Handball

Den Füchsen droht das schnelle Aus im EHF-Pokal

Der Titelverteidiger kommt im Hinspiel gegen die Franzosen aus Chambéry nur zu einem Remis. Jetzt müssen die Füchse Sonnabend gewinnen.

Hier kann sich Petar Nenadic (Mitte) von den Füchsen gegen seinen französischen Gegenspieler durchsetzen. Nenadic kam auf insgesamt zwölf Tore

Hier kann sich Petar Nenadic (Mitte) von den Füchsen gegen seinen französischen Gegenspieler durchsetzen. Nenadic kam auf insgesamt zwölf Tore

Foto: imago sportfotodienst / imago/Contrast

Berlin.  Drei Handballer der Füchse Berlin stürzten sich auf Timothy N’Guessan, schoben ihn zurück, bloß weg von dem Ball, der gerade durch die Luft flog. Sie wollten um jeden Preis verhindern, dass der Rückraumspieler von Chambéry Savoie noch einmal zum Wurf kam und möglicherweise seinen elften Treffer im Tor der Füchse versenkte.

Das Unterfangen gelang. So retteten die Füchse Berlin im Spiel um die Qualifikation für die Gruppenphase des EHF-Pokals zumindest das Unentschieden. 31:31 (16:15) lautet das Ergebnis, das die Berliner nun mit nach Frankreich nehmen, wo sie am kommenden Sonnabend erneut gegen Chambéry spielen. Freude über dieses Remis verspürte aber niemand, denn in der abwechslungsreichen Partie wäre wesentlich mehr für die Füchse drin gewesen. „Es ärgert mich, dass wir zweimal die Führung aus der Hand gegeben haben. Alles, was wir uns erarbeitet haben, haben wir dann wieder zerstört“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Vor 2000 Zuschauern in der ungewohnten Heimspielstätte im Sportforum Hohenschönhausen hatten die Berliner stark begonnen. Nachdem Füchse-Trainer Erlingur Richardsson sich vor der Partie kritisch über die Abwehrleistung geäußert hatte, ließ sein Team in der ersten Viertelstunde lediglich drei Treffer der Gäste aus Frankreich zu. Der nach seiner Gehirnerschütterung zum ersten Mal wieder auflaufende Jesper Nielsen stellte zusammen mit Jakov Gojun einen kaum zu überwindenden Mittelblock, dahinter hielt Torhüter Petr Stochl wie schon in den vergangenen Partien souverän.

In der Anfangsphase steht die Abwehr sehr gut

Durch die gute Abwehrleistung kamen die Berliner vorne zu einfachen Abschlüssen und konnten sich einen Vorsprung von vier Toren erarbeiten (7:3). Dann aber fingen sich die Spieler von Chambéry, erzielten einfache Tore aus dem Rückraum und konnten dank drei vergebener Chancen der Füchse wegen Schusseligkeiten und technischer Fehler zum ersten Mal ausgleichen (15:15).

Die zweite Hälfte verlief zunächst umgekehrt. Da verhedderten sich die Füchse zu Beginn ein ums andere Mal in der offensiven Deckung von Chambéry, so dass die in der 41. Minute erstmals mit 22:21 Toren in Führung gingen. Auch Stochl konnte nicht mehr helfen, für ihn kam Silvio Heinevetter, der zunächst daneben griff, dann aber immer stärker wurde. 30:26 führten die Füchse sechs Minuten vor Spielende, doch dann spielten sie nur noch Timothy N’Guessan in die Hände, der innerhalb von fünf Minuten drei Tore warf.

Ein Vier-Tore-Vorsprung reicht nicht zum Sieg

Egal ob Peter Nenadic (12 Tore), Fabian Wiede (5) oder Kent Robin Tönnesen (4), einer nach dem anderen schien die Nerven zu verlieren, suchte zu schnell den Abschluss und legte damit erst den Grundstein für die Gegenstöße. „Wenn man so kurz vor Schluss mit vier Toren führt, muss man das nutzen“, ärgerte sich Tönnesen. Auch Wiede verließ wütend das Feld: „Wir hätten viel cleverer spielen müssen.“

Zumindest die Ausgangslage ist nun einfach: Das Rückspiel in Frankreich müssen die Füchse unbedingt gewinnen, um die Chancen auf die Titelverteidigung im EHF-Cup aufrecht zu erhalten. Spielen sie erneut unentschieden, greift die Regelung, dass Auswärtstore mehr zählen, und da wird es schwer, an die 31 Treffer von Chambéry heranzukommen. „Vielleicht ist es auch gut, zu wissen, dass wir gewinnen müssen“, sagte Erlingur Richardsson.