Frankfurt/Main – An der Zentralvermarktung im deutschen Profifußball soll trotz der Forderungen von Rekordmeister Bayern München und Zweitligist FC St. Pauli nicht gerüttelt werden. Das ist das Ergebnis der Versammlung der 36 Erst- und Zweitligisten des Ligaverbandes am Mittwoch. „Die Liga sollte wieder ein einheitliches Bild abgeben, wenn Partner Milliarden in sie investieren sollen“, sagte Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL). „Ausschreibungen werden nicht durch Interviews entschieden, sondern durch Angebote. Die Debatte jetzt zu führen, ist einfach nicht schlau.“
Das dürfen Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, und Andreas Rettig, Manager vom FC St. Pauli durchaus als Ohrfeige verstehen. Auch DFL-Präsident Reinhard Rauball (Borussia Dortmund) kritisierte die aus München und Hamburg genährte Diskussion über einen anderen Verteilungsschlüssel der TV-Einnahmen sowie die Forderung von höheren Erlösen: „Ich möchte an die Klubs appellieren, dass bei diesem Thema wieder Ruhe einkehrt. Wir haben noch keinen neuen Fernsehvertrag. Erst dann sollten wir darüber diskutieren, was mit den Erlösen passiert. Die Diskussion erschwert die Verhandlungsführung.“
St. Pauli zieht seinen Antrag zurück
Der Zweitligist aus Hamburg hatte seinen Antrag bereits vor der Sitzung zurückgezogen. St. Pauli hatte gefordert, dass die Werksklubs (Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, TSG Hoffenheim) künftig nicht mehr an den TV-Erlösen beteiligt werden sollen. „Nach Gesprächen am Dienstagabend haben wir festgestellt, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war“, sagte St. Paulis Manager Rettig nach der Sitzung in einem Frankfurter Hotel: „Um Ruhe hereinzubringen, haben wir uns entschieden, den Antrag zurückzuziehen.“
Nach den Aufregungen der vergangenen Tage lag der DFL sichtlich daran, zur Normalität zurückzukehren. DFL-Geschäftsführer Seifert sagte: „Wir haben unsere Einschätzung mitgeteilt, dass die Liga bei dem Thema ein einheitliches Bild abgeben soll. Unsere Partner erwarten Sicherheit und Verlässlichkeit.“ Seifert ermahnte alle Beteiligten, die Diskussion über einen Verteilerschlüssel erst zu führen, „wenn bekannt ist, wie hoch die nationalen und internationalen Erlöse des neuen TV-Vertrages sind“.
Schiller verhandelt für Hertha, Zingler für Union
Im Vorfeld des Treffens hatte Bayern-Vorstandschef Rummenigge für Wirbel gesorgt. Er hatte aus dem neuen Vertrag (Laufzeit 2017 bis 2021) jährliche Einnahmen von mehr als einer Milliarde Euro gefordert sowie eine Veränderung der Verteilermechanismen. Zudem lancierte Rummenigge Ende vergangener Woche die Meldung, der FC Bayern habe beim Kartellamt Möglichkeiten für eine andere Vergabe der Fernsehrechte an der Bundesliga ausgelotet. Diesem Ansinnen erteilte die DFL eine klare Absage. Sie setzt darauf, dass alles bleibt, wie es ist. Das heißt, bei der Zentralvermarktung der Medienrechte verhandelt einer für alle Vereine – die DFL. Sie kassiert das Geld von Sky, ARD und anderen, um es anschließend an die 36 deutschen Profivereine zu verteilen.
Bei der Einzelvermarktung würde jeder Klub alleine verhandeln und kassieren. Branchenprimus FC Bayern könnte bei einer Einzelvermarktung wahrscheinlich mehr als das doppelte kassieren als die 50,5 Millionen, die die Münchner derzeit aus den nationalen Fernseh-Rechten erhalten. Hier konterte Seifert: „Es ist uns bisher immer gelungen, einen Verteilerschlüssel zu finden, der den unterschiedlichen Interessen gerecht wird.“
Drei Stunden, von 11.30 bis 14.30 Uhr, tagten die Klubvertreter. Wie zu hören war, meldeten die Vertreter, die vorab die größte Welle geschoben hatten, die vom FC Bayern, sich bei der Versammlung überhaupt nicht zu Wort.
Trikotärmel wird künftig individuelle vermarktet
Von Hertha BSC war Finanzchef Ingo Schiller vor Ort, für Zweitligist 1. FC Union Präsident Dirk Zingler und Geschäftsführer Oskar Kosche. Hertha hatte sich schon vorab gegen den Vorschlag des FC St. Pauli positioniert. Finanzchef Schiller sagte: „Ich hatte erwartet, dass der Vorschlag zurückgezogen wird. Und finde es richtig, dass die Liga ihre Gemeinsamkeiten betont. Es ist immer besser miteinander zu reden als übereinander.“
Kleines Zugeständnis der DFL: Ab der Saison 2017/18 dürfen die 36 Profivereine ihre Trikotärmel eigenständig vermarkten. Die DFL kommt damit einem Wunsch der Bundesligisten nach. Die bisherige Premium-Partnerschaft der DFL mit dem Logistikdienstleister Hermes läuft im Juni 2017 aus. Danach kann jeder Verein einem Sponsor seiner Wahl die Werbefläche auf dem Trikotärmel individuell zur Verfügung stellen.
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