Bundesliga

Paul Drux kehrt zurück als Mode-Fuchs

Füchse-Spieler Paul Drux kehrt nach zehn Wochen gegen Ex-Klub Gummersbach zurück. In der Verletzungspause wurde er Unternehmer.

Foto: Felix Pöhland / sportwords

Berlin.  Paul Drux steht in einem schwarzen Kapuzenpullover am Rosenthaler Platz. Auf seiner Brust prangen eine kleine weiße Hand und ein Ball. Der Handball – die große Leidenschaft des Rückraumspielers der Füchse Berlin. Eine Leidenschaft, die der 23-Jährige in den vergangenen zehn Wochen nicht so ausleben konnte, wie er es gern tut. Auf dem Feld, mit seinen Teamkollegen, bei Spielen in der deutschen Handball-Republik.

Stattdessen musste Drux nach einer Fuß-OP aussetzen. Und hat diese zweieinhalb Monate Verletzungspause genutzt, um sich neben dem Sport ein weiteres Standbein aufzubauen. Denn dieser schwarze Kapuzenpulli, er ist so etwas wie ein Blick in die Zukunft. Eine Zukunft, in der Handball immer noch eine Rolle spielen wird. Aber auch eine Zukunft, in der Drux als Unternehmer arbeiten wird.

Gemeinsam mit seinem Berater Andre Tzschaschel und Fotograf Felix Pöhland hat Drux die Firma „Reulix“ gegründet. Das Unternehmen hat sich zur Aufgabe gemacht, Mode für den Sportler-Alltag zu entwerfen – abseits von Markenkleidung und plakativen Sprüchen. „Mich reizt es, mal über den Tellerrand hinauszuschauen, und ich kann damit auch viel Praxis für mein Studium sammeln“, sagt Drux, der Wirtschaftsinformatik studiert. „Ich finde es toll, etwas eigenes zu schaffen, das treibt mich an, und Unternehmer zu sein, ist eine tolle Herausforderung.“ Die erste Kollektion, wie soll es auch anders sein, dreht sich um den Handball. Sprungwürfe, Schlagwürfe, Siebenmeter und Co. – alles auf Kapuzenpullovern, T-Shirts und Accessoires, erhältlich im eigenen Onlineshop „Sportwords“.

Drux will sich im Dezember für die WM empfehlen

Die Gründung ist abgeschlossen, Werbefotos – wie das am Rosenthaler Platz – sind geschossen, die Verletzungspause überstanden. Zeit für Drux, den Fokus wieder auf den Sport zu richten. An diesem Donnerstag (19 Uhr, Sky) feiert der linke Rückraumspezialist sein Comeback mit dem Berliner Bundesligisten. Ausgerechnet bei seinem ehemaligen Klub, dem VfL Gummersbach.

„Schöner Zufall, dass ich dort wieder einsteige“, sagt der geborene Gummersbacher, der von 2007 bis 2011 für den Traditionsverein aus Nordrhein-Westfalen gespielt hat. „Ich freue mich immer, alte Gesichter zu sehen. Meine Familie wird da sein, aber für Berlin jubeln. Hoffe ich“, sagt Drux grinsend.

Trotzdem betrachtet er die aktuelle Situation in Gummersbach mit ein wenig Wehmut. Der VfL steht nach zwölf Niederlagen und nur drei Siegen auf dem 16. Platz. „Der Verein ist immer noch in meinem Herzen, auch wenn sie jetzt unser Gegner sind“, sagt Drux. „Ich hoffe, dass sie am Donnerstag nicht so gut sind, aber für den Rest der Saison dann schon.“

Die „Blueman Group“ wird immer kleiner

Dass die Partie in Gummersbach dennoch kein Spaziergang wird, weiß Füchse-Coach Velimir Petkovic. „Wenn Gummersbach in kritischen Phasen ist, brennt es da total. Das sind nie einfache Spiele“, sagt der Trainer des Tabellensechsten. Umso größer ist die Freude, dass mit Christoph Reißky und Wael Jallouz neben Drux noch zwei weitere Spieler aus dem Krankenstand zurückkehren. „Die drei sind jetzt nicht mehr hinter, sondern neben mir“, sagt Petkovic. Die Bank hinter der Bank, die verletzten Spieler in ihren edlen blauen Anzügen, scherzhaft schon die „Blueman Group“ genannt, sie schrumpft.

Drux wirkt erleichtert, dass er nicht mehr dazugehört, dass es für ihn endlich weitergeht. Mit seinem Comeback und seinem Traum von der WM im eigenen Land (10. bis 27. Januar 2019). Die OP, bei der freie Gelenkkörper im Sprunggelenk entfernt und Knorpel geglättet wurden, hat ihn zurückgeworfen. Aber nicht aus der Bahn. „Ich hatte schon einige Verletzungen, und da hat man sich vom Kopf her verändert, ist ein bisschen gelassener in manchen Situationen“, sagt Drux. Die Schmerzen sind weg. Das Tape am Fuß ist nur für den Kopf.

Deshalb sollten in Gummersbach „schon ein paar Minuten drin sein“, sagt er. Aber Drux weiß auch, dass man nach einer solchen Pause nicht zu viel von sich selbst erwarten sollte. Auch wenn die Nominierung für den vorläufigen WM-Kader am Montag ansteht. „Der Bundestrainer hat mir ganz klar signalisiert, ich soll mir so viel Zeit nehmen, wie ich brauche. Alles andere bringt überhaupt nichts, weder dem Verein, noch der Nationalmannschaft – und mir schon gar nicht“, sagt Drux. Er will sich in den kommenden Wochen das Vertrauen des Bundestrainers erspielen. Bei den Füchsen zu seiner alten Form zurückfinden. Drux hat nämlich auch für seine nahe Zukunft eine ganz genaue Vorstellung.

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