Wenn man mit Brasilianern Fußball guckt, lernt man was. Zum Beispiel, wie man anständig flucht. „Que porra é essa?“, heißt „Was zum Teufel?“. Eigentlich ist die Übersetzung derber, aber das darf man ja nicht in eine Zeitung schreiben. Jedenfalls. „Que porra é essa?“, bekam ich beim Eröffnungsspiel der WM zwischen der brasilianischen Seleção und Kroatien ziemlich oft zu hören.
Ich guckte mit drei Brasilianern und einem Argentinier auf einem ausgebauten Dachboden. Es gab Dosenbier, Zigaretten aus Maispapier gerollt und Glückstrikots auf dem Tisch. Beim Spiel brüllten die Brasilianer auf dem Dachboden zum ersten Mal „Was zum Teufel?“, als Marcelo das Eigentor unterlief. Der Argentinier schwieg lieber. Argentinier bringen nämlich Pech, sagen sie hier. Weiter ging das leidenschaftliche Schimpfen bei jeder vergebenen brasilianischen Torchance, bei jedem Ballverlust und – ganz wichtig – jedes Mal, wenn Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff eingeblendet wurde, wie sie auf der Ehrentribüne neben Fifa-Boss Sepp Blatter saß – ebenfalls kein gern gesehener Zeitgenosse hier. Über die Fernsehlautsprecher ertönten die Schmähgesänge aus dem Stadion gegen „Dilma“, die man nun aber auf keinen Fall in eine Zeitung schreiben darf. Die Dachboden-Fraktion sang inbrünstig mit.
Als Fred den Elfmeter schindete, dachte ich, dass es nun jawohl erst einmal vorbei sein müsse mit der Schimpferei. Denkste! „Was zum Teufel macht der Fred da?“ „Peinlich für Brasilien“, rief einer aus meiner Runde. „So wollen wir nicht gewinnen.“ Kein Jubel, nix. Nur Kopfschütteln.
Der japanische Schiedsrichter, erzählten sie mir, habe bei der WM 2010 auch das Viertelfinale gegen die Niederlande gepfiffen. Damals habe er Brasilien ein Tor aberkannt und einen klaren Elfmeter verweigert. Klare Sache, sagte ich, und schlug den geschenkten Strafstoß als ausgleichende Gerechtigkeit vor: „Was zum Teufel?“, empörten sie sich und zeigten mir einen Vogel. „So etwas haben wir jawohl gar nicht nötig.“



