Handball

Hans Lindberg: „Ich hoffe, in Berlin Meister zu werden“

Hans Lindberg gilt als weltbester Rechtsaußen. Am Sonntag spielt der Däne erstmals für die Füchse. Ein Interview.

Foto: dpa Picture-Alliance / Sport Moments/Reps / picture alliance / Sport Moments

Berlin.  Nach sieben Wochen Pause starten die Füchse an diesem Sonntag gegen MT Melsungen (17.15 Uhr, Schmeling-Halle) in die zweite Saisonhälfte. Dabei feiert Rechtsaußen Hans Lindberg (34) seine Premiere im Trikot des Berliner Bundesligisten.

Der Däne war in der EM-Pause vom insolventen HSV Handball nach Berlin gewechselt, unterschrieb einen Vertrag bis 2019. Neun Jahre hatte Lindberg bei den Hamburgern gespielt und dort 2013 die Champions League gewonnen.

Berliner Morgenpost : Herr Lindberg, wie schwer ist es, sich mitten in der Saison in eine neue Mannschaft reinzufinden?

Hans Lindberg: Das ist eine große Herausforderung, ich muss binnen kürzester Zeit den Trainer und seine Philosophie sowie meine neuen Mitspieler kennenlernen. Als Außen ist es aber leichter, sich in eine Mannschaft zu integrieren, weil man ja überall die gleiche Rolle hat. Wichtig ist, die Laufwege zu kennen, dann geht es ganz schnell.

Sie hatten mehrere Angebote. Warum haben Sie sich für die Füchse entschieden?

Für mich war es wichtig, in der Bundesliga zu bleiben. Ich habe mich daran gewöhnt, vor mindestens 4000 Fans zu spielen, die Stimmung in den deutschen Hallen ist einmalig. Berlin war für mich als erste Adresse gesetzt, denn die Füchse sind eine Topmannschaft, die schon Titel geholt hat. Der Erfolg ist hier zu Hause. Das passt gut, denn ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ, will immer gewinnen. Ich habe auch mehrere Leute gefragt, die mir alle bestätigt haben, dass hier sehr gute Arbeit geleistet und seriös gewirtschaftet wird. In Berlin stimmt das Gesamtpaket, und ich hoffe, dass wir auch mal Deutscher Meister werden können.

Stichwort Ehrgeiz. Sie haben bislang mit 144 Treffern die zweitmeisten Tore der Bundesligasaison erzielt. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning sagte unlängst, Sie seien der beste Rechtsaußen der Welt. Viel mehr geht nicht.

Die Aussage von Bob Hanning ehrt mich sehr, aufgrund meiner Qualität hat er mich auch nach Berlin geholt. Natürlich bin ich ein Torjäger und werde an der Anzahl meiner Treffer gemessen. Aber meine bisherigen 144 Saisontore sind auch Vergangenheit, ebenso die neun Jahre beim HSV. Ich war zweimal schon Torschützenkönig der Liga, aber das bedeutet mir nicht so viel. Ich bin da auch sehr abhängig von den Anspielen meiner Teamkollegen. Alles was ich mache, ist ein Erfolg für die Mannschaft. Dass ich in einem Spiel viele Tore mache ist nur gut, wenn wir das Spiel auch gewinnen. Fakt ist doch: Wenn du keine Leistung bringst, sitzt du auf der Bank und bekommst keinen neuen Vertrag, dann bist du raus.

Zurzeit wohnen Sie mit Ihrer Frau Jeanette (30) und ihrem Sohn Aron August noch im Hotel. Land oder Stadt, was sind Sie für ein Typ?

Von beidem etwas. In Hamburg habe ich neben Pascal Hens (linker Rückraumspieler des insolventen HSV Handball/d.Red.) und seiner Familie in Niendorf nahe des Flughafens gewohnt. In den vergangenen Tagen bin ich mit meiner Frau in Berlin schon viel umhergefahren, um ein Gefühl für die verschiedenen Bezirke zu bekommen. Wir suchen etwas, wo ein bisschen Grün drumherum ist, damit wir mit unserer Dogge Noah spazieren gehen können. Aber wir finden auch den Prenzlauer Berg mit seinen vielen Geschäften und Cafés sehr attraktiv. Charlottenburg hat uns ebenfalls gut gefallen. Wir müssen einfach eine gute Mischung finden, die für uns passt.

