Bundesliga

Hertha BSC unterliegt im Abstiegskampf in Dortmund 0:2

Eigentlich wollte Hertha BSC den BVB Dortmund mit einer Mauertaktik zermürben. Doch das scheiterte. Früh fiel das 1:0 für die Dortmunder. Danach konnten die Berliner nicht mehr viel ausrichten.

Foto: Martin Meissner / AP

Die ersten Herthaner wollten gleich abdrehen, zu aggressiv war ihnen die Stimmung, die den Spielern aus dem Gästeblock entgegenschlug. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, skandierten die Berliner Anhänger. Co-Trainer Rainer Widmayer war nicht bereit, das so hinzunehmen, holte die Spieler zusammen und marschierte vornweg unmittelbar bis an den Zaun und bedankte sich für die Unterstützung. Dabei bewiesen die Fans jedoch kein feines Gespür: Das Einzige, was man den Hauptstadt-Profis nach dem 0:2 (0:1) gegen Borussia Dortmund nicht absprechen konnte, war, dass sie sich reingehängt hatten.

Kalou zur Pause ausgewechselt

Der Rest jedoch sah düster aus. Der Negativlauf von Hertha hält an. In Dortmund bezogen die Berliner die dritte Niederlage in Folge. Zuvor waren sie gegen den FC Bayern (0:1) und Gladbach (1:2) leer ausgegangen. „In diesen drei Spielen waren wir nur einmal chancenlos. Und das war diesmal der Fall“, sagte Manager Michael Preetz. Mit der mittlerweile 16. Saisonniederlage setzt sich Hertha extrem unter Druck im Kampf um den Klassenerhalt. Von den acht Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone vor drei Spielen sind nun nur noch drei Zähler übrig. Um sicher zu sein, dass auch 2015/16 Bundesliga-Fußball in Berlin rollt, muss die Mannschaft eines der letzten beiden Saisonspiele gewinnen - daheim gegen Eintracht Frankfurt (16. Mai) oder auswärts in Hoffenheim (23.) .

„Wir hatten in diesem Spiel nichts verdient“, gab Hertha-Trainer Pal Dardai zu. Mentale Müdigkeit hatte der Ungar bei seinen Spielern ausgemacht. Entsprechend präsentierte sich Hertha anfänglich in Dortmund. Es dauerte gerade neun Minuten, da war der Matchplan über den Haufen geworfen. Sebastian Langkamp protestierte im eigenen Strafraum zunächst, Borusse Henrikh Mkhitaryan hätte den Ball mit dem Oberarm angenommen. Doch das Spiel lief weiter, Langkamp ging dem Ball halbherzig entgegen und beförderte ihn in einer Mischung aus Befreiungsschlag und misslungenem Pass ins Aus – Eckball. Den zirkelte Mkhitaryan in den Strafraum, Neven Subotic köpfte den Ball unter die Latte, 0:1. „Wir sind in einer Situation, in der wir nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen. Aber das müssen wir einfach besser verteidigen“, sagte Langkamp.

Nun griff Verunsicherung um sich. Hertha vermochte kaum, einen eroberten Ball in den eigenen Reihen zu halten. Stattdessen setzten die Hausherren nach. Glück für die Gäste, dass Mkhitaryan im Hertha-Strafraum den Ball knapp neben das Berliner Tor setzte (15.). Neun Minuten später klärte Torwart Thomas Kraft weit außerhalb seines 16ers vor Pierre-Emerick Aubameyang. Es dauerte bis zur 37. Minute, ehe Hertha den ersten Konter setzte. Doch statt einen Mitspieler zu bedienen, verunglückte Per Skjelbred die Flanke. Der Ball landete in den Armen des bis dahin arbeitslosen BVB-Torwarts Mitchell Langerak.

Zur Pause wechselte Dardai den indisponierten Salomon Kalou (nur 14 Ballkontakte) aus. „Ich habe das Gefühl, Salomon fehlt im Moment etwas“, sagte Dardai. Dafür kam Sandro Wagner. Der hatte den Ball noch nicht einmal berührt, das stand es bereits 0:2. Marvin Plattenhardt ließ sich von Erik Durm ausspielen, der Dortmunder Außenverteidiger, der bisher nicht ein einziges Bundesliga-Tor erzielt hatte, zog aus 15 Metern ab. Torwart Kraft sah den Ball zu spät und bugsierte ihn mit dem Oberarm ins eigene Tor, da waren im zweiten Durchgang gerade 75 Sekunden gespielt. Hertha stand nun völlig neben sich, orientierungslos wie noch nie unter Dardai. Kraft legte unfreiwillig für Aubameyang auf, Langkamp blockte dessen Schuss im letzten Moment (49.). Nach 55 Minuten kam John Heitinga zu seinem ersten Einsatz seit zwei Monaten, John Brooks musste wegen einer Hüftprellung runter.

Nur noch drei Punkte Vorsprung

Am grundsätzlichen Bild änderte sich nichts: Die Gäste verströmten keinerlei Torgefahr, den ersten Eckball gab es in Minute 74. Hertha hatte am Ende mehr Ballbesitz (53 Prozent), gewann mehr Zweikämpfe (59 Prozent) – Zahlen, die nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine erschreckend harmlose Vorstellung der Blau-Weißen war. „Diesmal war die Niederlage verdient. Aber wir müssen jetzt weitermachen, denn wir haben noch alles in der eigenen Hand“, sagte Langkamp. Manager Preetz ahnte, dass es eine Zitterpartie im Saisonendspurt werden dürfte: „Die Jungs wissen, worum es geht. Es kann bis zum letzten Spieltag dauern, bis wir uns gerettet haben“, sagte der Manager.

Dardai sendete unmittelbar vor der Rückfahrt per Bahn nach Berlin jedoch das Signal Zuversicht: „Wir sind immer noch Tabellen-13. Mit einem Sieg am nächsten Wochenende gegen Frankfurt können wir den Sack zu machen.“ Dafür braucht es aber eine deutliche Leistungssteigerung gegen die Eintracht.