Fußball

Pierre-Michel Lasogga kann von der EM nur profitieren

Pierre-Michel Lasogga hat nach einem Kreuzbandriss einen großen Teil der Aufstiegssaison bei Hertha verpasst. Dennoch wurde er in die U21-Nationalmannschaft berufen. Mit ihr will er den EM-Titel holen.

Foto: Alex Grimm / Getty Images

Die Freude ist ihm anzumerken. In Tel Aviv am Telefon wirkt Pierre-Michel Lasogga beschwingt. Nach einer langen Verletzungspause und einer Saison bei Hertha BSC, in der er zumeist nur Reservist war, bietet sich nun die Gelegenheit, sich einem großen Publikum zu präsentieren: An diesem Dienstag beginnt in Israel die U21-Europameisterschaft, und Lasogga steht im Aufgebot von Trainer Rainer Adrion.

Die Berliner Morgenpost sprach mit dem Stürmer über das Turnier, das vor allem auch eine große Bühne ist.

Berliner Morgenpost: Herr Lasogga, haben Sie sich vor Ihrer Abreise eigentlich von Ihren Hertha-Teamkollegen Änis Ben-Hatira und Sandro Wagner Tipps geholt, wie man den EM-Titel gewinnt? Beide haben es ja mit der deutschen Mannschaft 2009 in Schweden geschafft.

Pierre-Michel Lasogga: Wir haben in den letzten vier, fünf Monaten eigentlich andauernd darüber gesprochen. Die beiden haben sich schon als die Champions gesehen, die den letzten Titel für Deutschland gewonnen haben. Die haben mich schön damit aufgezogen. Deswegen ist der Ehrgeiz jetzt noch ein bisschen mehr bei mir geweckt. Eigentlich muss ich jetzt ja als Europameister zurückkommen. (lacht)

Was bedeutet das Turnier für Sie?

Das ist das, was man sich als Fußballer wünscht. Dann kann man irgendwann mal nach seiner Karriere erzählen, dass man bei einer Europameisterschaft dabei gewesen ist. Für mich geht in Israel ein Traum in Erfüllung, und ich freue mich riesig darauf. Man muss sich ja nur mal ansehen, wer da alles mitspielt.

Die Spanier haben Thiago Alcántara vom FC Barcelona, Manchester Uniteds David de Gea und Malagas Supertalent Isco dabei.

Da ist schon ein Riesenniveau bei dieser EM. Aber wenn man sich ansieht, wer bei uns im Team steht, weiß man: Wir müssen uns vor niemandem verstecken. Dennoch freue ich mich unglaublich darauf, gegen solche tollen Spieler spielen zu dürfen. Solange Hertha noch nicht im Europapokal spielt, komme ich ja sonst auch noch nicht in den Genuss. (lacht)

Welche Erwartungen haben Sie?

Ich hoffe, dass ich so viel wie möglich spielen kann. Dafür haue ich mich hier rein. Nichtsdestotrotz gehe ich ganz ohne Druck ins Turnier. Ich will zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann. Vielleicht kann ich einen kleinen Teil zum Erfolg beitragen: mit einem Tor, mit einem Assist oder auch mit guter Defensivarbeit. Ich will das Bestmögliche für die Mannschaft und mich herausholen.

Trauen Sie der DFB-Auswahl den Titel zu?

Absolut. Wir haben zwar eine schwere Gruppe und treffen gleich auf die Niederländer und dann die Spanier. Aber das ist doch super: Dann wissen wir auch sofort, wo wir stehen. Ich bin mir sicher, dass wir sehr weit kommen können, denn wir haben eine sehr gute Truppe. Es wäre doch geil, wenn wir den Pott nach Deutschland holen würden.

Die EM 2009 war für viele deutsche Spieler ein Sprungbrett. Özil, Neuer und Khedira zum Beispiel haben es danach in die A-Nationalmannschaft geschafft und sind heute Weltstars. Schöne Aussichten, nicht wahr?

Ja, über so etwas denkt man natürlich nach, wenn man zu so einem Turnier fährt. Das ist schon ein riesiger Ansporn. So wie jeder Fußballer träume auch ich doch davon, irgendwann für die A-Mannschaft meines Landes zu spielen. Ich will meine Chancen nutzen, und das könnte jetzt so eine Chance sein. Aber fest steht auch: Wenn nur ein einziger aus unserer Mannschaft heraussticht, hat keiner wirklich etwas davon, denn dann fliegen wir ganz schnell raus. Wenn wir als Team funktionieren, dann profitieren wir auch alle persönlich von diesem Turnier.

Kann eine gute EM für Sie darüber hinaus auch Ihre Situation im Verein verbessern?

Mit Sicherheit. Ich versuche, hier meine Spielpraxis zu bekommen und mit einem guten Gefühl zurück nach Berlin zu kommen. Im allerbesten Fall komme ich mit einer breiten Brust zurück. Aber derzeit versuche ich, mir darüber nicht allzu viele Gedanken zu machen.

Das Finale ist am 18. Juni. Fünf Tage später beginnt Hertha bereits wieder mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Die werden Sie zum Teil verpassen. Ist das ein Nachteil?

Nein, das würde ich nicht so sehen. Vielleicht verpasse ich ein, zwei Wochen. Aber dann geht das wieder ganz schnell. Von der EM kann ich nur profitieren.

Gibt es eigentlich Parallelen zwischen Adrion und Ihrem Vereinstrainer Jos Luhukay?

Das kann man nicht wirklich vergleichen, denn mit Jos Luhukay arbeite ich fast jeden Tag zusammen. Rainer Adrion sehe ich dagegen, wenn es hoch kommt, alle zwei Monate. Ich bin froh, dass mir Herr Adrion trotz meiner langen Verletzung das Vertrauen geschenkt hat und auf mich setzt. Das ist ein schönes Zeichen für mich, dass ich selbstbewusst in dieses Turnier gehen kann.

Angenommen, Sie spielen ein hervorragendes Turnier. Müssen sich die Hertha-Fans dann Sorgen machen, dass ein anderer Klub kommt und Sie wegkauft?

Ich fühle mich sehr wohl in Berlin und habe die Stadt unglaublich lieb gewonnen. Deshalb kann ich die Leute beruhigen. Um ehrlich zu sein: Ich mache mir darüber jetzt überhaupt keine Gedanken. Warum auch? Mein Vertrag läuft noch bis 2015. Außerdem habe ich Hertha sehr viel zu verdanken: Dort hat man mir die Chance gegeben, Bundesliga zu spielen. Ich werde jetzt einen Teufel tun und mich nicht darauf freuen, in der nächsten Saison mit Hertha Bundesliga zu spielen.

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