Füchse Berlin

Achtung: Gangsterboss Jabba sitzt in Block C

Morgenpost-Serie über Berlins ungewöhnlichste Fans: Markus Reschke trommelt in der Schmeling-Halle für die Handball-Füchse.

Markus Reschke, Busfahrer und Handball-Fan

Markus Reschke, Busfahrer und Handball-Fan

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Für die Spreefüxxe gibt Markus Reschke Vollgas. Immer natürlich im Einklang mit der Straßenverkehrsordnung. Der 40-Jährige aus Wedding ist nicht bloß einer der größten Fans der Füchse-Frauen, sondern gleichzeitig auch Busfahrer der Handballerinnen.

Ob Leverkusen, Leipzig oder Buxtehude – Reschke bringt die Spreefüxxe seit fünf Jahren sicher ans Ziel. Näher kann man seinem Lieblingsteam als Fan gar nicht sein: „Ich kann jedes Auswärtsspiel der Mannschaft sehen, das ist doch toll.“

Umso mehr hat ihn die Ankündigung des Vereins geschockt, für die kommende Saison keine neue Lizenz zu beantragen und sich aus der Handball-Bundesliga zurückzuziehen. Als Grund gaben die Füchse unter anderem fehlende Sponsorengelder und den Abgang von insgesamt neun Spielerinnen an, die man unter diesen Umständen nicht ersetzen könne.

„Es war bekannt, dass die Spreefüxxe finanziell nicht gerade auf großem Fuß leben. Aber dass es um das Team so schlimm bestellt ist, habe auch ich nicht gewusst“, sagt Reschke, dessen Herz aber doppelt für die Füchse schlägt, denn er ist auch bei den Männern im Fanklub „Füchsepower“ sehr aktiv.

Von Anfang an dabei

2006 war er einer der Mitbegründer der Gruppe, die jetzt bei den Heimspielen in der Max-Schmeling-Halle in Block C für Stimmung sorgt. Damals spielten die Füchse noch im Horst-Korber-Zentrum, zu den Heimspielen kamen vorwiegend Freunde und Familien der Spieler.

„Wir waren die paar Verrückten, die Stimmung gemacht haben“, erinnert sich Reschke, den bei den Füchsen alle bloß Jabba nennen – nach dem beleibten Gangsterboss aus der alten „Star Wars“-Trilogie. „Wenn du in der Halle nach Markus fragst, zucken alle nur mit den Schultern. Frag nach Jabba – und jeder weiß, wer gemeint ist.“

Mittlerweile besteht der Fanklub seit zehn Jahren. Das Jubiläum wird am Pfingstmontag mit einem großen Fest auf dem Füchse-Vereinsgelände begangen, zu dem auch einige Spieler der Männer- und Frauenmannschaft kommen sollen. Bei Bier und Bratwurst wollen die Füchse-Anhänger die Höhepunkte der vergangenen Dekade noch einmal Revue passieren lassen.

Den Meistertitel in der Zweiten Liga 2007 mit dem Aufstiegsspiel in der Schmeling-Halle, zu dem der Fanklub geschlossen mit gelben Bauhelmen erschien, zu Ehren von Geschäftsfüher Bob, dem „Baumeister“ Hanning, dem Architekten des Erfolgs. Die erstmalige Qualifikation für die Champions League 2011 und die Auswärtsfahrten nach Moskau, Zagreb und Chambéry. Den Triumph im DHB-Pokal 2014 und den Europapokalsieg 2015.

Reschke war selbst Handballer

Viele dieser Ereignisse hat Reschke hautnah in der Halle miterlebt, aber längst nicht alle. „Im vergangenen Jahr habe ich wahrscheinlich sogar mehr Spiele von den Frauen gesehen als von den Männern“, sagt er. „Die Termine passten einfach besser.“ Den Spielplan in der Männer-Bundesliga hält der 40-Jährige hingegen für verbesserungswürdig: „Derbys sollten zum Beispiel nicht am Sonntagnachmittag stattfinden, damit man anschließend noch gemeinsam feiern gehen kann“, meint er.

Bis vor drei Jahren hat Reschke noch selbst Handball gespielt. „Ich komme aus einer Handballfamilie“, erzählt er. Schon im Alter von fünf Jahren machte er erste Bekanntschaft mit dem Ball. Seine Mutter und seine Schwester waren ebenfalls aktiv, sein Vater war Schiedsrichter beim BTSV 1850.

Zwar interessierte sich Reschke später zeitweise mehr für Eishockey, doch die Liebe zum Handballsport währte weiter. Nach einer verlorenen Wette startete er vor zehn Jahren eine zweite Karriere als Kreisläufer bei den 3. Männern der Füchse Berlin.

Hoffen auf Europa

Reschke hofft, dass die Spreefüxxe trotz des bevorstehenden Rückzugs aus der Bundesliga in dieser Saison noch ihr großes Ziel eines einstelligen Tabellenplatzes erreichen. Bei den Männern hofft er auf einen Platz unter den ersten Fünf und die damit verbundene erneute Qualifikation für den Europapokal.

Die Entscheidung des Klubs, weiterhin in der Max-Schmeling-Halle anzutreten und nicht in die größere Mercedes-Benz-Arena umzuziehen, begrüßt Resche: „Dadurch würde die ganze Stimmung flöten gehen. Dort kannst du trommeln, so viel du willst, es bringt nichts. Die Halle ist mir zu unpersönlich, die Fans sind nicht nah genug an den Spielern dran.“