Borussia Dortmund

Pierre-Emerick Aubameyang: „Ich glaube an die Meisterschaft“

Dortmunds Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang geht mit besonderer Motivation ins Spitzenspiel gegen Bayern München.

So wie hier gegen den FC Porto in der Europa League will Dortmunds Torjäger nicht nur im Spitzenspiel gegen Bayern München, sondern auch am Ende der Saison jubeln – wenn möglich als Meister

So wie hier gegen den FC Porto in der Europa League will Dortmunds Torjäger nicht nur im Spitzenspiel gegen Bayern München, sondern auch am Ende der Saison jubeln – wenn möglich als Meister

Foto: Estela Silva / dpa

Dortmund.  Die gesamte Fußball-Welt schaut heute auf die Bundesliga, das Gipfeltreffen zwischen Borussia Dortmund und Bayern München (18.30 Uhr, Sky) wird in 208 Länder übertragen. BVB-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang (26) aus Gabun spricht über die mögliche neue Spannung im Titelkampf und das Duell der Torjäger.

Berliner Morgenpost: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski hat mit 23 Toren in dieser Saison bislang eins mehr geschossen als Sie. Sie kennen sich beide ja gut, haben ein Jahr zusammen in Dortmund gespielt. Wie ist aktuell Ihr Verhältnis?

Pierre-Emerick Aubameyang: Es ist total okay (lacht). Wir telefonieren ab und zu, oder schreiben uns Nachrichten. Wir hatten ein gutes Verhältnis. Robert ist ein ganz großer Stürmer.

Was war denn seine letzte Botschaft? Freut er sich auf Sonnabend?

Nein, jetzt vor dem Spiel schicken wir uns keine Nachrichten. Da ist es wichtig, sich zu konzentrieren.

„Ich schaue mir was von Ronaldo ab“

Sie haben mal gesagt, Sie haben viel von Lewandowski gelernt. Was denn?

Tore schießen (lacht). Als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich beeindruckt, wie eiskalt er vor dem Tor agiert. Ich habe damals gedacht: Boah, ich muss genauso cool werden. Und nach und nach klappt das jetzt.

Sie schauen sich angeblich auf Youtube-Videos andere Spieler an, um zu lernen. Wie funktioniert das?

Also, wenn ich so ein Video sehe und mir ein Trick gefällt, dann versuche ich das beim Training. Und wenn es nicht klappt, versuche ich es noch einmal und noch einmal – bis es funktioniert.

Und schlägt der Trainer dann die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Sie schon wieder etwas Neues ausprobieren?

Nein, nein. Ich mache das vor oder nach dem Mannschaftstraining. Dann nehme ich mir den Ball und versuche das. Wenn ich etwas während des Spiels mache, bin ich mir sicher, dass ich das auch kann.

Von welchen Stürmern schauen Sie sich denn gerne etwas ab?

An erster Stelle steht Ronaldo. Nicht Cristiano, sondern der Brasilianer. Dann gibt es da Sonny Anderson, der hat mir sehr gut gefallen. Und viele andere: Lewandowski, Suarez, Messi...

„Ich wollte immer Tore schießen“

Und wenn wir jetzt Lewandowski mit Aubameyang vergleichen...

Ich bin schneller (lacht)! Robert ist vielleicht ein bisschen kompletter als ich und physisch noch robuster. Er hält die Bälle besser als ich. Aber er ist mir insgesamt nicht mehr weit voraus.

Wollten Sie eigentlich schon immer Stürmer sein?

Ja. Ich wollte immer Tore schießen.

Wie hat das denn geklappt, wenn Sie als Kind mit Ihren Brüdern und ihrem Vater gespielt haben?

Meine Brüder habe ich erst kennengelernt, als ich neun war, wir haben nämlich nicht die gleiche Mutter. Mit meinen Brüdern habe ich auf der Straße gespielt, oder in einem Park in Mailand. Die haben mir nie etwas geschenkt, mich nie gewinnen lassen. Dafür bin ich heute derjenige, der keine Geschenke verteilt (lacht). Es war aber immer schön.

War es Vor- oder Nachteil, dass Sie der Jüngste waren?

Später war das ein Vorteil für mich, ich konnte von allen ein bisschen lernen. Catilina, der Älteste, war der Erste beim AC Mailand. Und dann kam Willy, und von allen konnte ich etwas mitnehmen und lernen.

Lassen Sie uns über Ihre Wette mit Thomas Tuchel reden!

Ich nehme sie mehr als Ziel wahr – weniger als Wette. Es ist ein Blatt Papier, das ich erst zeigen werde, wenn ich es geschafft habe. Darauf steht unter anderem eine Summe an Toren, die ich in der Saison erzielen soll.

In allen Wettbewerben?

Nur in der Bundesliga. Es geht aber nicht nur um eine Zahl, die da drauf steht, das ist etwas komplizierter.

Was ist denn die Belohnung?

Das darf ich nicht sagen, sonst bin ich in Gefahr (grinst).

„Ich bin immer positiv“

Setzen solche Ziele Sie unter Druck?

Nein, nie. Ich muss mir keinen Druck machen. Ich bin jetzt 26 Jahre alt, ich habe keine Zeit, um mir Druck zu machen. Ich spiele Fußball, das war’s.

Sie setzen Sie sich stets auffällig ehrgeizige Ziele. Wo kommt dieser Optimismus her?

