsburg damals den „kleinen Diktator“.

25. Noch heute ist Luhukay ein guter Fußballer. „Wenn er Übungen vormacht, sieht man das“, sagt Youngster Nico Schulz (20). „Das macht Eindruck.“

26. Luhukay hat einen bekannten Bewunderer: Huub Stevens, mit dem er als Co-Trainer in Köln zusammenarbeitete, schwärmt noch heute: „Ich wusste, dass er es zum erfolgreichen Cheftrainer bringen wird“, sagt der Niederländer.

27. Von seinen Spielern lässt sich Luhukay nicht „Herr Luhukay“ oder „Jos“ sondern „Trainer“ nennen. Das hat er so sehr verinnerlicht, dass er manche SMS mit „Gruß, Trainer“ beendet.

28. Bei keiner seiner Trainerstationen zog Luhukays Familie mit um: „Sie sollten nie ihr Leben an meines anpassen, nur, weil ich Fußballtrainer bin.“

29. Sein Lieblingscafé in Berlin ist das „Wiener Caffeehaus“ in Neu-Westend in der Nähe des Olympiastadions.

30. Luhukay setzt gern auf Altbewährtes: Alexander Baumjohann, den Hertha kürzlich verpflichtete, ist in Luhukays Trainerkarriere insgesamt bereits der zehnte Zugang, den er schon von früheren Stationen kannte.

31. Der Trainer hat einen Trick, um Spieler zu Hertha zu lotsen: „Beim zweiten Treffen setze ich mich mit dem Spieler auf die Ehrentribüne im Olympiastadion. Das Stadion zu sehen und zu spüren, wie imposant es ist, gibt dem Spieler einen Eindruck, wie schön es sein könnte, für uns zu spielen.“

32. Oft überträgt Luhukay niederländische Begriffe ins Deutsche. Eines seiner Lieblingswörter ist „Strebigkeit“. Damit gemeint ist die Zielstrebigkeit und der Siegeswillen seiner Mannschaft.

33. Luhukay ist ein großer Fan des deutschen Schlagers. Diese Leidenschaft teilt er übrigens nicht nur mit Pierre-Michel Lasogga. Auch Herthas Manager Michael Preetz ist ein Kenner des Genre.

34. Der sonst so akribisch arbeitende Trainer hat eine Marotte: Er ist ein notorischer Handy-Verlierer. So ließ er im Urlaub in Südfrankreich 2012 sein Telefon im Taxi liegen. Zum Glück für Hertha war damals schon alles klar mit den Berlinern.

35. Dass Luhukay ein Trainer aus Leidenschaft ist, zeigt sich auch auf seinem Nachttisch. Als Lektüre sammelt sich dort alles, was mit Fußball zutun hat. Von Fachzeitschriften über Trainingshandbücher ist alles dabei. Besonders gern liest er Biografien von Trainerkollegen und ehemaligen Spielern.

36. Als ihn auf Herthas Saisonabschlussparty jemand fragte, wie sehr er sich auf den anstehenden Urlaub freue, antwortete er: „Am liebsten würde ich gleich weiter arbeiten.“

37. Zu manchen Spielern pflegt Luhukay ein fast väterliches Verhältnis. Moritz Leitner, den er in Augsburg trainierte, und den Hertha gern zur neuen Saison ausgeliehen hätten, sagte einmal, er fühle sich bei Luhukay wie zu Hause.

38. Pünktlichkeit ist eine Maxime bei Luhukay. Ein Interview im Trainingslager verkürzte er, um nicht zu spät zum Essen zu kommen. „Ich muss den Spielern ein Vorbild sein.“

39. Ein Trainervorbild habe er nicht: „Ich habe mit viele guten Trainern zusammengearbeitet und von jedem etwas mitgenommen.“

40. Einen Lebensplan hatte Luhukay: „Ich habe meine Zukunft sehr früh im Fußball gesehen und wollte schnell erfahren, ob ich auch als Trainer tauge.“

41. Luhukays durchschnittliche Verweildauer im Traineramt bei einem Verein beträgt 1,79 Jahre. Laut einer Studie der EBS hält sich ein Bundesligatrainern durchschnittlich 1,2 Jahre in einem Klub.

42. Insgesamt setzte Luhukay bei seinen Trainerstationen in der ersten und zweiten Liga 159 Spieler ein.

43. Anders als viele Trainerkollegen in der Branche arbeitet Luhukay nicht mit einem Medienberater zusammen.

44. Luhukay hat keine Angst vor unpopulären Entscheidungen: Obwohl es einen Notstand im Angriff gab, sortierte er in Mönchengladbach einst den Angreifer Wesley Sonk aus, weil dieser das Team-Klima negativ beeinflusste. Ähnlich machte er es in Augsburg. Dort verbannte er den besten Angreifer Michael Thurk auf die Tribüne.

45. In seiner Freizeit entspannt sich Luhukay beim Joggen.

46. Der Trainer verlangt Integrität: Den SC Paderborn verließ er, weil der Präsident hinter seinem Rücken mit neuen Spielern verhandelt haben soll.

47. Mit 1,67 Meter Körpergröße ist Luhukay in der kommenden Bundesligasaison der kleinste Trainer der Liga.

48. Seinen Trainerschein machte er übrigens in Deutschland: Von Juli bis Dezember 2007 nahm er am 54. DFB-Fußballlehrer-Lehrgang der Deutschen Sporthochschule Köln teil – übrigens gemeinsam mit Steffi Jones, heute zuständig für den Frauenfußball beim DFB.

49. Luhukay hat Sinn für Humor: Bei der WM 2010 wettete er mit seinem damaligen Manager Andreas Rettig in Augsburg, dass die Niederlande weiter im Turnier kommt als Deutschland. Er behielt Recht. Als Wettschuld musste Rettig einen Woche lang mit einem Oranje-Trikot zur Arbeit kommen.

50. Am 21. Juni wird der neue Bundesliga-Spielplan veröffentlicht. Luhukay wünscht sich ein Heimspiel zum Auftakt: „Am besten nicht gleich gegen einen der Großen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich Euphorie entwickelt.“