Dortmund –

Ramos rettet Dortmund

BVB tut sich gegen dezimierte Hoffenheimer lange schwer, siegt nach Schlussoffensive aber 3:1

Dortmund.  Henrikh Mkhitaryan verlor keine Zeit. Das Erreichte war zu wenig. Das Tor, das der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund da gerade erzielt hatte, war hübsch anzusehen, aber zu wenig. Daher wollte sich der Armenier nicht allzu episch dafür feiern lassen. Schnell liefen er und seine Kollegen zurück zur Mittellinie, damit das Spiel fortgesetzt werden konnte. Es war der Treffer zum 1:1 gewesen gegen 1899 Hoffenheim.

Lange, lange Zeit war der BVB in dieser Partie gegen den abstiegsbedrohten Gast die Leichtigkeit des schönen Spiels verwehrt geblieben. Doch plötzlich schien Mkhitaryan mit einer einzigen Aktion alles in Gang zu bringen. Von seinem Tor an dauerte es nur wenige Augenblicke, bis das Spiel tatsächlich gedreht war. Adrian Ramos wuchtete eine Flanke mit dem Kopf ins Tor. 2:1. Und Pierre-Emerick Aubameyang ließ sogar noch einen dritten Treffer folgen. Dortmunds furioses Finale mit drei Toren in den letzten zehn Minuten sicherte dem Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga ein weiteres Erfolgserlebnis beim 3:1 (1:0) – und verzückte die Fans doch noch.

In der Halbzeit pfeifen die Fans ihren Unmut heraus

„Ich bin fix und fertig. Normalerweise ist das ein Spiel, das du nicht gewinnst“, meinte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Zur Halbzeit hatten sich noch ein paar Pfiffe der Zuschauer ins akustische Zeugnis für die ersten 45 Minuten gemischt. Ein nicht zu leugnender Unmut war aufgekommen, weil der Gast, Tabellen-17., mit 1:0 führte. Noch etwas überraschender als das Zwischenresultat bei Halbzeit war die Erkenntnis, dass der Vorsprung seine Berechtigung hatte.

Der BVB tat sich höchst schwer. Der Spielaufbau geriet allzu oft allzu kompliziert, Missverständnis folgte auf Missverständnis, ein kleiner Fehler potenzierte sich zu Folge-Fehlern. Bestes Beispiel das vermeintliche Zusammenspiel der beiden eigentlich ballgewandten Borussen Nuri Sahin und Julian Weigl. Bei einem Versuch der Kombination manövrierte sich das schwarz-gelbe Duo so lang in die Bredouille, bis Hoffenheims Nadiem Amiri beinahe zu einer guten Chance gekommen wäre. Doch Dortmunds Torwart Roman Bürki war rechtzeitig aus seinem Tor geeilt, um die Situation zu entschärfen (11. Minute).

Eine Viertelstunde später saß derselbe Bürki auf dem Rasen, schlug die behandschuhten Hände vor Wut ineinander und schüttelte den Kopf. Er wusste, dass ihm Folgenschweres passiert war. Ein Hoffenheimer Konter schien eigentlich schon verpufft, als Kevin Volland aus etwa 20 Metern schoss. Doch der Ball flatterte, flatterte dem stehenden Bürki aus den Händen und vor die Füße von Sebastian Rudy. 0:1. Bürki stand entscheidend am Ende einer westfälischen Fehlerkette. Und nur drei Minuten später wäre das Unverständnis auf den Tribünen noch deutlich größer gewesen, wenn nicht Bürki bei einem erneuten Konter und einem Schuss von Volland stark zur Stelle gewesen wäre.

Und Dortmund? Wusste mit dem vielen Ballbesitz nicht allzu viel anzustellen. Den einzigen gefährlichen Torschuss in den ersten 45 Minuten gab Marco Reus ab, dessen Freistoß Hoffenheims Keeper Oliver Baumann aber in voller Streckung parierte. Nach der Halbzeit stemmte sich Dortmund mit mehr offensiver Vehemenz gegen die drohende erste Heimniederlage der Saison. Der für Shinji Kagawa eingewechselte Ilkay Gündogan fintierte sich hübsch bis in den gegnerischen Strafraum, sein Schuss tropfte aber vom Pfosten zurück ins Feld (48.). Auf der Gegenseite musste erneut Bürki reagieren, um einen Treffer von Mark-Alexander Uth zu verhindern.

Dann hatte der BVB plötzlich mal Platz im Mittelfeld für einen Konter, den Sebastian Rudy mit einer beherzten Grätsche von hinten in die Beine von Pierre-Emerick Aubameyang unterband (58.). Die Folge: Rote Karte gegen den Hoffenheimer. „Das ist natürlich schade für die Mannschaft, aber ich hätte nicht gedacht, dass es eine Rote Karte ist“, sagte Rudy.

Dortmunds Hoffnung keimte. Doch richtig leicht wollte der Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel nichts fallen. Wann immer sie sich bis vor das von einer Fünferkette gesicherte Tor des Gegners arbeitete, hielt Baumann sehr zuverlässig. Doch als kaum noch damit zu rechnen war, kam der Auftritt von Henrikh Mkhitaryan. Nach einer kurz ausgeführten Ecke rauschte der Armenier in den Strafraum und schob den Ball überlegt in die lange Ecke (80.). Doch feiern war zu diesem Zeitpunkt verboten. Schwarz-Gelb wollte den Sieg, der die Teilnahme an der Champions League im kommenden Jahr wieder ein entscheidendes Stück näher bringen würde.

Aubameyang erzielt mit dem 3:1 seinen 22. Saisontreffer

Das nummerisch unterlegene Hoffenheim taumelte schwer, als Lukasz Piszczek den Ball vor das Tor flankte und der eingewechselte Adrian Ramos für die Entscheidung sorgte (84.). Das Spiel war gedreht. „Am Ende war es wie im Handball, wir haben um den 16er herumgespielt und auf die Lücke gewartet. Nach dem Ausgleich war ich mir sicher, dass da noch etwas geht“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Gegen aufgerückte Hoffenheimer kam die Borussia sogar noch zum 3:1, mit Aubameyangs 22. Saisontreffer. Mit einer Umarmung bedankte er sich beim Vorlagengeber Mkhitaryan, dem Mann, der alles erst in Schwung gebracht hatte.