Eintracht Frankfurt

Bobic übt scharfe Kritik am Vorgehen des FC Bayern

Durch den feststehenden Trainerwechsel von Kovac nach München fürchtet Eintracht Frankfurt, im Saisonfinale alles zu verlieren.

Eintracht Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic ist enttäuscht

Eintracht Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic ist enttäuscht

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Frankfurt/Main.  Fredi Bobic war sauer. Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt war überrascht worden von den Ereignissen des Donnerstags, an dem ihm sein Erfolgstrainer Niko Kovac (46) abhanden kam. Verärgert war Bobic über den FC Bayern, ab 1. Juli neuer Arbeitgeber von Kovac: „Die Bayern haben ihr Ding gemacht, sie haben an sich gedacht. Und nicht an uns. Die Bayern wollen etwas von uns. Da kann man mal anrufen. Das ist nicht geschehen.“

Ebenfalls verstimmt war Bobic, dass wichtige Details aus dem Arbeitspapier von Kovac öffentlich geworden waren: Dass es eine Ausstiegsklausel für drei europäische Topklubs gab (einer davon der FC Bayern), dass Frankfurt in so einem Fall 2,2 Millionen Euro erhält. „So geht man nicht miteinander um“, zürnte Bobic. „Aber bitte, wenn das die Art ist, wie die Bayern arbeiten, dann muss ich das zur Kenntnis nehmen.“

Die Personalie trifft die Eintracht im ungünstigsten Moment. In der Bundesliga ist für den Fünften zwischen Champions-League-, Europa-League-Teilnahme oder dem Verpassen der internationalen Plätze alles möglich. Zudem spielt Frankfurt im DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch auf Schalke um den Einzug ins Finale. „Wir haben uns sehr viel aufgebaut, wir können noch viel erreichen“, sagte Bobic, „dafür brauchen wir eigentlich Konzentration und Ruhe.“

Fans sprechen Kovac Authentizität ab

Stattdessen steht die Frage im Raum, ob Mannschaft und Fans die Saison mit Kovac zu Ende bringen wollen. Die Eintracht-Fans nehmen Kovac das nicht mehr ab, was bisher dessen Stärke war: seine Authentizität. Kovacs Aussage im Januar über die Unzuverlässigkeit der Branche: „Wo ist die Verantwortung geblieben? Wo ist der Vertrag, der zählt? Früher galt das gesprochene Wort. Inzwischen zählt ein Fünf-Jahres-Vertrag genauso wenig wie ein Halb-Jahres-Vertrag. Das ist sehr bedenklich.“

Auch der Antritt einer lebenslangen Mitgliedschaft in Frankfurt Ende Januar wird nun anders wahrgenommen. Ebenso Kovacs Aussage vom vergangenen Wochenende: „Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im kommenden Jahr hier Trainer bin.“ Versehen mit dem Nachsatz: „Im Fußball passiert so viel. Ich weiß nicht, was morgen passiert. Stand jetzt bin ich bis 2019 Trainer.“

Kovac stellte sich am Freitag den Reportern. Er wirkte ernst, mitgenommen, aber auch trotzig. Am Donnerstagvormittag hätten die Bayern Kontakt mit ihm aufgenommen. Er werde mit Verweis auf seine Ausstiegsklausel auch nicht vertragsbrüchig. Und er habe sich am vergangenen Wochenende eine Hintertür offen gehalten, „weil ich die Wahrheit gesagt habe“. Bobic, das Trainerteam und die Mannschaft haben sich gegenseitig versprochen, die Saison gemeinsam mit aller Energie zu Ende bringen zu wollen. Gleichzeitig muss Bobic ab sofort einen Plan B haben, falls die Mannschaft Kovac nicht mehr folgt.