Rückrundenstart

Füchse-Profi Wiede ist auf der Überholspur

Mit dem Schwung des EM-Triumphs startet Fabian Wiede mit den Füchsen in die Rückrunde. Paul Drux kehrt nach langer Pause zurück.

Wieder vereint: Fabian Wiede (l.) und Paul Drux

Wieder vereint: Fabian Wiede (l.) und Paul Drux

Foto: imago/Camera 4

Berlin.  Die vergangenen zwei Wochen müssen Fabian Wiede vorgekommen sein, als sei neben dem linken Fahrstreifen auf der Autobahn extra für ihn eine zusätzliche Überholspur eingerichtet worden. Mit 21 Jahren gewann er die Handball-Europameisterschaft in Polen, wurde dann von Sportlerball zum „Aktuellen Sportstudio“ im ZDF gereicht, schaute Australien-Open-Gewinnerin Angelique Kerber beim Fed Cup in Leipzig zu und begann ganz nebenbei eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse.

Auto geknackt

„Man merkt schon, wie das Interesse zunimmt, und es war auch viel, aber es ist es ja schön, dass wir den Handball bei den diversen Veranstaltungen repräsentieren können“, sagt Wiede. Am Donnerstag ist der Füchse-Spieler allerdings unsanft in der Realität angekommen, nach dem Training fand er sein Auto aufgebrochen vor und hat jetzt wieder einige Termine zu koordinieren – vom Werkstattbesuch bis zur Wiederherstellung seiner Daten, denn auch sein Laptop wurde aus dem Auto gestohlen. „Das ist natürlich Mist“, sagt Wiede.

Am Freitagvormittag war er aber schon wieder bei seiner Ausbildungsstätte und anschließend im Sportforum Hohenschönhausen zur Videoanalyse der MT Melsungen. Das Heimspiel am Sonntag gegen seinen Nationalteamkollegen und ehemaligen Mannschaftskameraden Johannes Sellin (17.15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) ist für Wiede so etwas wie der Beginn einer vertrauten Routine. Die Partie gegen den Tabellenvierten, der in dieser Saison bereits die Rhein-Neckar Löwen besiegen konnte, wird eine Herausforderung für die Füchse, gleichzeitig bedeutet der Start der Bundesliga-Rückrunde für Wiede aber auch, dass sein Alltag wieder geordnete Strukturen erlangt. „Ich freue mich schon, jetzt wieder mit den ganzen Kollegen hier in Berlin zu arbeiten, jetzt weiß man wieder, was auf einen zukommt“, sagt Wiede.

Schulterverletzung stoppte Drux

Ähnliches gilt für Paul Drux, auch wenn dessen Leben in den vergangenen Wochen eher gegenläufig zu dem von Wiede verlief. Wegen seiner Schulterverletzung, die Drux sich im Juli 2015 bei der Saisonvorbereitung zugezogen hatte, musste der talentierte Rückraumspieler sieben Monate pausieren. Sein großes Ziel war es, zur EM wieder fit zu sein, doch die kam für ihn zu früh. Drux blieb nur die Zuschauerrolle. „Da war natürlich auch ein bisschen Wehmut dabei“, sagte er. Mehr überwiege aber die Freude für die Mannschaft, die diesen historischen Erfolg errungen hat.

„Vor allem für Fabi freue ich mich, weil er immer besser ins Turnier reingekommen ist“, sagt Drux. Am Sonntag können die beiden Athleten, die schon seit der B-Jugend zusammenspielen, zum ersten Mal wieder gemeinsam auf dem Parkett agieren. „Für die Mannschaft ist es sehr wichtig, dass Paul zurück ist, weil er einfach ein richtig guter Spieler ist“, sagt Wiede. „Ich persönlich freue mich aber auch total, weil wir uns so gut verstehen und unsere Laufwege perfekt kennen.“

Zwei Trainingsspiele hat Drux schon absolviert, eine gewisse Unsicherheit spüre er noch, sagt er. Die bezieht er einerseits auf die Schulter, da der Kopf das Vertrauen in den Wurfarm wieder erlangen muss, aber auch auf das Zusammenspiel mit seinen Teamkollegen. „Man muss sich erstmal wiederfinden, wenn man sieben Monate nicht mit den Leuten gespielt hat“, sagt er. Besonders auf der Position von Drux, die vom linken zum mittleren Rückraum variiert, sind die Abstimmungen essentiell. Das hat Füchse-Trainer Erlingur Richardsson auch gemeint, als er am Donnerstag von zwei neuen Spielern sprach. Vom insolventen HSV Handball wechselte in der EM-Pause Rechtsaußen Hans Lindberg nach Berlin. „Als Außen ist es einfacher, neu in ein Team zu kommen“, sagt Lindberg. „Wir stehen ja nur in unserer Ecke und warten auf den Ball.“

Fünf erfolgreiche EM-Teilnehmer

Ein bisschen mehr wird der dänische Nationalspieler schon tun, auch wenn der Trainer noch nicht entschieden hat, ob er mit seiner Quote von 84 Prozent zukünftig die Siebenmeter werfen wird. Bei den Füchsen ist man vor allem froh, zum ersten Mal in dieser Saison einen vollständigen Kader vorweisen zu können.

Mit Jakov Gojun, der mit Kroatien Bronze gewann, Kent Robin Tönnesen, der Norwegen zum starken vierten Platz verhalf, Mattias Zachrisson und Jesper Nielsen, die sich mit Schweden die Teilnahme am Olympia-Qualifikationsturnier erspielten und natürlich Fabian Wiede sind fünf Spieler mit großen Erfolgen von der EM in Polen zurückgekehrt. „Sie haben alle super gespielt, das stärkt das Selbstvertrauen“, sagte Richardsson. Für Wiede ist es ein guter Zeitpunkt, sich wieder auf die Überholspur zu begeben, die MT Melsungen rangiert derzeit einen Platz vor den Füchsen Berlin.