Jack Warner

Der korrupte Mann, mit dem Beckenbauer Geschäfte macht

Franz Beckenbauer hat dem Ex-Fifa-Präsidenten „diverse Leistungen“ vor der WM-Vergabe 2006 zugesagt. Wer ist dieser Jack Warner?

Jack Warner war bis 2011 Vizepräsident der Fifa und Präsident des Concacaf, dem Fußballverband für Nordamerika, Zentralamerika und die Karibik

Jack Warner war bis 2011 Vizepräsident der Fifa und Präsident des Concacaf, dem Fußballverband für Nordamerika, Zentralamerika und die Karibik

Foto: Gary I Rothstein / dpa

Zürich.  Jack Warner, 73, steht als einer der korruptesten Figuren in den Geschichtsbüchern des Weltfußballs. Vier Jahre nach seinem Rücktritt von allem Ämtern war der frühere Fifa-Vizepräsident Ende September von der Ethikkommission des Weltverbands endgültig lebenslang gesperrt worden.

Allein die Begründung der Ethikhüter lässt auf die Praktiken des heute 72 Jahre alten Funktionärs aus Trinidad und Tobago schließen. „Jack Warner verübte fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen, während er bei der Fifa und der Concacaf als Funktionär verschiedene hochrangige und einflussreiche Ämter bekleidete“, hieß es.

Handelte mit Blatter einen dubiosen Fernsehdeal aus

Warner sei „ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung“ gewesen.

Warner war 2011 nach Vorwürfen der Bestechung im Zuge der Fifa-Präsidentschaftskandidatur von Mohamed bin Hammam zurückgetreten. Danach hatte im Zuge der Ermittlungen gegen Joseph Blatter auch noch ein Vorgang aus dem Jahr 2005 für Brisanz gesorgt.

Der inzwischen gesperrte Fifa-Präsident soll damals mit Warner einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen haben. So soll er im Jahr 2005 die Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 von der Fifa für 600.000 US-Dollar erworben und zwei Jahre später über seine eigene auf den Cayman-Inseln gehörende Firma für eine Summe von 18 bis 20 Millionen US-Dollar an die jamaikanische Kabelfernsehgesellschaft SportsMax verkauft haben.

Warner selbst bestreitet nicht, die Fernsehrechte erst erworben und dann weiterverkauft zu haben, doch behauptet er, dass er den Gewinn daraus in die Entwicklung des Sports in der Karibik investiert habe.

Beckenbauer unterschrieb Vereinbarung über Spiele und Tickets

Eine derartige Vereinbarung sorgt nun auch in der deutschen WM-Affäre für Wirbel. In einer von Franz Beckenbauer nachweislich unterschriebenen Vereinbarung seien der Konföderation des früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner „diverse Leistungen“ von deutscher Seite zugesagt worden, sagte Rainer Koch, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes, am Dienstag.

Dies seien „keine direkten Geldleistungen“ gewesen, sondern unter anderem Vereinbarungen über Spiele, Unterstützung von Trainern beim Kontinentalverband Concacaf oder Ticketzusagen für WM-Spiele an Warner selbst, erklärte Koch. Es bestehe keine Erkenntnis, ob dieser Vertrag, der vier Tage vor der WM-Vergabe im Jahr 2000 datiert, in Kraft getreten sei.