DFB-Pokalfinale

Klopps letzter Akt steigt im deutschen Wembley

Das Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg im Olympiastadion steht ganz im Zeichen des Abschieds von Jürgen Klopp. Doch davon will der Dortmunder Trainer noch gar nichts wissen.

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Der Liveticker zum DFB-Pokalfinale

Die Aura ist sofort da. Die des Kumpels, mit dem man gern einfach mal ein Bier trinken möchte. Dazu passt die gelbe Trainingsjacke mit dem BVB-Emblem drauf. Jürgen Klopp gibt sich am Freitagnachmittag so, wie man ihn kennt. Beinahe zu gelöst für das Finale, das ihm bevorsteht.

Unweit vom Podium glänzt der Pott im Scheinwerferlicht, der DFB-Pokal, den Klopp mit Borussia Dortmund am Sonnabend (20 Uhr, ARD) gewinnen will. Zwischen ihm und dem Objekt der Begierde sitzen Dieter Hecking und Diego Benaglio, Trainer und Torwart des VfL Wolfsburg. Symbolischer kann die Szenerie kaum sein.

Anspannung? Keine Spur. Mit auf die Faust gestütztem Kopf verfolgt Klopp die Szenen, die die Reise der Dortmunder ins Pokalfinale skizzieren. Regungslos verfolgt er Tore und Jubel, erst der Elfmeter-Irrsinn im Halbfinale beim FC Bayern zaubert ihm ein Grinsen ins Gesicht. Ja, es tut ihm immer noch gut, den großen Rivalen der vergangenen sieben Jahre, in denen Klopp Trainer der Dortmunder gewesen ist, auf der Zielgeraden seines Schaffens bei den Schwarz-Gelben ein letztes Mal aus dem Weg geräumt zu haben. „Offensichtlich haben wir uns schon ein bisschen gefreut“, fasst Klopp den Weg nach Berlin zusammen.

75.815 Zuschauer im Olympiastadion

Das letzte Pflichtspiel als Coach der Borussia soll der letzte Triumphzug für Klopp werden. Eine Krönung seiner Laufbahn bei den Westfalen, wieder eine, möchte man angesichts der Erfolge hinzufügen. Meister 2011, Double-Gewinner 2012 – es gab schon einige Thronbesteigungen für Klopp. Was also gibt es Schöneres, als die Zeit mit Dortmund im Olympiastadion, im deutschen Wembley, vor 75.815 Zuschauern beenden zu können? „Jaa“, sagt Klopp langgezogen, „hier nach Berlin zu kommen, das ist nett. Aber es gibt Schöneres: Wenn man das Finale gewinnt.“

Was Sie über das DFB-Pokalfinale in Berlin wissen müssen

Da ist er, der Erfolgsmensch Klopp. Der den Spaß nicht vergisst, den er so gern auf dem Rasen von seinen Spielern gezaubert sehen will, erst recht aber nicht den Erfolg. Der Fokus auf diesen letzten möglichen Triumph blendet bislang jedwede Schwermut aus, jeden Gedanken daran, dass es ab Montag vorbei ist.

„Vom ersten Tag der Saisonvorbereitung an war es unser Ziel hierherzukommen, um etwas gutzumachen“, sagt Klopp. Die Finalniederlage gegen die Bayern im Vorjahr (0:2 n.Verl.) ist noch nicht vergessen.

Klopp inszeniert seinen Abschied

Klopp hat das Entertainment in den liebsten Sport der Deutschen zurückgebracht, durch die Art und Weise, wie er spielen lässt, und durch sich selbst. Ein Glücksfall in der Unterhaltungsmaschine Profifußball. Wer die Auftritte des gebürtigen Stuttgarters in „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ einmal erlebt hat, wird genau wissen, was gemeint ist.

„Wenn du mir sagst, ob Naldo spielt, sage ich dir auch, wer bei uns im Tor steht“, schickt Klopp nun in Richtung Hecking. Die Lacher sind – wieder einmal – auf seiner Seite. Es bleibt das Gefühl, als zelebriere Klopp seinen Abschied mit allen Möglichkeiten, die die Fußball-Bühne bietet. Wirklich übel mag ihm das aber niemand nehmen.

Weil Klopp auch in diesen Momenten ein Typ zum Anfassen bleibt, mit emotionalen Ausschlägen in beide Richtungen, wie sie auch jeder Normalbürger hat. Klopp polarisiert mit seinen von vielen auch als überzogen empfundenen Jubelläufen und seinen verzerrten Grimassen, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Der 47-Jährige ist der gelebte Widerspruch, Dr. Jürgen und Mr. Klopp. Genau deshalb finden sich seine Bewunderer in ihm wieder und gönnen ihm den letzten Tanz mit dem Pott.

Lieber im Lkw um den Borsigplatz als ein Held sein

„Wir wollen das Spiel mutig angehen, und in den Momenten, wo es wirklich wichtig ist, die Zweikämpfe gewinnen. Das ist Fußball.“ Hochkomplexer Fußball, der so einfach aussieht und deshalb die Menschen mitnimmt. Praktisch ein Spiegelbild des Trainers selbst, der nun in Berlin zum Dortmunder Helden werden kann.

„Das ist gar nicht mein Anspruch. Ich weiß auch gar nicht, wie das Spiel dann laufen müsste“, wiegelt Klopp ab. Viel lässiger würde er es finden, am Sonntag als Pokalsieger im Lkw um den Borsigplatz zu fahren: „Das ist mit das Beste, was man tun kann im Leben.“

Seit 30 Jahren ist das DFB-Pokalfinale nun in Berlin zuhause. Doch noch nie war ein Endspiel derart mit einer Person verknüpft. „Es geht für alle um alles“, sagt Jürgen Klopp zwar. Doch für ihn, in „seinem“ Finale, geht es noch um ein wenig mehr.

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