Vorurteilen begegnet man am besten mit vorbildlichem und tugendhaftem Handeln. Das weiß längst auch Petar Nenadic. Als er im Sommer 2014 nach Berlin kam, wurde ihm eine egoistische Spielweise nachgesagt, er galt als schwieriger Typ. 14 Monate später ist er das herausragende Gesicht der Füchse. Kreativer Spielmacher und wurfgewaltiger Torjäger in einem, beliebter Spaßvogel und stets bereit, auf dem Handballfeld Verantwortung zu übernehmen. Von Selbstverliebtheit keine Spur. „Ich habe immer gesagt, Handball ist ein Teamsport, es ist egal, wer die Tore macht. Und auf dem Platz müssen wir uns immer gegenseitig helfen“, stellt Nenadic klar.

Er kann ein Spiel im Alleingang entscheiden

Seinen Worten lässt der 29-Jährige jede Woche Taten folgen. In den bisherigen acht Bundesligapartien erzielte der Serbe 66 Tore, davon 25 Siebenmeter. Das entspricht einer Quote von 8,3 Treffern pro Spiel. Damit führt er die Torjägerliste der stärksten Handball-Liga der Welt an – gemeinsam mit Uwe Gensheimer von Meisterschaftsfavorit Rhein-Neckar Löwen, der für dieselbe Anzahl an Treffern aber zehn Spiele benötigt hat. Auch bei den Strafwürfen ist Nenadic top. Er hat bislang fast 90 Prozent der Versuche vom Siebenmeterpunkt verwandelt, das ist weltklasse. „Petar kann ein Spiel im Alleingang entscheiden“, sagt Füchse-Trainer Erlingur Richardsson, der mit seinem Team am Sonntag Hannover-Burgdorf in der Max-Schmeling-Halle empfängt (15 Uhr).

Gegen Hannover wollen die Füchse ihren sechsten Bundesligasieg einfahren und können zudem zum elften Mal hintereinander unbesiegt bleiben. Coach Richardsson schätzt den Gegner, gegen den der EHF-Pokalsieger im vergangenen Jahr zu Hause 28:29 verloren hatte, „als sehr erfahrene Mannschaft“ ein. Mit den Anhängern im Rücken möchten die Füchse ihren Heimvorteil nutzen und die imposante Bilanz von 10:2-Siegen gegen Hannover ausbauen.

Abseits des Feldes ist er für jeden Spaß zu haben

Viel wird einmal mehr von der Torgefahr des Petar Nenadic abhängen. Die Gespräche mit dem Serben, so Coach Richardsson, seien in den vergangenen Tagen jedenfalls schon mal gut gewesen. „Er fühlt sich sehr wohl, hat das nötige Selbstvertrauen“, sagt der Trainer und gerät regelrecht ins Schwärmen über seinen Ballermann: „Petar hat eine gute Physis, gute Kondition, einen guten Wurf, und er ist auch abseits des Feldes ein richtig guter Typ, der für jeden Spaß zu haben ist.“ Zudem gefällt dem Isländer natürlich auch die hohe Siebenmeterquote. Erst vor zwei Wochen hatte Richardsson exakt die Quote von 90 Prozent von seinen Schützen gefordert. Nenadic erfüllt sie derzeit.

Dabei war der Serbe 2014 ursprünglich nur für eine Saison als Helfer in der Not für den verletzten Spielmacher Bartlomiej Jaszka verpflichtet worden. Doch in seiner ersten Saison überzeugte der Rechtshänder die Chefetage des Bundesligaklubs derart, dass Mittel und Wege gefunden wurden, sein Verbleib in Berlin finanziell zu stemmen. Bis 2017 läuft nun sein neuer Vertrag. „Ich fühle mich sehr wohl hier, wir haben eine gute Mannschaft zusammen“, sagt Nenadic, „und zurzeit haben wir ein gutes Selbstvertrauen, uns pusht die gute Chemie innerhalb der Mannschaft nach vorn.“ Der Gewinn des EHF-Cups im Mai sowie der sensationelle Triumph bei der Klub-WM Anfang September haben bei Nenadic den Hunger nicht gestillt. Im Gegenteil. „Ich will mit den Füchsen immer besser werden und gemeinsam für den Erfolg kämpfen. Wir haben Spaß daran gefunden, Titel zu holen“, sagt Nenadic und lächelt verschmitzt.

Seinen sportlichen Aufstieg begann der Rechtshänder in seiner Geburtsstadt bei Roter Stern Belgrad. 2007 dann startete er seine Reise durch Europa. Zunächst spielte Nenadic in Spanien (Algeciras BM und FC Barcelona), 2008 erhielt er ein Engagement bei Pick Szeged in Ungarn, ehe es ihn 2010 nach Dänemark zu Team Tvis Holstebro zog. Vor seinem Engagement bei den Füchsen im Sommer 2014 machte er zwei Jahre Station bei Wisła Płock in Polen.

Der Serbe hat einen Vertrag in Berlin bis 2017

„Ich schätze Petar sehr, wir haben ein richtig gutes Verhältnis. Er ist schon ein ganz besonderer Typ“, schwärmt Geschäftsführer Bob Hanning. „Er kann jedem Spiel das Besondere aufdrücken, das ist eine seltene Gabe. Petar hat einen sehr starken Willen, das befähigt ihn zu diesen außerordentlichen Leistungen.“ Hanning weiß aber auch, dass Nenadic sich mit seinen Aktionen manchmal selbst im Weg steht oder ausbricht. „Man muss ihn immer mal wieder einfangen“, erklärt der Manager. Für Nenadic sei es enorm wichtig, dass er sich in seinem Umfeld und im Verein wohlfühle, so Hanning, und das tue er bei den Füchsen. „Und wenn man gut auf ihn aufpasst und sich um ihn kümmert, dankt er das mit herausragenden Leistungen.“ Und vielen Toren.

Mit seinen 29 Jahren ist Nenadic schon quer durch Europa getourt. Doch bei den Füchsen hat er jetzt offenbar seine Heimat gefunden. Länger als zwei Jahre hielt es ihn bisher nirgendwo. Das dürfte sich nun ändern, immerhin gilt sein Vertag bis 2017. Und die Bundesliga war immer sein großes Ziel. „Die Bundesliga ist für mich wie die NBA“, sagt Nenadic und lächelt: „Und Berlin könnte ein Ort sein, an dem ich länger bleibe.“