Kampf um Handball-Krone

Für die Füchse startet Titelverteidigung mit Hindernissen

Die Füchse empfangen im EHF-Cup Chambéry. Der Umzug ins Sportforum kostet sie Zuschauer und Geld. Ein Sieg im Hinspiel ist Pflicht.

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Oleg Krüger ist es gewohnt, diverse Sportgruppen zu koordinieren. Das gehört zu seinem Job als Verwaltungsleiter des Sportforums Hohenschönhausen. Momentan sind seine Fähigkeiten aber besonders gefordert, denn die große Spielhalle im Weißenseer Weg ist überaus gefragt.

Die Heimspielstätte der Volleyballspieler vom VC Olympia wurde in den vergangenen Wochen wegen der Flüchtlinge im Horst-Korber-Zentrum schon zur Ersatzhalle für die BR Volleys. Während die am Freitag noch trainierten, begannen die Füchse Berlin bereits mit dem Packen. Werbebanden, Lautsprecherboxen, die Musikanlage und weiteres technisches Equipment mussten von Prenzlauer Berg nach Hohenschönhausen transportiert werden, denn heute tragen die Handballer ihr erstes Spiel im EHF-Cup im Sportforum aus (16 Uhr). Da in der Max-Schmeling-Halle die Weltmeisterschaft im Cheerleading stattfindet (siehe Text oben), empfangen die Füchse den französischen Klub Chambéry Savoie HB zwar nur wenige Hundert Meter von ihrer Trainingsstätte entfernt, aber doch in ungewohnter Umgebung. „Bei so einem wichtigen Spiel in eine andere Halle zu gehen, ist ein komisches Gefühl“, sagt Füchse-Kapitän Fredrik Petersen. Schließlich geht es für den Titelverteidiger in der Partie gegen den Tabellensiebten der französischen Liga um die Qualifikation für die Gruppenphase des europäischen Wettbewerbes. „Wir sind raus aus dem deutschen Pokal, in der Bundesliga wird es nicht einfacher, wir müssen dieses Spiel gewinnen“, sagt Petersen.

Berliner haben mit 408 Toren den zweitbesten Angriff der Liga

Im Angriff haben sich die Füchse zuletzt gesteigert. Mit 408 Treffern haben sie inzwischen hinter Flensburg die meisten Tore der Liga vorzuweisen. Es hängt zwar immer noch viel von Petar Nenadic und Drago Vujovic ab, aber Kent Robin Tönnessen und Fabian Wiede konnten in den vergangenen Wochen für Entlastung sorgen. „Ich glaube, derzeit müssen wir über unsere Abwehr reden“, sagt Erlingur Richardsson. Die hatte dem Füchse-Trainer im Ligaspiel am Mittwoch gegen Lübbecke (34:31) nicht gefallen. Den Ausfall von Jesper Nielsen, der wegen einer Gehirnerschütterung pausieren musste, konnte das Team nicht kompensieren. Nielsen aber gab sich zuversichtlich, dass er am Sonnabend gegen Chambéry wieder spielen kann.

Nielsens Präsenz im Mittelblock ist für die Füchse enorm wichtig, aber auch für sein eigenes Wohlbefinden eignet sich das Feld besser als die Bank: „Zuschauen ist schlimm, da habe ich mehr Angst als beim Spielen“, sagt er. Das Beobachten überlasst er lieber den 2200 Personen, die Platz auf den Tribünen im Sportforum haben. „Die Halle wird auf jeden Fall voll“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. In der Schmeling-Halle hätten die Füchse sogar bis zu 9000 Plätze füllen können. Beim Europapokal hat der Klub zwar oft die oberen Ränge abgehängt, aber bis zu 5000 Zuschauer haben meist den Weg in die Halle gefunden. Auf diese Gelder aus dem Eintrittskartenverkauf müssen die Füchse nun verzichten. „Wir müssen die Karten auch günstiger verkaufen, weil die Bedingungen hier anders sind“, verrät Hanning.

Manager Hanning: „Das Spiel wird für uns ein Minusgeschäft“

Aber auch die Verantwortlichen vom Sportforum haben einige Herausforderungen gemeistert. Eigentlich hätte am Sonnabend die nordostdeutsche Judo-Meisterschaft in der Halle stattgefunden. „Der Judoverband Berlin erklärte sich aber bereit, diese auf Sonntag zu verschieben“, sagt Oleg Krüger. Für das Handballspiel wurde zudem extra eine zweite Videoleinwand in die Halle gebaut. „Das mussten wir machen, um die EHF-Regularien zu erfüllen“, sagt Krüger. Die Kosten hierfür tragen aber nicht die Füchse, denn die Videoleinwand verbleibt in der Halle.

Dennoch weiß Hanning: „Das Spiel wird für uns auf jeden Fall ein Minusgeschäft.“ Damit sich diese Negativbilanz nicht auch auf den sportlichen Bereich überträgt, hat Fredrik Petersen einen Plan: „Wir müssen das Spiel nicht nur gewinnen, sondern uns auch ein kleines Polster an Toren für das Rückspiel erarbeiten“, sagt er. Das findet am 28. November in Frankreich statt.