Fußball-Fernsehgelder

„Nicht nur Bayern München braucht mehr Geld“

In der Bundesliga tobt ein Verteilungskampf um die künftigen TV-Einnahmen. Es gibt vier Lager. Der Solidargemeinschaft droht das Aus.

Berlin.  Diese riesigen Zahlen aus England können einem Angst einjagen, jene von Manchester City etwa. Investoren aus China haben sich gerade für 377 Millionen Euro 13 Prozent der Anteile am Fußballklub aus der Arbeiterstadt gekauft.

Mit der Hoffnung auf Rendite: Der von Scheichs dominierte Klub, der gerade erstmals einen Millionengewinn vermeldete, kassierte bislang schon mehr als das Doppelte an TV-Geldern als der deutsche Branchenprimus Bayern München. Und der neue, ab kommende Saison gültige TV-Vertrag der Premier League garantiert noch einmal einen riesigen Sprung nach vorn. Vermutlich sogar sportlich.

Nun waren auch im deutschen Profifußball seit 2008 alle Einnahmequellen gewachsen: Von Sponsoring (+56 Prozent), Medienrechten (+47 Prozent) über Ticketverkäufe (+40 Prozent) bis hin zu Merchandising (+52 Prozent).

Neue Fernsehverträge gelten ab 2017

Trotzdem fürchtet Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge um die internationale Wettbewerbsfähgikeit: „Nicht nur Bayern München, die gesamte Bundesliga braucht mehr Geld!“

Real Madrid und der FC Barcelona kassieren trotz Zentralvermarktung 140 Millionen Euro jährlich. Und in England sind es für die Topklubs von Sommer 2016 an mindestens 200 Millionen Euro.

„Mit weniger als einem Drittel davon wird es schwierig“, sagt Rummenigge, „wir haben uns mit großer Mühe einen Status in Europa aufgebaut, diese internationale Rolle werden wir nicht kampflos aufgeben.“

Dieser Kampf führt ihn am Mittwoch ins Frankfurter Marriott-Hotel, wo die Klubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) um die künftige Verteilung der TV-Einnahmen diskutieren. Die neuen, ab 2017 geltenden Fernsehverträge der DFL sind zwar noch nicht einmal ausgeschrieben worden.

Doch schon jetzt ist darüber eine hitzige Diskussion entbrannt. Im Verteilungskampf droht der Solidargemeinschaft das Aus. Laut Rummenigge sei Bayern bereit, „sich der zentralen Vermarktung unterzuordnen. Aber es gibt Grenzen, die hier nicht überschritten werden sollten“.

Einzelvermarktung würde den Bayern 200 Millionen einbringen

Andernfalls liebäugelt man mit dem Schritt in die Einzelvermarktung, der wohl mehr als 200 Millionen Euro pro Spielzeit einbringen dürfte. Damit wäre das Ende des Wettbewerbs an der Spitze der Bundesliga besiegelt.

Doch der FC Bayern, der in dieser Bundesliga-Saison knapp 72 Millionen Euro an nationalen und internationalen Fernsehgeldern einnimmt. ist nur eine Partei im Kampf um die Milliarde Euro, die es ab der Saison 2017/18 geben soll (zur Wertsteigerung fürs Bezahlfernsehen ist dann auch ein Montagsspiel möglich).

Es gibt noch drei weitere Interessengruppen bei den Profiklubs der Ersten und Zweiten Liga, die in der laufenden Saison insgesamt 840 Millionen Euro aus den Medienerlösen kassieren. Da sind die Traditionsvereine wie Borussia Dortmund (59,5 Mio. Euro TV-Einnahmen diese Saison), Schalke 04 (60 Mio.), Werder Bremen (33,1 Mio) oder Eintracht Frankfurt (33,9 Mio.).

Sie fordern, das Geld nicht mehr nur erfolgsabhängig zu verteilen. Sie pochen auf „weiche“ Kriterien wie TV-Zuschauerzahlen, Fanaufkommen und Beliebtheit, bei denen es um die Reichweite der Klubs geht.

Zweitligisten fürchten Kürzung um 20 Prozent

An nächster Stelle kommen Werksklubs wie Bayer Leverkusen (43 Mio.), der VfL Wolfsburg (40,9 Mio)und 1899 Hoffenheim (33,4 Mio.) Sie wären froh, wenn alles beim Alten bliebe. Zweitligist FC St. Pauli (7,2 Mio.) beantragte nämlich gerade, alle Teams von der Zentralverteilung auszuschließen, die sich zu mehr als 50 Prozent im Besitz eines Konzerns oder Mäzens befinden.

Und am Ende der Nahrungskette stehen die Zweitligisten. Sie müssen befürchten, dass bei ihren 20 Prozent der Einnahmen gekürzt wird. Rummenigge machte daraus keinen Hehl: „Die Zweitligisten müssen sich nur etwas realistischer einschätzen. Da braut sich sonst was zusammen.“

Um das Schlimmste zu vermeiden und sich vorher auf eine gemeinsame Linie zu einigen, trafen sich die Zweitligisten bereits am Dienstag zu einer Vorbesprechung. Fakt ist, dass für die Zweitligisten und auch die kleinen Bundesligisten das Ausscheren der großen Klubs eine „Katastrophe“ (Augsburgs Manager Stefan Reuter) wäre.

Hertha-Finanzchef: „Einzelinteressen sollten zurückstehen“

Wie die Liga-Spitze alle Klubs zufrieden stellen will, ist völlig offen. Das zeigt auch ein Blick ins Ausland, wo die Verteilung der Gelder unterschiedlich und teilweise sehr kompliziert geregelt ist.

So spielt in England die Zahl der Live-Übertragungen eine Rolle, in Spanien ist der Bekanntheitsgrad der Klubs ein Faktor, und in Italien wird die Anzahl der Fans sowie die Größe der Städte berücksichtigt.

„Wir führen jede Diskussion über Solidarität mit, solange sie nicht unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet“, betonte Rummenigge.

Herthas Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller, der wegen zwei Abstiegen in drei Jahren den Absturz der TV-Einnahmen zu spüren bekam, klingt da vorsichtiger: „Grundsätzlich unterstützen wir den Solidaritätsgedanken. Wir werden uns die Argumente aller anhören und uns dann eine Meinung bilden. Aber die Einzelinteressen sollten nicht im Vordergrund stehen.“