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Baumjohann wechselt von Kaiserslautern zu Hertha

Hertha BSC bekommt Verstärkung aus Kaiserslautern. Alexander Baumjohann hat einen Dreijahresvertrag bei den Berlinern unterzeichnet. Ronny erhält mit dem Offensivspieler Konkurrenz im Mittelfeld.

Für das süße Nichtstun bleibt keine Zeit. In seinem Sommerurlaub schwitzt Herthas Spielmacher Ronny schon wieder für die kommende Bundesligasaison. Der Brasilianer hat von seinem Schweizer Berater zwei Fitnesstrainer an die Seite gestellt bekommen, damit der Linksfuß, dem in der vergangenen Zweitligaspielzeit endlich der Durchbruch bei den Berlinern gelang (18 Tore, 14 Vorlagen), und den Hertha kürzlich mit einem neuen Vierjahresvertrag ausgestattet hat, gar nicht erst auf die Idee kommt, sich auf dem Erreichten auszuruhen. So wie vor drei Jahren etwa, als Ronny gleich mit acht Kilogramm Übergewicht aus der Heimat zurückkam. Seit Donnerstagmittag gibt es darüber hinaus noch einen weiteren, triftigen Grund für den Offensivspieler, seinen Körper in Topform zu halten.

Denn Hertha BSC hat für Konkurrenz im Mittelfeld gesorgt: Der Bundesligaaufsteiger verkündete am Donnerstag die Verpflichtung von Alexander Baumjohann. Der 26-Jährige kommt ablösefrei vom Zweitligadritten 1. FC Kaiserslautern und unterschreibt einen Dreijahresvertrag bis 2016. Am Vormittag war der 1,78 Meter große Mittelfeldspieler in Berlin gelandet. Nach dem obligatorischen Medizincheck bei Herthas Mannschaftsarzt Dr. Ulrich Schleicher unterzeichnete Baumjohann sein neues Arbeitspapier. Er freue sich sehr auf die neue Herausforderung, sagte der in Datteln in Nordrhein-Westfalen geborene Offensivspieler. „Ich will mithelfen, dass wir – Verein, Fans und Mannschaft – in der kommenden Saison unsere Ziele erreichen werden.“

Durchbruch in Mönchengladbach

Möglich war dieser für Hertha kostengünstige Wechsel, weil der FCK den Aufstieg in den beiden Relegationsspielen gegen die TSG Hoffenheim Ende Mai verpasst hat. Im Falle der sofortigen Rückkehr in die Bundesliga hätte sich der Vertrag von Baumjohann bei den Pfälzern automatisch verlängert. Nun also tauscht er die Farben von Rot und Weiß zu Blau und Weiß.

Wie schon die drei Hertha-Zugänge vor ihm (Innenverteidiger Sebastian Langkamp vom FC Augsburg, Linksverteidiger Johannes van den Bergh von Fortuna Düsseldorf und Defensiv-Allrounder Hajime Hosogai von Bayer Leverkusen) hat auch Baumjohann Stallgeruch. Nicht Herthas Stall, sondern der von Jos Luhukay. Wie Langkamp, van den Bergh und Hosogai kennt der niederländische Cheftrainer der Berliner auch ihn bestens aus der Vergangenheit. Beide stiegen 2007 mit Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga ab, um im Jahr darauf als Tabellenerster prompt wieder aufzusteigen.

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Luhukay erkannte schnell das Talent des damals 21 Jahre alten, dribbelstarken Mittelfeldspielers und machte ihn bis zu seiner Entlassung bei den Fohlen 2008 zum Stammspieler. Es war die Saison, die Baumjohann in den Fokus des FC Bayern München rückte. 2009 wechselte der bei Schalke 04 ausgebildete Juniorennationalspieler zum deutschen Rekordmeister, konnte sich gegen die große Konkurrenz im Mittelfeld der Münchner jedoch nicht durchsetzen (nur drei Einsätze). Schalkes Trainer Felix Magath holte ihn im Januar 2010 zurück. Aber auch in Gelsenkirchen blieb ihm der erhoffte Stammplatz verwehrt. In drei Spielzeiten kam er lediglich auf 28 Ligaeinsätze. Das Talent drohte ein ewiges Talent zu bleiben.

Auch auf den Flügeln einsetzbar

Schon im vergangenen Sommer war Hertha an Baumjohann interessiert. Er entschied sich für den FCK und spielte in der Zweiten Liga eine gute Runde. Wichtiger als die fünf eigenen Treffer waren seine Qualitäten als Vorbereiter (11 Assists). Nur Herthas Ronny (14) und Torsten Mattuschka (12) vom 1. FC Union gelangen mehr Vorlagen. Neben seiner Erfahrung aus 65 Bundesligaspielen (drei Tore, 13 Assists) dürfte darin einer der Gründe gelegen haben, warum sich die Berliner nun für Baumjohann entschieden haben. Denn wie bei Ronny und Mattuschka geht auch bei Herthas Neuem viel Gefahr von Standardsituationen aus. Zuletzt schlenzte er gegen Hoffenheim im Relegationsrückspiel einen Freistoß aus 25 Metern in den Torwinkel. In den Saisonspielen zuvor bereitete er mehrfach per Ecken und Freistöße Treffer vor.

Baumjohann ist allerdings nicht nur als Spielgestalter sowie Freistoßspezialist und damit als Alternative zu Ronny verpflichtet worden. Neben der klassischen Spielmacherrolle auf der „Zehn“ kann der Rechtsfuß auch auf beiden Außenpositionen im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Besonders auf der rechten Seite (bisher spielten dort der Allrounder Marcel Ndjeng und der aus dem Sturmzentrum ausgewichene Angreifer Sami Allagui) sahen Luhukay und Herthas Manager Michael Preetz Handlungsbedarf. „Er ist ein Spieler, der uns mit seiner Technik und seiner Kreativität weiterhelfen wird. Ein richtig guter Fußballer“, sagte Preetz. Das Jahr in Kaiserslautern habe ihm gutgetan.

Dass Baumjohann nun schon der vierte Zugang mit Luhukay-Vergangenheit ist, hat Gründe: Vornehmlich Spieler zu verpflichten, die er bereits kenne, sei für den klammen Klub „das geringste Risiko. Bei ihnen wissen wir, dass sie uns fußballerisch weiterhelfen können und charakterlich in die Mannschaft passen“, sagte Luhukay kürzlich. Dass Hertha diesen Weg mitgeht, zeigt, wie sehr man in Berlin von ihm überzeugt ist.

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