Mein Brasilien

Zu dick zum Atmen - Über körperliche Strapazen im WM-Land

Morgenpost-Reporter Jörn Meyn berichtet aus Brasilien über die Fußball-WM - und wie es ihm dort ergeht. Eigentlich hält sich der 31-Jährige für recht fit. Doch die Hitze bringt ihn zur Schnappatmung.

Eigentlich bin ich recht fit. Ich bin 31Jahre alt, habe selbst lange Fußball gespielt und zwinge mich, drei Mal wöchentlich laufen zu gehen.

Gestern wollte ich wissen, was ich noch so bringe. Zumal unter diesen Bedingungen in Bahia im schwülwarmen Osten Brasiliens. Dem Bundestrainer Joachim Löw fällt dazu meist das Wort „Strapaze“ ein. Was darunter zu verstehen ist, bekommen wir jeden Tag präsentiert. Schon am Morgen ist es hier im brasilianischen Winter heiß. Schnell schrauben sich die Temperaturen auf 28 Grad hoch und dazu die hohe Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent – diese kleine Drecksau, die das Fußballspielen so unanständig schwierig machen soll.

Also zog ich die Laufschuhe an und ging am Strand joggen. Wollen wir doch mal sehen! Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Anfängervariante wählte: Nicht gleich die Mittagssonne, in der das deutsche Team zum Beispiel am Montag gegen Portugal ran muss, bitte! Erst in den späten Nachmittagsstunden rannte ich los.

Der Atlantik schob sich ruhig bis vorn über den Sandstrand, und ich versank ein bisschen im Boden. Vorbei ging es an ein paar Strandbars Richtung Norden. Vor dem deutschen Quartier Campo Bahia patrouillierten fünf Soldaten und guckten mir gelangweilt hinterher. Zehn Minuten und noch alles gut. Pah, von wegen schwierige Bedingungen. Fit wie ein Turnschuh.

Doch nach 15 Minuten kam die Schnappatmung. Die Luft fühlte sich plötzlich an, als wäre sie zu dick, um in meine Lungen zu passen, und mein Puls schlug wütend am Hals. Schweißnass klebte mein T-Shirt am Rücken, und ich rannte gebückt. Mein Körper zickte wie ein beleidigter Oldtimer, den jemand über die Alpen geprügelt hat. Umdrehen!

Die Soldaten grinsten, als ich mich am Campo Bahia vorbeischleppte. Zurück in meinem kleinen Bungalow fiel ich entkräftet in den Liegestuhl und schaute auf die Stoppuhr: nur 35 Minuten. Nicht einmal eine Fußball-Halbzeit im Rentnertempo. „Strapaze“, dachte ich. Das hier wird eine WM der Strapazen.