Am Olympiastadion

Hertha baut den Fans bis Ende 2014 ein neues Zuhause

Am Olympiastadion feierte Hertha sein Fanfest. Finanzchef Ingo Schiller kündigte an, dass das heißersehnte Fanhaus in den nächsten 18 Monaten realisiert werden soll.

Foto: Krauthoefer

Ingo Schiller hatte zur Begrüßung eine gute Nachricht mitgebracht: „Wir möchten das Fanhaus, wenn möglich, schon in 18 Monaten realisiert haben“, sagte der Finanz-Chef von Hertha BSC am Sonnabend auf dem vierten Fanfest am Olympiastadion. Damit erfüllt der Verein einen Herzenswunsch seiner Anhänger, die schon lange eine offizielle Heimat für die Hertha-Fans in der Nähe ihrer Heimspielstätte suchen.

Ein paar Unwägbarkeiten stehen dem Baubeginn am Gutsmuthsweg im Olympiapark noch im Wege. So muss Hertha als Verein an einer Ausschreibung des Geländes, auf dem zurzeit noch Container stehen, teilnehmen. Doch der Klub ist optimistisch, diese Hürde zu umschiffen und hat bereits ein Architekturbüro beauftragt. Die Anhänger klatschten begeistert, die durch die Aufstiegssaison ohnehin gute Laune stieg weiter. Schließlich war lange keine Bewegung beim Fanhaus zu erkennen, dessen Kosten auf einen hohen sechsstelligen Betrag geschätzt werden.

Mit den Worten von Schiller begann auf dem Gelände vor der Hertha-Geschäftsstelle eine ausgelassene Feier, auf der sich im Verlauf des Tages vor allem die rund 7000 Fans selbst feierten. Kein Vergleich zur niedergeschlagenen Stimmung vor einem Jahr, als nur knapp 1000 Anhänger nach dem Abstieg kamen. Stattdessen amüsierten sich die Hertha-Fans bei Bratwurst und Bier und wippten zu den Hertha-Liedern, die auf der Bühne gespielt wurden. Die Stimmung um den Klub hat sich gewandelt.

Sitzen, wo die Profis sitzen

Bei strahlendem Sonnenschein konnten die Besucher im Mannschaftsbus auf den Sitzen von Kapitän Peter Niemeyer oder Top-Torschütze Ronny Platz nehmen. Einen besonderen Blick in das Innere des Klubs bot die Führung durch das Internat von Herthas Nachwuchsleistungszentrum. Dort konnten nicht nur Kraftraum und Höhenkammer bestaunt werden. Die Gäste durften auch in das Heiligste des Internats: Sie sahen die Lounge mit den vielen Sitzsäcken vor dem großen Flachbildfernseher und den Billardtisch ebenso wie wie Zimmer, in denen die Nachwuchsspieler wohnen, die nicht aus Berlin stammen. Wegen Umbaumaßnahmen blieb der Weg in die Profikabine allerdings versperrt.

Da fast alle Spieler noch im Urlaub sind und erst am 23. Juni 2013 mit der Vorbereitung für die Bundesliga-Saison beginnen, standen vor allem ehemalige Hertha-Legenden wie Ante Covic oder Pal Dardai im Fokus, die sich jetzt als Trainer im Nachwuchs betätigen. Besonders umlagert wurde Andreas Thom, der direkt vom Abschlusstraining seiner U17 zum Fanfest hinüber eilte. Sein Team spielt heute um 13 Uhr im Amateurstadion gegen Schalke 04 um den Einzug ins Finale der Deutschen Meisterschaft. Das Hinspiel gewannen die Berliner mit 1:0.

Perlen im Nachwuchsbereich

Thom betonte die bessere Verzahnung des Nachwuchsleistungszentrums mit dem Profibereich, die unter Cheftrainer Jos Luhukay begonnen hat: „Wir Trainer treffen uns nicht nur einmal im Monat. Sondern wir haben auch das Fördertraining für die Nachwuchsspieler, damit sich die Profitrainer ein Bild von deren Qualitäten machen können. Und warum sollen nicht schon die jungen Fußballer den Sprung schaffen?“ Damit sprach der U17-Trainer eine Hoffnung aus, die viele Anhänger mit ihm gemeinsam haben. Noch mehr Spieler aus dem eigenen Nachwuchs als bisher sollen im Olympiastadion für Hertha auflaufen.

„Das ist unser Ziel. Ich versuche den Jungs das beizubringen, was ich mal konnte. Damit sie mal da drüben spielen können“, sagte Thom, der in den 444 Pflichtspielen seiner Karriere 149 Tore erzielte. Dabei zeigte er auf das in Sichtweite stehende imposante Olympiastadion. Das Ziel sei nicht unrealistisch. Mit Blick auf seinen Kader meinte er: „Da sind schon ein paar Perlen dabei.“

Als Beispiel für die bessere Durchlässigkeit in den Profibereich gilt der mittlerweile 18 Jahre alte Hany Mukhtar, der noch im vergangenen Jahr die U17-Meisterschaft mit Hertha gewann und seit einer Spielzeit bei den Profis trainiert. Sogar einige Kurzeinsätze bekam er in der ersten Mannschaft.

Neben der Feier legte die traditionell von Fans für Fans organisierte Veranstaltung auch Wert auf ihre soziale Verantwortung. Der Schwerpunkt lag dieses Jahr auf einer Typisierungsaktion, auf der sich die Anhänger zwischen 18 und 55 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz als Spender registrieren können, um Patienten mit Leukämie oder Immundefekten mit ihren Stammzellen das Leben zu retten. Vor dem Zelt, in dem das Blut zur Untersuchung abgenommen wurde, bildeten sich kleine Schlangen.

Ab dem Nachmittag gab es ein besonderes Dankeschön des Vereins, der sich mit einer ungewöhnlichen Geste für die Unterstützung in der Aufstiegs-Saison bedankt. Die Anhänger durften sich von professionellen Fotografen kostenlos mit der Meisterschale (für den Erfolg in zweiten Liga) fotografieren lassen und die Bilder sofort mitnehmen.