Das brasilianische Fernsehen unterscheidet sich ziemlich vom deutschen. Bei den Übertragungen der Weltmeisterschaft kommentieren hier meist zwei Experten das Spielgeschehen. Und während es sich Béla Réthy und Co. im deutschen TV auch mal gestatten, ein kleines Päuschen einzulegen und den Zuschauer mit der Partie für Momente allein zu lassen, wird hier pausenlos gequasselt.

Ein kompletter Klangteppich der Kommentatoren überdeckt die Spiele. Da wird geschrien, wenn ein Tor fällt – egal für welche Mannschaft. Da wird auch kein Blatt vor den Mund genommen.

Als einen „Blinden“ bezeichneten sie beim TV-Sender O Globo den Schiedsrichter, der Mexiko gegen Kamerun zwei reguläre Tore verweigerte. Vom „Abschlachten“ sprachen sie, als die Niederlande Spanien mit 5:1 düpierte. Und als beim Eröffnungsspiel der Brasilianer gegen Kroatien das halbe Stadion in Sao Paulo unschöne Dinge Richtung Präsidentin Dilma Rousseff brüllte, zeigte die Kamera drei Schauspieler einer Seifenoper des Senders, wie sie lauthals mitskandierten. Kommentar im TV: „Das wird wohl ein Nachspiel haben“.

Es hatte. Die drei Darsteller mussten sich am Tag darauf im Fernsehen bei Rousseff entschuldigen. Man habe sich in der Hitze des Gefechts einfach anstecken lassen, sagten sie. O Globo steht der Regierung nah, muss man wissen, und solch unfeiner Protest kommt da natürlich nicht gut an.

Scham über die korrupten Politiker

Dabei hätte es diesen gar nicht gebraucht, denn das hat die Fifa schon ganz allein erledigt. Das Logo der WM 2014, das ständig während der Spiele eingeblendet wird, zeigt den Pokal als eine goldene Weltkugel von einer riesigen Hand umschlossen. Eine brasilianische Werbeagentur hat es entworfen. In Brasilien sind sie damit ziemlich glücklich. Denn hier sagen sie, das Logo sehe aus wie ein Mensch, der sein Gesicht vor Scham über die korrupten Politiker und die Missstände im WM-Gastgeberland in der Hand vergräbt.

Versteckter Protest also. Er entfaltet im Fernsehen auch dann seine Wirkung, wenn es doch einmal still werden sollten bei den Kommentatoren.

WM 2014: Diese Spieler wollen den Titel - unsere interaktive Grafik