Bundesliga

Die Liga erlebt einen Abstiegskampf von historischem Ausmaß

Hertha, HSV, Freiburg, Hannover, Paderborn und Stuttgart – Sechs Klubs ringen noch um den Klassenerhalt: Niemals war es so eng im Tabellenkeller wie diesmal. Aber für die Berliner gibt es Hoffnung.

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Manchmal helfen Zahlen, um sich orientieren zu können. Diese hier belegen die aktuell gängige These, dass in der laufenden Saison der Abstiegskampf die neue Meisterschaft ist und die Bundesliga nur im Tabellenkeller noch mit Spannung dienen kann: An der Spitze ist das Rennen seit dem 30. Spieltag ja endgültig entschieden – aber gefühlt schon viel früher. Der FC Bayern war seit dem 5. Spieltag ununterbrochen Erster. Unten aber tobt dafür ein Überlebenskampf von historischem Ausmaß.

Zwei Spieltage vor Schluss trennen den Tabellen-13. Hertha BSC (34) nur vier Zähler vom Tabellenletzten VfB Stuttgart (30). Niemals zuvor seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/96 war es so eng am Tabellenende wie in diesem Jahr – nicht einmal annähernd. In den 19 Spielzeiten seither trennten den Tabellen-13. und das Schlusslicht am 32. Spieltag durchschnittlich 13 Punkte.

Nur vier Punkte trennen Platz 13 und 18

Wir erleben also eine bisher nie da gewesene Verdichtung der Liga im unteren Drittel und das liegt auch daran, dass wir es mit einer Saison der krassen Formkurven der Abstiegskandidaten zutun haben: Während oben immer noch dieselben sechs Klubs fast in derselben Reihenfolge auf den ersten sechs Plätzen stehen, die dort bereits überwinterten (Bayern, Wolfsburg, Gladbach, Leverkusen, Schalke, Augsburg), gab es unten eine mittelgroße Fluktuation: Zwei der drei Vereine, die nach der Hinrunde noch in der Abstiegszone lagen, kämpfen nun um die Europa League: Dortmund und Bremen.

Im Abstiegssextett wurden sie durch Hannover und Paderborn ersetzt, die im Winter noch auf Platz acht und zehn lagen. Nun sind sie 16. und 17. Hertha (13.), Hamburg (14.), Freiburg (15.), Hannover (16.), Paderborn (17.) und Stuttgart (18.) machen die zwei Absteiger sowie den Klub, der in die Relegation muss, unter sich aus.

Weil Platz 18 und den rettenden Rang 15 nur ein Punkt trennt, können sich alle sechs noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen: Sogar Hannover, obwohl beim 1:1 gegen Bremen zum 16. Mal in Serie nicht gewonnen wurde. „Wir stehen ja nicht allein mit dem Rücken zur Wand“, sagte 96-Manager Dirk Dufner. Sogar der HSV, weil man durch das 1:1 gegen Freiburg dreimal in Folge ungeschlagen ist. „Jetzt können wir wieder ein wenig atmen“, sagte Coach Bruno Labbadia. Und sogar der VfB, weil man 2:0 gegen Mainz gewann und nun fünf Mal in Serie zu Hause ungeschlagen ist.

Der 1. FC Nürnberg als warnendes Beispiel

In Freiburg und beim Aufsteiger Paderborn sind sie vom Existenzkampf ohnehin ausgegangen. Bei Hertha wähnte man sich vielleicht schon aus dem Schneider. Sieben Punkte Vorsprung hatte Pal Dardais Elf vor zwei Spielen. Nun sind es noch drei. Aber es gibt Hoffnung, und auch hier helfen die Zahlen: Nur einmal in den vergangenen 19 Jahren stieg ein Klub ab, der am 32. Spieltag auf Rang 13 stand: der 1. FC Nürnberg 1998/99.

Diese Saison aber hält eine besondere Pointe bereit: Am letzten Spieltag treffen die aktuell letzten Vier direkt aufeinander: Hannover gegen Freiburg, Stuttgart gegen Paderborn. Der heimliche Star dieser Saison ist also der Spielplan.