Fernsehrechte

Das ändert sich für Fußballfans in den nächsten vier Jahren

Brauchen Fans bald zwei Decoder? Die Bundesliga schreibt die Medienrechte neu aus. Ein Überblick über die 17 verschiedenen Pakete.

Sollte Sky (hier Moderatorin Esther Sedlaczek mit Hertha-Trainer Pal Dardai) wieder den Zuschlag erhalten, kann der Pay-TV-Sender auch in den kommenden vier Jahren Bundesliga exklusiv zeigen – nur nicht alle Spiele

Sollte Sky (hier Moderatorin Esther Sedlaczek mit Hertha-Trainer Pal Dardai) wieder den Zuschlag erhalten, kann der Pay-TV-Sender auch in den kommenden vier Jahren Bundesliga exklusiv zeigen – nur nicht alle Spiele

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa

Noch vor dem EM-Start am 10. Juni will DFL-Geschäftsführer Christian Seifert die nationalen Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga für die vier Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 ver­geben. Dazu hat die DFL 17 Pakete geschnürt. Nicht alle Änderungen bereiten Freude. Die Bundesliga spielt zum Ärgernis von Fans ab Sommer 2017 bisweilen am Sonntag um halb zwei und am Montagabend. Wir beantworten die zwölf wichtigsten Fragen.

Worum geht es bei der ­­Aus­schreibung der Bundesliga-Rechte?

Das neue Wort, das die Bundesliga vom Bundeskartellamt lernen musste, heißt „Alleinerwerbsverbot“. Soll ­heißen: Der Pay-TV-Sender Sky darf ab Sommer 2017 nicht mehr alle Erst- und Zweitliga-Spiele exklusiv im Fernsehen und gleichzeitig im Internet zeigen. Die DFL entwickelte mit dem Bundes­kartellamt eine Ausschreibung, die die Konkurrenz zu Sky fördert.

Laufen alle Spiele live im Fernsehen?

Ja. Die DFL verkauft acht Rechtepakete, damit alle 612 Spiele der zwei Ligen plus ­Relegationen und Supercup live übertragen werden. Dafür braucht man ein Abonnement beim künftigen Rechteinhaber für Pay-TV. Nur drei Spiele werden im freien Fernsehen gezeigt. Wie bisher am 1. und 18. Spieltag und neu: am 17. Spieltag.

Gibt es Favoriten auf die Rechte?

Ja, noch immer Sky. Aber: Kauft Sky alle Rechte für Satellit- und Kabel-Übertragungen, darf Sky sein Internet-Angebot SkyGo nicht mehr anbieten. Dann startet eine weitere Ausschreibung für Web und Mobile. Zudem kann es sein, dass ein zweiter Anbieter 30 bis 102 (von insgesamt 306) Spiele erwirbt.

An welchen Tagen kann ich wann Bundesliga schauen?

Freitags ein Spiel ab 20.30 Uhr. Sonnabends vier Spiele ab 15.30 Uhr und ein Spiel ab 18.30 Uhr. Sonntags jeweils ein Spiel ab 15.30 und 18 Uhr. Fünfmal in der Saison gibt es zusätzlich ein Spiel am Sonntag (wahrscheinlich um 13.30 Uhr) und Montag (20.30 Uhr). Es gibt nur noch zwei statt vier englische Wochen.

Gibt es noch mehr ­Bundesliga-Spiele am Montag?

Nein. Nur fünf von 306 pro Saison.

Was ist montags mit der 2. Liga?

Spielt die Bundesliga montags, weicht die Zweite Liga auf den Sonnabend aus.

Wie viele Abos und wie viele ­Decoder brauche ich?

Es kann sein, dass Sky nicht alle Live-Spiele bekommt, ein zweiter Sender auch Spiele sendet. Dann braucht man zwei Abonnements. Zwei Decoder sind nicht nötig. Es gibt gute Decoder für zwei Karten. In England haben die beiden Bezahl-TV-Anbieter sich Sublizenzen erteilt, so dass beide Abos über einen Anbieter gebucht werden können

Was bedeutet das alles für die Amateurvereine?

Für den DFB ist der Anstoß sonntags um halb zwei eine harte Nuss. Ein Grundlagenvertrag schützt die Amateurvereine bislang davor, dass die Profis vor halb vier spielen und ihnen Zuschauer wegnehmen. Hier verhandelt die DFL noch.

Wie läuft die Verteilung? Wie viel Geld kriegt jeder Klub mehr?

Zuerst müssen die Rechte verkauft werden. Seit 2013 stiegen die Erlöse der deutschen TV-Vermarktung von 560 auf 673 Millionen Euro jährlich. Insgesamt mit International auf 844 Millionen.

Was wird aus der Sportschau? Und dem Sportstudio und Doppelpass?

Die Rechte an der Zweitverwertung hat die DFL so geschnitten, dass die ARD weiter die Sportschau, das ZDF das Sportstudio und Sport 1 den Doppelpass mit Bundesliga bestücken könnten.

Reichen die Anbieter ihre Kosten an die Kunden weiter?

Davon ist auszugehen. Sky ist börsennotiert und muss Gewinne machen. Andere Firmen könnten die Bundesliga als Marketing-Maßnahme sehen und ­vorerst verbilligt anbieten. Über die ­Bieter schweigt die DFL bislang eisern.

Was sagen die Fans?

Die Anhänger sind unzufrieden, dass es künftig bis zu sieben Anstoßzeiten gibt (statt bisher fünf). Zudem liegt das Problem der Auswärtsfahrer auf der Hand, dass eine Rückreise problematisch ist, die erst Montag gegen 23 Uhr beginnt. Es sind erhebliche Proteste zu erwarten. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagt, dass dieses Problem nur fünf von 306 Bundesliga-Partien betreffe: „Die deutsche Fußballkultur besteht aus mehr als den mitreisenden Fans.“