Zwei Monate ist es her, dass Paul Drux bei der Handball-Europameisterschaft vom Feld humpelte. Ein Meniskusriss im rechten Knie beendete den Auftritt des Rückraumspielers in Kroatien und verhinderte gleichzeitig seinen Einsatz bei den Füchsen Berlin in den vergangenen Wochen.
Schon im Pokal-Viertelfinale gegen den SC Magdeburg (29:30) hätte Füchse-Trainer Velimir Petkovic den 23-Jährigen gern wieder im Kader gehabt. Da trug Drux aber noch seinen schwarzen Anzug und nahm wie so oft in dieser Saison hinter der Bank Platz. An diesem Donnerstag gegen den Tabellenzwölften GWD Minden (19 Uhr, Schmeling-Halle) gibt Drux nun aller Voraussicht nach sein Comeback. „Das ist auch gut so“, sagt Petkovic. „Ich kann ohne ihn nicht mehr schlafen.“
Selten wurde ein Spieler so sehnsüchtig erwartet. Ohne ihn fehlt den Füchsen ein Spieler, der stark in Eins-gegen-eins-Situationen agiert und Lücken für Nebenspieler schaffen kann.
Ideengeber im Heimspiel gegen Minden
Durch den Abgang von Petar Nenadic wog sein Ausfall noch schwerer. Drux sollte den unberechenbaren Spielmacher ersetzen. Stattdessen musste Petkovic improvisieren. Mattias Zachrisson und Drago Vukovic bemühten sich nach Kräften, die Rolle auszufüllen, gegen Spitzenteams wie Flensburg oder den französischen Klub St. Raphael waren die Berliner aber nicht über 60 Minuten konkurrenzfähig.
Viele technische Fehler und eine mangelnde Absprache waren zuletzt häufiger zu beobachten. Es ist zu sehen, dass den starken Werfern ein Ideengeber fehlt, der die Spielzüge koordiniert. „Paul kommt ja bald wieder, er kann das lösen“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning kürzlich.
Nahezu jede Frage nach dem fragilen Rückraum wurde zuletzt mit dem Namen „Paul Drux“ beantwortet. Die Erwartungen sind hoch. „Ich mache mir schon Druck, ich will dem Team ja helfen“, sagt Drux.
Starke Präsenz auf dem Feld
Er war früh ein Anführer. Bereits in der Jugend schauten die Teamkollegen zu dem gebürtigen Gummersbacher auf, der mit 16 Jahren auf die Sportschule nach Berlin wechselte. Bei seinem ersten Einsatz im Trikot der Füchse-Profis 2012 zog der damals 17-Jährige sofort die Blicke auf sich. Er hat eine Präsenz auf dem Feld, die selbst unter Spitzenhandballern selten ist.
Bei den Olympischen Spielen 2016 gehörte er zu den besten Akteuren. Durch seine körperbetonte Spielweise, gepaart mit Schnelligkeit, ist er aber auch anfällig für Verletzungen. „Das ist schon aufreibender, als wenn ich nur werfen würde“, sagt Drux.
Im Juli 2015 riss das Labrum in seiner rechten Schulter. Es folgten eine Operation und eine lange Rehabilitation, in deren Folge er die vergoldete EM 2016 mit der Nationalmannschaft verpasste. Im Januar 2017 verletzte Drux sich bei der WM am rechten Knöchel, im Juni darauf zog er sich beim letzten Ligaspieltag mit den Füchsen einen Meniskusriss im rechten Knie zu. Wieder folgte eine Operation. Kurz nach seiner Rückkehr ins Team, im Oktober 2017, zwang ihn ein Pferdekuss mit tiefer Einblutung im rechten Oberschenkel zu einer erneuten Pause. Im Januar 2018 folgte der Meniskusriss im rechten Knie bei der EM.
Nur in 19 von 37 Spielen dabei
„Es ist schon einiges passiert. So sollte es auf jeden Fall nicht weitergehen“, sagt Drux. In dieser Saison konnte er erst an 19 von 37 Spielen der Füchse eingesetzt werden. „Die meisten Verletzungen sind durch Fouls entstanden, das ist Berufsrisiko“, sagt er.
Und auch wenn Petkovic zugibt, dass er sich einen schnelleren Heilungsprozess gewünscht hätte, steht die Gesundheit von Drux klar im Vordergrund. Schließlich ist er ja mit seinem bis 2022 laufenden Vertrag eine langfristige Kapitalanlage der Füchse.
Erst ein erneutes MRT am vergangenen Montag brachte die Freigabe zum Spielen. Das erste Training seines Schützlings nach acht Wochen Pause stimmte Petkovic froh: „Er hat all das gemacht, was ich mir schon die ganze Zeit gewünscht habe“, schwärmt der Trainer.
Noch ist die Tabellenspitze in Reichweite
Das Team braucht Paul Drux. Die Frage ist allerdings auch, wie schnell er tatsächlich helfen kann. Drux ist Realist. „Es ist vermessen zu glauben, wenn ich zurück bin, wird gleich alles besser“, sagt er. Die Füchse brauchen aber dringend einen Regisseur, der einem Stipe Mandalinic zu der Torgefahr verhilft, die er verströmte, bevor Hanning ihn von Zagreb nach Berlin holte.
Auch Steffen Fäth und Marko Kopljar sind auf einen wendigen Spielmacher angewiesen, der sie über geschickte Laufwege in Szene setzt. „Ich denke, dass ich durch meine Schnelligkeit Lücken reißen und unseren Schützen dadurch helfen kann“, sagt Drux. In der Liga stehen die Füchse nur vier Punkte hinter Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen auf Rang drei, auch im Europapokal ist noch alles möglich. Mit Drux wollen sie wieder ganz vorn mitspielen.





