Münchens neuer Trainer

Viele Zweifel an Kovac - Bayern ist selbst dran schuld

Trainerwechsel mit viel Risiko, denn selbst Vorgänger Heynckes sieht Mangel an internationaler Erfahrung. Ein Kommentar.

Niko Kovac hat in Frankfurt gerade viel Erfolg, wechselt im Sommer aber nun zum FC Bayern

Niko Kovac hat in Frankfurt gerade viel Erfolg, wechselt im Sommer aber nun zum FC Bayern

Foto: Alex Grimm

Manch Fan des FC Bayern erträgt es nur mit Humor. Die Pause bis Oktober hätte sich Jupp Heynckes wirklich verdient, twitterte jedenfalls ein Münchner Anhänger, nachdem die Verpflichtung Niko Kovacs als neuem Trainer bestätigt wurde. Wirklich lustig so ein Gedanke eines erneuten Rettungsdienstes – die Skepsis in München ist aber kein Zufall, denn sogar in der Onlineumfrage der „Süddeutschen“ (die ja so etwas wie die Haus- und Hofzeitung des Rekordmeisters ist) äußerte eine Mehrheit der Teilnehmer die Meinung, dass der gebürtige Berliner Kovac nicht der richtige Übungsleiter für die Bayern sei.

Das liegt vor allem am Auswahlprocedere der Klubführung, die zu lange auf einen weitereres Zugeständnis von Jupp Heynckes (72) hoffte und somit auch die Option Thomas Tuchel (einig mit Paris) zerstörte. Nun also ist Niko Kovac dritte erste Wahl, denn es soll ja unbedingt Deutsch gesprochen werden, nachdem man mit dem Italiener Carlo Ancelotti so ein großes Missverständnis fabriziert hatte. Dass der Klub zuletzt nur Entwicklungsschritte schaffte mit kantigen Ausländern wie Louis van Gaal und Pep Guardiola, wurde einfach ausgeblendet, Stallgeruch sollte her.

Das geht nur noch mit erhöhtem Risiko. Die Bayern-DNA kennt der Kroate Kovac als Ex-Profi natürlich, als Trainer hat der 46-Jährige jedoch kaum internationale Erfahrung. Lediglich als Nationalcoach Kroatiens von 2013 bis 2015 schnupperte er internationale Luft. Die Erfolge hielten sich aber in Grenzen. Bei der WM 2014 war er mit seinem Team um Luka Modric in der Vorrunde gescheitert, in der anschließenden EM-Qualifikation wurde er nach einem 0:0 in Aserbaidschan und einem 0:2 in Norwegen entlassen. Es sei schon „von Nutzen, wenn er im nächsten Jahr erst mal international mit seiner Eintracht spielt und diese Erfahrung sammelt“, hatte selbst Heynckes zuletzt der „Sport Bild“ gesagt.

Auch steht Kovac für keine besondere Spielphilosophie, in Frankfurt kam meist die rustikale Seite des Sports zum Tragen. Etwas, was dem Münchner Champagner-Publikum niemals zuzumuten wäre - und Kovac selbst in der Anfangszeit wenig Kredit verspricht.

Dem Frankfurter Anhang kommt der Wechsel übrigens ebenfalls unzumutbar vor, nach den wertlosen Treuebekenntnissen der vergangenen Wochen erfahren nun auch die Hessen, dass das Prinzip Ausstiegsklausel längst die gesamte Branche erfasst hat. Frankfurt wird von einem Größeren gefressen, und beißt spätestens nach der Europacup-Qualifikation selbst nach unten zu, Herr Darwin lässt grüßen. Mit der Lebenswirklichkeit der meist romantisch veranlagten Fans hat das nichts mehr zu tun, nur steigt so weiter die Gefahr, dass sie mal ihre Ausstiegsklausel ziehen. Das wäre für die Klubs dann gar nicht mehr lustig.