Fussball-Bundesliga

Entwarnung: Keine „halbe“ Sportschau für neue TV-Rechte

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Ernst Huberty moderierte von 1961 bis 1982 die „Sportschau“ und ist das bekannteste Gesicht der TV-Institution

Ernst Huberty moderierte von 1961 bis 1982 die „Sportschau“ und ist das bekannteste Gesicht der TV-Institution

Foto: Martin Athenstädt / picture-alliance / Martin Athens

Sollte die ARD wieder den Zuschlag erhalten, bleibt es bei 90 Minuten Bundesliga am Sonnabend. Neues gibt es dagegen vom Spielplan.

Hannover.  – Fußballfans werden wohl auch in den kommenden Jahren eine ausführliche Bundesliga-Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen schauen können. Die Ausschreibung der Medienrechte wird nach Informationen des Fachmagazins „Kicker“ kein Modell einer halbierten „Sportschau“ beinhalten.

Es bleibe bei den Bundesliga-Rechten für die Zeit von 2017/18 bis 2020/21 bei einer 90 Minuten langen Zusammenfassung am Sonnnabend, wie sie derzeit die ARD anbiete.

„Wir warten ab, bis wir die Ausschreibung haben“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Montag. Sein Sender sei grundsätzlich weiter an Bundesliga-Rechten interessiert, eine verkürzte „Sportschau“ sei aber „kein vorstellbares Modell“.

Die „Sportschau“ in der ARD beginnt derzeit um 18.30 Uhr mit den Höhepunkten des Spieltages und dauert knapp 90 Minuten. Die „Sportschau“ läuft seit 55 Jahren als regelmäßige Sportsendung der ARD.

Auch RTL und Eurosport haben Interesse an Free-TV-Rechten

Als zweiter Interessent für eine Highlight-Sendung im Free-TV gilt neben der ARD vor allem der Privatsender RTL. Die Kölner waren bereits von 1988 bis 1992 Rechteinhaber und etablierten damals die Bundesliga-Sendung „Anpfiff“ mit Ulli Potofski.

Zuletzt hatte auch der US-Konzern Discovery mit seiner Tochter Eurosport Interesse an Bundesliga-Rechten geäußert. Der Olympia-Rechteinhaber gehört aber auch zu den Kandidaten für die Pay-TV-Pakete. Für die DFL kann der Wettbewerb eigentlich nur Vorteile haben.

Für das offizielle Ziel „Eine Milliarde plus x“ für die Gesamtvermarktung (In- und Ausland) müssten für die Rechte ab der Saison 2017/18 bis zur Spielzeit 2020/21 auch die Einnahmen aus dem Free-TV-Bereich steigen.

Bis zur EM sollen die Rechte vergeben sein

Von den 673 Millionen Euro, die in der kommenden Saison für die nationalen TV-Rechte an die Klubs fließen, zahlt die ARD dem Vernehmen nach rund 100 Millionen - im neuen TV-Deal sollten es schon mindestens 30 Millionen Euro mehr pro Jahr sein. In die heiße Phase tritt das Wettbieten in den kommenden Wochen ein.

„Wir bewerten derzeit das Angebot und die Stellungnahmen“ der interessierten Bieter, teilte ein Sprecher des Kartellamts mit: „Ziel ist es, das Verfahren möglichst bald abzuschließen.“ Die Marktbefragung ist seit Montag formal abgeschlossen, (weitere) Verzögerungen soll es nicht geben. Bis zum Anpfiff der EM 2016 in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) sollen die TV-Rechte vergeben werden.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollte sich am Montag nicht äußern. In ihrem ersten Ausschreibungs-Modell gab es ein Paket namens „Free Kompakt“, bei der die Bundesliga-Berichterstattung im frei empfangbaren TV auf 45 Minuten begrenzt worden wäre und die erst um 19.15 Uhr begonnen hätte, um im Gegenzug den Rechteinhabern auf dem Pay-TV-Markt mehr Exklusivität zu verschaffen und damit auf diesem Sektor höhere Einnahmen zu erzielen.

Im Pay-TV streiten sich Sky und die Telekom

Um die Sportschau zu promoten, hatte die ARD, die nach der Olympia-Pleite gegen Discovery stark unter Zugzwang steht, in den vergangenen Monaten eine Werbeoffensive bei den Bundesligisten gestartet. Wie viel Geld der DFL die Tradition am Ende wert ist, ist offen. Allerdings dürfte die ARD gerade wegen der verlorenen Olympia-Rechte über ordentlich Rücklagen verfügen.

Im Pay-TV-Bereich zeichnet sich für die Vergabe der Kernpakete ein Duell zwischen Sky und der Telekom ab. Mit Amazon und/oder Discovery könnten aber noch weitere Big Player einsteigen. Ebenfalls entgegen der im Juli 2015 bekannt gewordenen Pläne sollen statt der ursprünglich acht Rechtepakete maximal nur sechs zur Ausschreibung kommen.

Nur leicht verändert werden soll in diesen der Spielplan. „Im Kern wird sich nicht so schrecklich viel ändern“, hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zuletzt mit Blick auf die Anstoßzeiten geäußert: „Aufgrund des Terminplans der Europa League wird es aber nicht nur an fünf Sonntagen drei Spiele geben. Es wird zehn Spiele mehr geben, fünf am Sonntag, fünf am Montag. In der 2. Liga wird es am Freitag ein Spiel weniger geben, das wird auf den Sonnnabend verlegt.“

Auch mit Blick auf die englische Premier League, wo die Klubs ab der kommenden Saison 3,2 Milliarden Euro kassieren, sollen zudem die Auslandserlöse steigen. Dafür dürften die Klubs auch weiterhin Trainingslager weit entfernt der Heimat buchen, um die Liga auch in den letzten Ecken der Welt bekannt zu machen.

( sid/dpa/eve )