Rassismus-Aussagen

Fifa-Boss Blatter klebt an seinem Stuhl

Joseph Blatter entschuldigt sich für seine Verharmlosung von Rassismus. Sein Amt als Fifa-Chef will der Schweizer deswegen jedoch nicht abgeben.

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Der umstrittene Fifa-Präsident hat sich nach seinen missverständlichen und ungeschickten Aussagen über Rassismus im Fußball entschuldigt, will aber von einem Rücktritt nichts wissen.

„Es hat geschmerzt und schmerzt immer noch, aber ich konnte eine solche Reaktion nicht voraussehen“, sagte der 75-jährige Schweizer in einem "BBC"-Interview. Blatter gab zu, „unglückliche Worte“ gewählt zu haben, die er „tief bedauere“. „Wenn man etwas gesagt hat, was nicht vollkommen korrekt war, kann ich mich nur bei all jenen entschuldigen, die durch meine Erklärungen betroffen wurden“, betonte er.

„Ich kann nicht zurücktreten. Warum sollte ich?“

Ein Rücktritt kommt für den Fifa-Boss, der erst im Frühjahr erneut in seinem Amt bestätigt wurde, aber nicht infrage. „Ich kann nicht zurücktreten. Warum sollte ich?“, äußerte der Mann aus dem Wallis, der seit 1998 an der Spitze der Fifa steht.

Blatter hatte beim arabischen Sender "Al-Dschasira" ein Rassismus-Problem im Fußball geleugnet. Abfällige Gesten oder Äußerungen während einer Begegnung seien nach dem Abpfiff „vergessen“, sagte er. Sollte das nicht der Fall sein, müssten die jeweiligen Liga-Offiziellen „die Streitenden zusammenbringen und ihnen sagen: Reicht euch die Hände“. In einem Twitter-Eintrag verharmloste er Rassismus aber gleichwohl als etwas „Falsches“, das „in der Hitze des Gefechts“ passieren könne.


Welle der Entrüstung

Trotz der Entschuldigung gab es weiter massive Kritik. Neil Warnock, Teammanager des englischen Erstligisten Queens Park Rangers, forderte indirekt einen Boykott aller schwarzen Spieler in internationalen Partien, um den Schweizer zum Rücktritt zu zwingen.

„Ich denke, der einzige Weg, ihn aus dieser Situation zu bringen, ist, wenn jeder schwarze Spieler im Land, in jedem Land, sich weigern würde, das nächste internationale Spiel zu bestreiten“, sagte Warnock, „das ist der einzige Weg. Nichts anderes wird ihn rausbringen, bis er selbst gehen will.“

Die Äußerungen des Fifa-Chefs hatten schon am Donnerstag für eine Welle der Entrüstung gesorgt. Neben zahlreichen Profis und Politikern hatte auch der britische Premierminister David Cameron mit Unverständnis reagiert. „Es ist entsetzlich zu suggerieren, dass Rassismus in irgendeiner Form als Teil des Spiels akzeptiert werden sollte“, sagte Cameron.

Für den englischen Sportminister Hugh Robertson hat sich Blatter mit seinen Äußerungen endgültig disqualifiziert. Er nannte die Aussagen des Fifa-Bosses „völlig inakzeptabel“ und meinte, er könne „nur hoffen“, dass er zurücktrete. Ed Miliband, Chef der Labour-Partei, sprach von einer „Schande“ und forderte eine „neue Führung“ für den Weltfußball.

Gordon Taylor, Chef der englischen Profifußballer-Vereinigung PFA, hatte ebenfalls Blatters sofortigen Rücktritt gefordert. Er brachte Uefa-Chef Michel Platini als möglichen Nachfolger ins Gespräch. Taylor sprach vom „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“.


Misstrauen in England

Besonders im Fußball-Mutterland England schlägt Blatter derzeit eine Welle des Misstrauens entgegen. Die Korruption innerhalb der Fifa und die Umstände der Vergabe der WM-Endrunde 2018 und 2022 hatten auf der Insel zu einem Sturm der Entrüstung geführt. England war bei der Vergabe der WM 2018 vor Jahresfrist in Zürich bereits in Runde eins sang- und klanglos gescheitert. Russland wurde schließlich vom Fifa-Exekutivkomitee als Gastgeber bestimmt. Die WM 2022 findet in Katar statt.

Englands Fußball-Idol David Beckham hatte Blatters Rassismus-Aussagen gleichfalls kritisiert. „Wir haben keinen Einfluss darauf, wer in die Fifa-Gremien gewählt wird und wer dort im Amt bleibt, aber wir wissen, dass es seit Jahren ein Rassismus-Problem im Fußball und auch im öffentlichen Leben gibt“, sagte der Star der Los Angeles Galaxy in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) anlässlich einer Pressekonferenz.