DFB-Pokalfinale

Die Torlinientechnik feiert Premiere im deutschen Fußball

Mit dem Einsatz von „Hawk-Eye“ des gleichnamigen britischen Herstellers sind Fehlentscheidungen bei strittigen Torszenen Geschichte. Der deutsche Wettbewerber „GoalControl“ blieb auf der Strecke.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Eines steht schon jetzt fest: Das Finale um den DFB-Pokal wird als ein besonderes in die Geschichte eingehen – ganz gleich, in welcher Verfassung sich Borussia Dortmund und der VfL Wolfsburg am Sonnabend präsentieren. Der Grund dafür steckt in und unter der imposanten Dachkonstruktion des Berliner Olympiastadions. Dort wurden insgesamt 14 Hochgeschwindigkeitskameras installiert, die als Teil der Torlinientechnik fortan jeden erzielten Treffer zweifelsfrei belegen können. Und weil diese Technik zum ersten Mal in einem Pflichtspiel auf deutschem Boden zum Einsatz komme, sei es eben „ein sporthistorisches Spiel“, meint DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock.

„Hawk-Eye“ (Falkenauge) heißt das System, das am Sonnabend seine Deutschland-Premiere feiert. Jeweils sieben Kameras sind in verschiedenen Blickwinkeln auf eines der beiden Tore gerichtet. Aus der Summe der einzelnen Bilder lässt sich dann die exakte Position des Balles errechnen. Laurence Upshon vom gleichnamigen Unternehmen „Hawk-Eye“ versichert: „Bislang hat es noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem der Ball von den Kameras nicht erkannt wurde.“

Strittige Torentscheidungen wie im Endspiel des Vorjahres sind damit ausgeschlossen. Zur Erinnerung: Dortmunds Mats Hummels hatte nach gut einer Stunde auf das Tor des FC Bayern geköpft, wo Verteidiger Dante den Ball erst hinter der Linie wegschlug. Eine knifflige Szene. Schiedsrichter Florian Meyer ließ weiterspielen – am Ende gewann der FC Bayern nach Verlängerung 2:0.

„Dieser Schritt war überfällig“

„Wir hätten uns gewünscht, dass das System schon 2014 im Einsatz gewesen wäre“, sagt Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter im DFB-Schiedsrichterwesen. Hellmut Krug, Schiedsrichtermanager bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), formuliert es noch etwas drastischer. „Es geht um komplexe Entscheidungen, die nach menschlichem Ermessen nicht lösbar sind. Und die Öffentlichkeit ist nicht bereit, Fehlentscheidungen des Schiedsrichters zu akzeptieren – insofern war dieser Schritt überfällig.“

15 der 18 Bundesligaklubs votierten im Dezember für die Einführung einer Torlinientechnologie und entschieden sich anschließend für „Hawk-Eye“. 14 Jahre Erfahrung in über 20 Sportarten sprechen für den britischen Hersteller – am Ende gab aber vor allem das günstigere Angebot den Ausschlag. Der deutsche Wettbewerber „GoalControl“, der bei der Weltmeisterschaft 2014 den Vorzug erhielt, blieb auf der Strecke. Die Kosten belaufen sich laut Medienberichten auf rund 135.000 Euro pro Verein und Saison. Das entspräche knapp 8.000 Euro je Heimspiel.

Ob es sich um einen gültigen Treffer handelt, erfahren die Schiedsrichter innerhalb einer Sekunde. Die Unparteiischen erhalten ein akustisches Signal über ihr Headset – zudem vibrieren und blinken ihre speziellen Armbanduhren. Mehr noch: „Hawk-Eye“ liefert stark verlangsamte Wiederholungen und Animationen. Die Zuschauer in den Stadien und am Fernseher können sich so von der Richtigkeit der Entscheidungen überzeugen.

Final-Schiedsrichter Brych ist mit der Technik vertraut

Nicht uninteressant ist die Wahl von Felix Brych als Schiedsrichter für das Pokalfinale. Der 39-Jährige ist ein gebranntes Kind. Im Oktober 2013 pfiff er die Partie Hoffenheim gegen Leverkusen, in der das legendäre „Phantomtor“ durch Bayer-Stürmer Stefan Kießling fiel. Damals war der Ball zunächst ans Außennetz geflogen, durch ein Loch im Tornetz aber schließlich hinter der Linie gelandet. Brych entschied fälschlicherweise auf Tor. Eine andere Erfahrung spricht klar für den Münchner. Durch seinen Einsatz bei der WM 2014 ist er bereits mit der Technik vertraut.

In der englischen Premier League zählt das „Hawk-Eye“ schon seit der Saison 2013/14 zum Standard. Mit Beginn der kommenden Spielzeit kommt es nun auch in den Stadien aller 18 Bundesligisten zur Anwendung. Vorerst aber richten sich alle Blicke gespannt nach Berlin – und vor allem auf die Tore im mit 76.197 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion.

Ob sich Dortmund und Wolfsburg auch rein sportlich ein geschichtsträchtiges Duell liefern, wird sich zeigen. Mit der neuen Technik, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, „kann es nur besser werden“. Eine Szene wie im vergangen Jahr wird ihm jedenfalls erspart bleiben.