Olympia-Serie

Paul Drux darf nie das Lächeln verlieren

Handballer Paul Drux steht eine große Zukunft bevor. Der Rückraumspieler von den Füchsen Berlin muss aber zunächst wieder fit werden.

Kommt bisher nur im Kraftraum zum Zug: Paul Drux

Kommt bisher nur im Kraftraum zum Zug: Paul Drux

Foto: Krauthoefer

Berlin.  Den rechten Mundwinkel zieht er hoch, den Kopf legt er ein bisschen schief, dann folgt ein kurzes Augenzwinkern. So funktioniert das typische Lächeln von Paul Drux.

Man sieht es, wenn er nach dem Spiel Autogramme gibt oder seine Mannschaftskameraden in der Trainingshalle begrüßt, es ziert aber auch unzählige Werbeplakate, denn der 20-jährige Handball-Nationalspieler hat sich nicht nur zum neuen Gesicht der Füchse, sondern auch zum Hoffnungsträger des deutschen Handballs entwickelt.

Momentan fällt dem 1,92 Meter großen Rückraumspieler dieses Lächeln nicht so leicht. Er erlebt gerade die bislang schwierigste Phase seiner Karriere. Beim Trainingsauftakt der Füchse Berlin am Montag absolvierte er mit dem Team den Laufbandtest. Bis er sich aber wie die anderen mit dem kleinen runden Ball austoben darf, muss Drux noch eine Weile in der Kraftkammer schuften.

Im Sommer hat er sich während eines Vorbereitungsspiels einen Riss der Knorpellippe am rechten Schulterblatt zugezogen und wurde operiert. „Das kam sehr unerwartet für mich, ich war gerade in einer richtig guten körperlichen Verfassung“, sagt er. Seit sechs Monaten arbeitet er nun täglich mehrere Stunden für die Wiederherstellung seines Wurfarms.

Seit Ende 2014 Teil der deutschen Nationalmannschaft

Der schnelle Arm war das Kapital des talentierten Rückraumspielers. In Kombination mit seiner Spielübersicht und Abwehrqualität verhalf er ihm in den vergangenen Jahren zu einem rasanten Aufstieg. Mit der A-Jugendmannschaft der Füchse feierte Drux dreimal die deutsche Junioren-Meisterschaft und holte mit der U18-Nationalmannschaft den EM-Titel.

Nach seinem Profi-Debüt in Bundesliga und Champions League im Jahr 2012 folgten die Gewinne des DHB-Pokals und Europa-Cups. Ende 2014 machte er sein erstes Spiel für die deutsche Nationalmannschaft und durfte dann mit zur Weltmeisterschaft nach Katar fliegen, bei der er mit der deutschen Auswahl den siebten Platz belegte.

Drux hat sich in der A-Nationalmannschaft seinen Platz erspielt, das nützt ihm aber nichts, denn die Europameisterschaft in Polen, die am Freitag beginnt, kommt für den Athleten zu früh. „Klar hofft man immer, dass man doch noch spielen kann“, sagt er.

Als die Mannschaft einen Teil der Vorbereitung in Berlin absolvierte, war Drux als Zuschauer dabei, um ein bisschen das Gefühl zu haben, dazuzugehören. „Ich merke ja selber, wie die Zeit vergeht, und irgendwann muss man mal einsehen, dass ich die EM verpasse.“

Bruder Luis musste Laufbahn wegen Verletzung beenden

Seine Umgebung habe ihn bremsen müssen, gibt Drux zu. In Marienheide aufgewachsen, hat er von seinen Eltern gelernt, niemals aufzugeben. Von seinen Großeltern bis zu den Geschwistern ist die Familie Drux mit Handballern gespickt, die Nähe zur Handballhochburg Gummersbach tat ihr Übriges.

Vater Mathias verrät: „Ich hab ihm gesagt, mach’ mal langsam. Du kannst noch genug Welt- und Europameisterschaften spielen, wenn du das ordentlich auskurierst. Sonst kannst du vielleicht gar nicht mehr spielen.“

So wie sein zwei Jahre jüngerer Bruder Luis, der seine Laufbahn als Handballer wegen Rückenproblemen schon beenden musste. Luis Drux war ebenfalls auf dem Sportinternat in Berlin. Die Brüder haben Tür an Tür gewohnt und von der großen Karriere geträumt. „Die Gefahr habe ich immer gekannt, ich weiß, dass es von heute auf morgen vorbei sein kann“, sagt Paul Drux.

Sprachunterricht für isländischen Teamkameraden

Zumindest nutzt er die Zeit der Verletzung sinnvoll und büffelt jeden Tag in der Beuth-Hochschule für sein BWL-Studium: „So oft wie in den letzten vier Monaten war ich noch nie da.“ Nebenbei gab er seinem Teamkameraden Mattias Zachrisson Sprachunterricht. Der holte sich im gleichen Spiel die gleiche Verletzung.

„Wir haben jeden Tag in der Reha zusammen verbracht, dank Paul spreche ich jetzt richtig gut Deutsch“, sagt Zachrisson. Dem Schweden fällt das Lachen leicht, er konnte schon wieder ins Handball-Training einsteigen. Seitdem muss Drux allein üben. „Manchmal bin ich auch ein bisschen demotiviert, aber es bringt ja auch nichts, morgens liegenzubleiben“, sagt er.

Was ihn dann motiviert, ist der Gedanke an die Olympischen Spiele, an denen er unbedingt teilnehmen möchte. „Dann stelle ich mir vor, wie das wäre, im Olympischen Dorf zu sein“, sagt Drux: „Überragend.“

Dazu muss die deutsche Auswahl sich aber erst einmal qualifizieren, entweder bei der EM oder beim für den 7.-10. April angesetzten Qualifikationsturnier. Vielleicht kann Drux da schon wieder helfen. Bis es so weit ist, muss er aber noch ein bisschen am Seilzug arbeiten. Er tut das mit seinem typischen Lächeln, auch wenn es schwer fällt.