Wenn die Füchse Berlin auf die SG Flensburg-Handewitt treffen, ist es durchaus angebracht, eine Packung Baldrian-Tropfen mit in die Halle zu nehmen. In vier der vergangenen sechs Begegnungen lagen Sieg und Niederlage kaum mehr als ein Tor auseinander. In dieser Saison konnten die Füchse ihre Gegner aus dem hohen Norden in deren Halle aus dem Pokalwettbewerb werfen, verloren dafür aber in eigener Halle. An diesem Donnerstag geht es im direkten Duell in Flensburg um Rang zwei in der Bundesliga (19 Uhr, Sky). „Das wird eine ganz heiße Begegnung“, sagt Füchse-Trainer Velimir Petkovic.
Seit zehn Jahren in Flensburg unter Vertrag
Starke Nerven sind gefragt. Flensburgs Rechtsaußen Lasse Svan (34) ist ein Mann, der für diese Eigenschaft bekannt ist. Schön häufig war der Däne der spielentscheidende Mann, weil er in brisanten Situationen die Ruhe bewahrt. „Viele Menschen kennen sich und ihre Reaktionen in Extremsituationen sehr schlecht. Ich kenne mich ganz gut, das ist meine Stärke“, sagt Svan.
Seit zehn Jahren steht der dänische Nationalspieler in Flensburg unter Vertrag. Am Donnerstag bestreitet er sein 20. Ligaspiel gegen die Füchse. Doch es ist nicht nur die Routine, die dem Olympiasieger von 2016 so eine Souveränität erlaubt: Als Svan noch bei GOG Svendborg in Dänemark spielte, war er sehr schüchtern. „Ich hatte immer Angst, etwas Falsches zu sagen oder etwas Dummes“, erzählt er. Also sagte er lieber gar nichts. Dann kam ein Mentaltrainer zum Verein, der mit einigen Spielern arbeiten wollte. „Dadurch habe ich viel über mich selbst gelernt und mich unglaublich entwickelt“, erzählt Svan. „Jetzt bin ich viel selbstbewusster, kann mich regulieren und weiß, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen.“
Fehler machen auch die besten Spieler
Gerade bei engen Spielen wie zwischen Spitzenteams gehören Fehler einfach dazu, vor allem, wenn man so wie Lasse Svan viel Verantwortung trägt. „Wenn du Selbstvertrauen hast, brauchst du nicht nachzudenken. Dann kommt alles von selbst“, erklärt er. „Wenn es aber nicht gut läuft, kommt der Kopf dazu, und die eigenen Gedanken können alles viel schlimmer machen, als es eigentlich ist.“ Auch heute passiert es ihm manchmal noch, dass er in einem Spiel in ein Tief rutscht. „Aber es dauert längst nicht mehr so lange wie damals, da wieder herauszukommen“, erklärt er.
Im Pokalspiel gegen Berlin hatte sein ganzes Team in der zweiten Hälfte so ein Tief. „Das hat nicht länger gedauert als drei, vier Minuten, aber das hat uns drei Tore gekostet, und danach konnten wir das nicht mehr aufholen“, erinnert sich Svan. Auch die Füchse kennen diese Momente, in denen nichts zusammenläuft. Gegen Gummersbach dauerte diese Phase sogar 30 Minuten. „Nicht in jeden Spiel schafft man es, sich in der Halbzeitpause umzustellen und das Spiel noch zu gewinnen“, sagt Petkovic.
Das Mentale wird nicht ernst genug genommen
Lasse Svan versteht nicht, dass immer noch so wenige Klubs mit Mentaltrainern arbeiten. „Wir nutzen viel Geld für Trainingsanlagen und das optimale Krafttraining, aber der Kopf wird ein bisschen vergessen“, findet er. Inzwischen hat Svan selbst eine zweijährige Ausbildung zum Mentaltrainer absolviert. Derzeit betreut er zwei Klienten im Leistungssport. „Ich hoffe, dass ich nach meiner Handballkarriere einer der besten Mentaltrainer werden kann“, wünscht er sich. Jetzt aber will er seinem Team erst einmal als der beste Handballspieler helfen, der er sein kann – auch dank seiner Zusatzqualifikation.


