Joachim Löw verlängert

"Kann mir keinen besseren Bundestrainer vorstellen"

Nach dem Schmierentheater beim letzten Mal wurde beim DFB diesmal früh und hinter den Kulissen verhandelt. Auch Bierhoff, Flick und Köpke bleiben.

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) liegt nicht im Trend. Ist es doch in diesen Tagen sehr in Mode, seinen Trainer zu entlassen. Van Gaal, Veh, Magath – dem Land droht eine Massenarbeitslosigkeit prominenter Übungsleiter. Und was macht der DFB? Verlängert einfach ein Jahr vor Ablaufzeit den Vertrag mit seinem Mann. Joachim Löw bleibt Bundestrainer bis 2014. Dann findet die WM in Brasilien statt.

„Wir glauben an die Qualität unserer Spieler und sehen für unser Team gute Perspektiven“, kommentierte der 51-Jährige die Arbeitsplatzsicherung: „Deshalb haben wir gern das Angebot der DFB-Führung angenommen, vorzeitig zu verlängern. Wie groß das Vertrauensverhältnis ist, zeigt allein die Tatsache, dass die Verhandlungen innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden konnten.“

Neben Löw wird auch Teammanager Oliver Bierhoff einen neuen Kontrakt unterschreiben; dies war Bedingung des Trainers. Schon im Zuge der Vertragsgespräche im Anschluss an die WM 2010 in Südafrika hatte Löw betont, dass er nur an der Seite seines Vertrauten weiterarbeiten wolle. Neben Bierhoff werden auch Assistenztrainer Hans-Dieter Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke bleiben. Bei weiteren Mitgliedern des Betreuerstabs wie Chefscout Urs Siegenthaler oder Psychologe Hans-Dieter Hermann stehen noch Verhandlungen aus, diese scheinen aber Formsache zu sein. „Die harmonischen Vertragsgespräche haben noch einmal deutlich gezeigt, wie groß das gegenseitige Vertrauen ist“, betonte DFB-Präsident Theo Zwanziger: „Dieser respektvolle, offene Umgang miteinander ist die beste Voraussetzung dafür, die gemeinsame erfolgreiche Arbeit der Vergangenheit auch in Zukunft fortzusetzen.“

Der Bundestrainer bleibt. Im Gegensatz zu Louis van Gaal. Nachdem der FC Bayern bekanntgegeben hatte, sich zum Saisonende von seinem Trainer zu trennen, hieß es, dass Löw ein Kandidat für den Trainerposten in München sei; sogar von einer Doppelfunktion war die Rede. Die Spekulationen beschleunigten offenbar die Vertragsgespräche, auch wenn ein Engagement beim Rekordmeister laut Löw kein Thema gewesen sei: „Das stand nicht zur Debatte“, sagte er. Zumal die Verhandlungen zwischen seinem Berater Harun Arslan und dem DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach in der vergangenen Woche schon weit vorgeschritten waren. Die Gespräche, heißt es, seien alle unkompliziert verlaufen. Das finale Treffen mit Löws Berater, der ihm seit 1992 zur Seite steht, fand schließlich am Montag in der Zentrale des DFB statt.

Verständigt hatte sich das Präsidium auf eine Verlängerung bereits Ende Januar. Schon damals einigten sich die Herren, mit Löw langfristig arbeiten zu wollen. Niersbach, dessen Vertrag am Dienstag bis 2016 verlängert wurde, sagte: „Die Zusammenarbeit mit unseren sportlichen Köpfen läuft hervorragend, das Klima bei der Nationalmannschaft stimmt, ebenso die Ergebnisse, und wir sehen glänzende Perspektiven. Warum sollten wir denn bis zum Ende der EM-Qualifikation warten, wenn sich die Dinge auch schon vorher regeln lassen?“

In der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine liegt Löw mit seinem Team im Soll; Deutschland führt die Gruppe A nach vier Spielen mit zwölf Punkten souverän an. Außerdem treibt Löw treibt die Entwicklung seiner Mannschaft permanent voran und besticht mit einem klaren Konzept. Sein junges Team spielte bei der WM den schönsten Fußball und wurde erst im Halbfinale vom späteren Weltmeister Spanien gestoppt. Nun gilt Deutschland bei der WM als Mitfavorit, woraus der Bundestrainer auch keinen Hehl macht. „Wir sind jetzt reif für einen Titel“, sagte Löw, der seit Juli 2006, dem Beginn seiner Amtszeit, 44 Profis zu ihrem Debüt verholfen hat. Wer heute in Deutschland jung und gut ist, der weiß, dass er bei Löw eine Chance bekommt.

Dass die Einigung jetzt und so schnell vollzogen wurde, hat aber auch einen anderen Grund. Der DFB wollte mit aller Macht jenes Schmierentheater vermeiden, das er im vergangenen Jahr um diese Zeit aufgeführt hatte. Anfang 2010 hatte Löw eine von DFB-Präsident Theo Zwanziger propagierte „Einigung per Handschlag“ bestritten und darauf verwiesen, dass es noch Details zu klären gäbe. Danach verhärteten sich die Fronten, Details aus den Verhandlungen und Forderungen wurden an die Öffentlichkeit lanciert. Vor allem Bierhoff rückte daraufhin in die Kritik, er wollte sich ein Vetorecht bei der Ernennung der Bundestrainers zusichern lassen. Eine Trennung schien wahrscheinlicher als eine weitere Zusammenarbeit. Erst im Zuge der WM kippte die Stimmung wieder. Der DFB konnte nach der WM gar nicht anders, als mit dem Liebling der Massen zu verlängern.

Am kommenden Dienstag wird Löw die Nationalspieler um sich versammeln. Dann startet die Vorbereitung auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan in Kaiserslautern (26. März) und das Testspiel gegen Australien in Mönchengladbach (29. März). Viele Profis werden sich freuen, in Löw als Bundestrainer eine Konstante zu wissen. Von ihren Arbeitgebern sind sie das ja dieser Tage nicht gewohnt. Heiko Westermann, Kapitän des Hamburger SV, hat beispielsweise gerade seinen Vereinstrainer verloren. Zur Causa Löw sagte er: „Das ist die beste Entscheidung, die getroffen werden konnte. Ich kann mir keinen besseren Bundestrainer als ihn vorstellen.“