Hertha

Auf den Spuren von Beer und Pantelic

Jubiläumstor gibt Hertha-Stürmer Selke Schwung, Weiser spielt sich dagegen endgültig aus der Startelf.

Ein Treffer fürs Geschichtsbuch: Davie Selke (Mitte) erzielt gegen Köln das 1000. Bundesliga-Heimtor für Hertha BSC

Ein Treffer fürs Geschichtsbuch: Davie Selke (Mitte) erzielt gegen Köln das 1000. Bundesliga-Heimtor für Hertha BSC

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Berlin.  In der finalen Phase einer Saison wird manches, was längere Zeit im Nebel lag, auf einmal sehr deutlich. So geschehen bei Herthas 2:1 (0:1) über den 1. FC Köln. Aufgedrängt hatte er sich bereits in den letzten Trainingswochen, in Gladbach war er in der Vorwoche gut im Spiel, aber ohne Glück. Gegen Köln passte es endlich für Davie Selke – zwei Tore in nur drei Minuten.

Ein Doppelschlag, der aus der drohenden Blamage gegen den Liga-Letzten ein vergnügliches Wochenende machte. Selke widerlegte mit den Saisontoren sechs und sieben die aufkommende Kritik, dass er als Rekordeinkauf (8,5 Mio. Euro Ablöse) langsam mal liefern müsse. Versüßt wurde ihm der Arbeitstag damit, dass er schon nach wenigen Monaten in Berlin den Sprung ins blau-weiße Geschichtsbuch schaffte: Er ­erzielte Herthas Bundesliga-Heimtore 999 und 1000 und reihte sich in die ­Liste prominenter Namen wie Erwin Hermandung, Eyjölfur Sverrisson oder Marko Pantelic ein (siehe Grafik).

Taktik mit zwei Stürmern auch im nächsten Heimspiel Option

„Davie war zuletzt gieriger im Training“, berichtete Trainer Pal Dardai. „Gegen Köln hatte er mehrere Chancen, zwei davon hat er reingejagt. Das ist wichtig für Stürmer, dann fühlen sie sich wieder wohl.“

Ein wenig mehr Klarheit gab es auch bei der Frage, ob Hertha neben dem obligatorischen 4-2-3-1-System auch mit einem 4-4-2 klarkommt, das der Trainer eher selten spielen lässt. Die Antwort nach dem neunten Saisonsieg lautet: Im Prinzip ja, aber...

Die defensiven Probleme waren bis zur Schlussminute offensichtlich. „Da müssen wir uns im defensiven Mittelfeld geschickter ­anstellen“, so Dardai.

Manager Michael Preetz beurteilte das Zwei-Stürmer-System eher positiv. „Ich finde, dass wir in den Begegnungen, in denen wir mit ­Selke und Ibisevic gespielt ­haben, offensiv gute Momente hatten. Das Problem für beide war, dass die Ergebnisse nie gepasst haben. Das war gegen Köln wie schon in der Hinrunde anders. Dort hat Vedad beide Tore gemacht, diesmal hat Davie zwei Tore erzielt.“ Die Schlussfolgerung von Preetz: „Das 4-4-2 ist auf alle Fälle ein ­System, mit dem wir erfolgreich spielen können.“ Fazit: Hertha wird diese Variante beim Auswärtsspiel in Frankfurt (21. April) wohl in der Schublade lassen, aber beim nächsten Heimspiel gegen ­Augsburg (28.) kann es zur Wiedervorlage hervorgeholt werden.

Eine andere Klarheit, die die Partie vor 49.253 Fans mit sich brachte: Die Tage von Mitchell Weiser sind gezählt. Der Hochbegabte konnte einmal mehr nicht anknüpfen an seine bestechenden Vorstellungen aus der Vorsaison. Zur Pause holte der Trainer Weiser vom Platz.

Am Tag danach wurde Dardai deutlich. Der Ungar referierte, dass jedes System seine Idee habe. „Bei 4-4-2 hast du keinen zentralen Spielmacher. Da muss das Spiel etwa über die Außenverteidiger gemacht werden.“ Die Position rechts in der Vierer-Abwehrkette ist „die Lieblingsposition von Mitch“, so Dardai. Weiser will sich dort für die ­Nationalelf empfehlen. Im Team von Bundestrainer Joachim Löw wird nach einem Backup für Joshua Kimmich gesucht. Doch von Länderspielreife ist Weiser in diesem Jahr weit entfernt. „Sein Stellungsspiel, die Fehlerkette, die er sich gegen Köln geleistet hat, das war nicht gut“, sagte Dardai. „Wir können nicht wegen eines Spielers unser Spiel unsicher machen.“ Deshalb der Wechsel. Mittlerweile könne er Weiser-Konkurrent Peter Pekarik nicht mehr erklären, warum der Slowake draußen sitzt. „Was soll ich sagen“, fragte Dardai rhetorisch. „Peter macht nie einen Stellungsfehler. Er hat genauso viele Tore vorbereitet wie Mitch. Mitch hat immer wieder das ­Vertrauen bekommen. Aber jetzt ist ein Punkt ­erreicht, wo ich als Trainer ­eingreifen muss.“

Im Klartext: Bei Hertha haben sie das Gefühl, dass Weiser sich vor allem mit seiner Zukunft beschäftigt. Dem Vernehmen nach hat Weiser eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2020 laufenden Vertrag, wonach er Berlin in diesem Sommer gegen eine Ablöse von 13 Millionen Euro verlassen kann. Hertha bestreitet noch vier Saisonspiele. Es sieht nicht so aus, als ob Weiser noch einmal in der ­Startelf stehen wird.

Ein anderer Blau-Weißer, auch das eine Erkenntnis beim ersten Heimsieg des Jahres, sollte im Saisonfinale Gas geben: Ondrej Duda. In der Vorsaison war er wegen einer Knieverletzung ausgefallen. In diesem Spieljahr warfen ihn diverse kleinere Verletzungen so oft zurück, dass er nicht berechenbar zur Verfügung stand. Dardai lobt die Fähigkeiten seines Spielmachers: „Ondrej ist derjenige bei uns, der die vertikalen Pässe spielen kann.“ Doch der Vorgesetzte fordert mehr Professionalität. „Ondrej muss robust genug sein für die Bundesliga. Er muss noch mehr fixiert sein auf seinen Job und auf seinen Körper.“ Prognose: Legt Duda nicht noch eine Schippe drauf, wird sich Hertha im Sommer nach Verstärkungen im ­offensiven Mittelfeld umschauen.

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