Bundesliga

Herthas Coach Pal Dardai kann in Dortmund am meisten gewinnen

Wenn Hertha BSC gegen Borussia Dortmund siegt, hat der Ungar einen Vertrag als Cheftrainer ab dem 1. Juli sicher. Im Saison-Endspurt geht es für beide Vereine um jeweils rund 30 Millionen Euro.

Foto: imago / Imago

Die Differenz lässt sich exakt beziffern: Acht Punkte liegt Hertha BSC hinter Borussia Dortmund. Dabei war es, als Pal Dardai seinen Job als Hertha-Trainer am 5. Februar angetreten hat, noch anders. Die Berliner schwebten als Tabellen-17. in akuter Abstiegsgefahr, der BVB war gar Schlusslicht. Beide Teams sind seither sehr verschiedene Wege gegangen. Wenn sie sich heute am 32. Bundesliga-Spieltag in der Dortmunder Arena treffen, ist noch offen, ob die Wege zum gewünschten Ziel führen (15.30 Uhr, Immerhertha-Liveticker).

Dortmund hat alles anders gemacht als Hertha – den Trainer (Jürgen Klopp) behalten, im Winter eben mal für zwölf Millionen Euro mit Kevin Kampl (von Red Bull Salzburg) nachgerüstet, parallel Champions League und DFB-Pokal gespielt – und doch ist im Saison-Endspurt nicht ausgemacht, wie es ausgeht. Borussia kann (via Bundesliga oder als Sieger des DFB-Pokalendspiels) die Teilnahme an der Europa League gewinnen oder, der Gau, verspielen.

Die große Aufholjagd des einstigen Tabellenletzten

„Wir wollen mit aller Macht in die Europa League, das ist doch logisch“, sagt Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung. „Das zu schaffen, wäre gemessen an den Ansprüchen von Borussia Dortmund zwar nicht der allergrößte Erfolg. Aber vor dem Hintergrund, dass wir im Februar noch Tabellen-18. waren, wäre das mit Sicherheit die größte Aufholjagd, die ein Tabellenletzter in der Bundesliga je hinbekommen hätte. “

Immerhin herrscht bei Hertha, anders als in der schwierigen Situation im Abstiegskampf vor drei Jahren, der in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf verloren ging (1:2, 2:2), relative Ruhe im Verein. Dardai hat als Nachfolger des entlassenen Jos Luhukay seit Februar 16 Punkte geholt – der BVB übrigens 24.

Ein Sieg über Hertha ist fest eingeplant

Für Dortmund geht es um viel Geld. In der Annahme, dass der BVB die Gruppenphase der Europa League erreicht, hätte der Klub laut Watzke Einnahmen von „bis 30 Millionen Euro“ sicher. Trainer Klopp hofft auf sieben Punkte aus den verbleibenden drei Bundesliga-Begegnungen, ein Sieg über Hertha ist in dieser Rechnung fest einkalkuliert.

Trotz des zwischenzeitlichen Hochs ist die Lage der Blau-Weißen durchaus prekär. Der Vorsprung auf die Abstiegszone ist von acht auf nun vier Zähler zusammen geschmolzen – neun Punkte werden noch vergeben.

Die finanzielle Fallhöhe bei Hertha ist dramatisch

Allein die finanzielle Fallhöhe ist ähnlich dramatisch für die Berliner: Sollte Hertha absteigen, würde sich der Verlust perspektivisch auf mindestens 30 Millionen Euro belaufen. In diesem Zusammenhang sei nur an die steigenden TV-Einnahmen erinnert, die künftig in der Bundesliga ausgeschüttet werden. Für Hertha wäre diese Summe ungleich gravierender, da der Jahres-Etat sich auf etwa 85 Millionen Euro beläuft – während das Saison-Budget des BVB bei rund 240 Millionen liegt.

Manager Preetz tritt unaufgeregt auf

Das Negativszenario indessen wird bei Hertha jedoch in keiner Weise kommuniziert. Alles dreht sich um den Klassenerhalt. Manager Michael Preetz tritt seit Wochen so auf, wie sich der Hauptstadtklub seit längerem präsentiert: unaufgeregt. Preetz hält wenig davon, die Resultate der Konkurrenten hochzurechnen. „Wir schauen auf uns. Wir wissen, dass wir noch einen Sieg brauchen – und den werden wir holen.“ Die ausstehenden Gegner heißen Dortmund, Eintracht Frankfurt und TSG 1899 Hoffenheim.

Doch selbst wenn Hertha erstklassig bleibt, werden sich die Dortmunder weiter von den Berlinern entfernen. In Dortmund steht dafür ein gravierender Umbruch an. Mit Klopp wird die Identifikationsfigur der vergangenen Jahre die Borussia verlassen, Thomas Tuchel wird übernehmen. Leistungsträger wie Ilkay Gündogan, Mats Hummel oder Neven Subotic stehen vor dem Absprung, Sebastian Kehl beendet seine Karriere. Zudem wird weiter nach einer Lösung gefahndet, um den bis heute nicht ausgeglichenen Verlust von Stürmer Robert Lewandowski (war im Sommer zum FC Bayern gewechselt) wenigstens für 2015/16 zu ersetzen.

Bei Hertha wird keinen personellen Neustart vornehmen

Und Hertha? Beim Liga-Verbleib wird es nur punktuelle Veränderungen im Kader geben. „Den größeren Umbruch haben wir im vergangenen Sommer vorgenommen“, sagt Manager Preetz.

Trainer Pal Dardai, das erfuhr die Berliner Morgenpost aus zuverlässiger Quelle, wird im Fall des Klassenerhaltes mit einem Cheftrainer-Vertrag belohnt. Insofern kann der Hertha-Übungsleiter heute am meisten in Dortmund gewinnen.