Ich bin immer positiv, ich bin ein positiver Mensch. Wie in dieser Saison: Ich war der Einzige, der schon vor der Saison gesagt hat: Ich glaube nicht, dass Bayern wieder Meister wird.

Wer denn dann?

Da kommen ja nicht mehr ganz so viele in Betracht (grinst).

Da, schon wieder. Woher kommt der Optimismus?

Ich glaube, das kommt von meinen Eltern, die mich erzogen, immer positiv zu denken. Letztes Jahr zum Beispiel: Schon als wir Tabellenletzter waren, sagte ich, dass wir es nach Europa schaffen. Davon war ich überzeugt. Ich bin zwar auf meine eigene Art ein bisschen verrückt, aber ich haue nicht einfach nur Sprüche raus. Wenn ich etwas sage, bin ich immer davon überzeugt.

„Mein Bruder nennt mich Bugs Bunny“

Der Trainer schwärmt regelrecht von Ihrem Lächeln und Ihrer guten Laune.

Ich habe eben große Zähne, da kommt das Lächeln stärker rüber. Mein Bruder nennt mich Bugs Bunny.

Wäre vielleicht ja auch eine Verkleidungsidee für einen Torjubel am Sonnabend.

Bugs Bunny? (lacht und beißt in eine imaginäre Karotte) Warum nicht?

Sehen Sie das als eine Aufgabe, für gute Stimmung zu sorgen?

Ich weiß gar nicht, warum ich so bin, vielleicht ein Geschenk der Natur. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir einen tollen Beruf haben. Es gibt zwar Höhen und Tiefen, aber insgesamt ist das ein ganz toller Beruf.

Gab es denn jemals Zweifel, ob Sie gut genug sein könnten für eine Profikarriere.

Eigentlich habe ich nie gezweifelt. Nur ein einziges Mal, als ich 16 Jahre alt war, blieb ich für ein halbes Jahr ohne Mannschaft. Das war eine harte Zeit, da habe ich natürlich Zweifel gespürt. Aber ich habe auch zu dieser Zeit immer hart trainiert, zum Beispiel meine Schnelligkeit. Ich bin viel gelaufen.

Was hat denn ihr Vater dazu gesagt?

Er war zu dieser Zeit nicht da, er war in Afrika, hatte seine Karriere beendet, musste aber weiter arbeiten und Geld für die Familie verdienen. Deshalb war das eine schwierige Zeit. Mein Vater wusste, dass ich hart trainiere und alles tue, um Profi zu werden. Am Ende der sechs Monate hatte ich ein Probetraining. Zum Glück hat es geklappt.

Sie haben inzwischen selbst einen vierjährigen Sohn, spielt Curtis auch schon?

Er hat noch keine Lust auf Training. Und ich will ihn nicht unter Druck setzen. Wenn er irgendwann Lust hat, wird er es schon machen. Momentan will er aber Formel-1-Fahrer werden. Er hat ein kleines Kart, mit dem er immer durch die Wohnung rast.

„Wir sind nicht der Favorit“

Aber Ihre Spiele schaut er schon an?

Ja, er guckt immer zu. Er geht ins Stadion, und wenn er danach nach Hause kommt, singt er weiter und weiter. Mein Vater sagt, er wird irgendwann den Ballon d’Or gewinnen.

Kommen wir zum Spiel am Sonnabend. Für Sie kommt es nicht überraschend, dass Sie mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an die Bayern heranrücken könnten?

Nein, das habe ich ja schon vor der Saison gesagt. Die Bayern sind natürlich eine großartige Mannschaft, sie können in einem Jahr alles gewinnen. Aber dieses Jahr spüre ich, dass sie einige Spiele verlieren könnten. Für uns ist das eine Chance. Die können wir nutzen, ohne uns unter Druck zu setzen, ohne uns verrückt zu machen. Einfach Fußball spielen – dann wird man sehen. Wir sind schließlich nicht der Favorit!

Das Hinspiel in München ging 1:5 verloren, jetzt aber fehlt fast die gesamte Abwehr um Jerome Boateng verletzt. War es noch nie so leicht, die Bayern zu schlagen?

Das ist nie leicht, auch ohne die Verletzten wird das schwierig genug. Bayern hat noch etliche andere Topleute.

Sie glauben, dass der BVB Meister wird?

Solange es möglich ist, glaube ich daran. Wir erstreben das Maximum.

„Der BVB ist meine zweite Heimat geworden“

Derzeit kursieren Gerüchte, dass englische Klubs Sie aus Ihrem Vertrag bis 2020 herauskaufen wollen. Sie würden aber ein anderes Ziel bevorzugen, oder?

Mein Kindheitstraum war, irgendwann einmal für Real Madrid zu spielen.

Wieso?

Mein Großvater wurde in Avila geboren, 100 Kilometer von Madrid entfernt. 2014, kurz bevor er gestorben ist, habe ich ihm versprochen, eines Tages für Real zu spielen. Natürlich wird das schwierig, das ist mir bewusst.

Ihre Mutter Margaria stammt aus Spanien, Sie hätte sicher auch nichts dagegen.

Stimmt. Für Real aufzulaufen wäre das größte Geschenk an meine Mutter. Aber der BVB ist meine zweite Heimat geworden. Ich liebe den Verein, die Fans und diese Stadt. Sonst hätte ich niemals bis 2020 verlängert. Ich bin sicher, dass ich noch einige Zeit hier bleiben werde.