Sie haben eine Dogge?

Ja, die ist aber nicht so riesig groß und hat außerdem einen ganz lieben Charakter. Schon mit acht Jahren hatte ich eine Dogge, möchte auf sie nicht mehr verzichten. Sie braucht nicht so viel zu laufen, ist ganz ruhig, bellt nicht so viel und ist vor allem auch kinderlieb. Das ist natürlich gut, weil unser Sohn sechs Monate alt ist.

Ihr Frau Jeanette hat früher als Model gearbeitet. Und jetzt?

Die Model-Zeiten sind vorbei, jetzt studiert sie Jura an der Fernuniversität. Das dauert ein bisschen länger, aber sie benötigt nur noch eine Prüfung, dann hat sie den Bachelor-Abschluss.

„Ich habe Spaß an Mode“

Nicht nur Ihre Frau hat ein Händchen für Mode, Sie achten ebenfalls stets auf das richtige Outfit.

Stimmt, ich habe Spaß an Mode, bin jetzt aber nicht der Freak. Ich war in Kopenhagen auch schon mal mit meiner Frau bei der Fashion Week. Ich habe meinen eigenen Stil, er ist in der letzten Zeit ein bisschen rockiger geworden. Zu meiner Hochzeit hatte ich Sneakers mit Glitzersteinen von Star-Designer Christian Louboutin an. Aber manchmal trage ich auch ein schlichtes Hemd, je nachdem. Ich muss mich darin einfach wohlfühlen.

Der Wechsel nach Berlin kam durch den Rückzug des insolventen HSV Handball zustande. Wie groß ist die Enttäuschung über den Untergang des Nordklubs?

Der Schock ist weg, aber ich bin immer noch sehr traurig, dass es dazu gekommen ist. Immerhin habe ich neun Jahre in Hamburg gespielt. Als das Aus bekannt wurde, war ich stinksauer und fassungslos. Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt. Das war ein Schlag ins Gesicht. Wir hatten ja das Gefühl, dass nach zwei Jahren Unruhe endlich wieder gut gearbeitet wird und wir sportlich auf dem richtigen Weg sind. Und dann das. Ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm kommt.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mein Gehalt nachgezahlt bekomme“

Sie haben mehrere Monate lang kein Gehalt bekommen. Gibt es noch Chancen, dass Sie das Geld erhalten?

Von wem soll ich das Geld denn bitte bekommen (lacht)? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in Kürze die vier Monate nachbezahlt bekomme. Insofern habe ich das Geld quasi abgeschrieben.

Ihr letzter Auftritt in der Schmeling-Halle am 1. April 2015 endete mit großen Schmerzen im Krankenhaus, nachdem sie mit Füchse-Torwart Silvio Heinevetter zusammengeprallt waren. Ist Ihre schwere Nierenverletzung gut verheilt?

Es ist okay, aber ich merke die Niere immer noch. Ich bin lange genug im Leistungssport, dass ich meinen Körper gut kenne und daher weiß, was ich tun muss, damit ich gut klarkomme. Ich bin dankbar, dass mir die Ärzte der Charité meine Niere gerettet haben.

Apropos Körperbewusstsein. Was bedeutet das Tattoo mit dem großen Löwenkopf auf ihrer linken Brust?

Ich bin nicht der Typ, der sagt, dass jedes Tattoo etwas bedeuten muss. Beim Löwen hat mir einfach das Motiv gefallen. Auf meinem Rücken habe ich zudem einen Lebensbaum. Das ist ein Zeichen von Familie, die ich ja mit meiner Frau und meinem Sohn jetzt habe. Aber das Tattoo auf der Brust hat deutlich mehr wehgetan.