Handball

Vorhang auf zum großen WM-Casting

Nationalspieler der Füchse zeigen bei furiosem Sieg im Pokal-Viertelfinale, warum sie beim Saisonhöhepunkt im Januar dabei sein müssen.

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Es war den Spaghetti zu verdanken. Da war sich Paul Drux’ Freundin Linda sicher. Die Grundlage für den überzeugenden Auftritt des 23 Jahre alten Rückraumspielers der Füchse Berlin beim 37:35 (30:30, 14:17) nach Verlängerung am Dienstag gegen die Rhein-Neckar Löwen hatte sie mit ihrem Mittagessen gelegt. „Das werden wir später noch ausdiskutieren“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning und lachte.

Denn die Pasta-Posse war nur eine Fußnote im Drehbuch dieses Pokal-Krimis. Der Triumph gegen den Titelverteidiger, die Chance, im Frühling in Hamburg (6./7. April) um einen Titel mitzuspielen, hatte so viel mehr zu erzählen.

Trainer Petkovic findet die richtigen Worte

Über den Regisseur der Inszenierung zum Beispiel. Velimir Petkovic hatte in Manier eines exzentrischen Spielleiters an der Seitenlinie gestanden und versucht, sein Team ins Final Four zu dirigieren. Ausholende Gesten, verzerrte Mimik und klare Anweisungen: „Ich wollte nicht glauben, dass meine Jungs müde sind. Ich habe versucht, sie zu wecken“, sagte der Trainer des Berliner Handball-Bundesligisten. Das gelang dem 62-Jährigen auch – vor allem in der kurzen Pause vor der Verlängerung. „Er hat uns einfach nur gesagt: kämpfen, kämpfen, kämpfen, Jungs, kämpfen bis zum Umfallen“, sagte Drux.

Und dann fiel mit dem Anpfiff der Verlängerung die Klappe für ein zehnminütiges Bewerbungsvideo an Bundestrainer Christian Prokop. In den Hauptrollen: Drux, Fabian Wiede und Torhüter Silvio Heinevetter. Botschaft des Kurzfilms: Wir wollen zur WM. Das Trio degradierte den Titelverteidiger nur noch zum Statisten und führte die Berliner zum glücklichen Sieg.

Heinevetter reagiert auf Festsetzung der Nummer eins

„Das war für Paul ein ganz wichtiges Spiel in Richtung WM. Ich bin da, nehmt mich mit“, sagte Hanning. Denn Drux war lange nicht da, hatte nach einer Fuß-OP knapp zehn Wochen pausieren müssen und kämpft nun um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Januar (10. bis 27.), die für das deutsche Team mit der Gruppenphase in Berlin beginnt. Und diesen Druck nutzte Drux auf dem Feld, um sein Team ins Final Four zu führen und sich gleichzeitig eine gute Ausgangsposition in Prokops WM-Casting zu verschaffen.

Die haben Heinevetter und Wiede zwar schon, ihr Auftritt im Pokal-Viertelfinale unterstrich aber, warum sie beim Saisonhöhepunkt im Januar dabei sein sollten. Heinevetter (34) hatte erst am Sonntag die Nachricht einstecken müssen, dass sein Kieler Kollege Andreas Wolff bei der WM die Nummer eins im deutschen Tor sein wird. Seine Reaktion seitdem: Weltklasse-Paraden, die sein Team erst zum dritten Bundesliga-Sieg in Folge (26:23 gegen Leipzig) und am Dienstag ins Final Four führten. Aber auch dank seines Stellvertreters Fredrik Genz. Der 21-Jährige stand Mitte der zweiten Hälfte für Heinevetter zwischen den Pfosten. „Freddy kommt, hält wichtige Bälle und gibt mir Vertrauen zurück“, sagte Heinevetter. Wie sich die beiden Keeper am Dienstag ergänzten, lässt die Entscheidung, sich auf einen Torhüter als Nummer eins festzulegen, etwas fraglich erscheinen.

Auch Kiel und Hannover im Final Four in Hamburg

Ungewiss war auch, ob Wiede nach gleich zwei Verletzungen in dieser Saison passend zur WM seine Topform wiederfinden würde. Seine Kritiker ließ der 24-Jährige mit einem starken Auftritt in der Verlängerung verstummen, in der er sein Team mit einem kunstvoll abgefangenen Ball in Führung brachte. „Es ist unglaublich. Ich habe gar keine Worte dafür, was da heute passiert ist. Das ist saugeil!“, sagte Wiede, der jetzt auch den Titel nach Berlin holen will.

Die Chancen darauf stehen gar nicht mal so schlecht. Im Final Four warten neben Spitzenklub THW Kiel Hannover und der SC Magdeburg, der mit einem 40:27 (21:12) gegen Göppingen am Mittwoch das letzte Ticket löste. Abgesehen von Kiel allesamt Mannschaften, die sich in der Tabellenregion der Füchse tummeln. Der nächste Pokal-Krimi – inklusive Happy End – ist da nicht ausgeschlossen.