Erlingur Richardsson lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Eine Trainingswoche mit nur fünf Handballprofis? Kein Problem, da wurde in den Einheiten eben mehr auf Kondition und Kraft abgezielt. Auch übertriebene Eitelkeit ist dem Isländer fremd. „Es war ganz gut, dass die Spieler mal neue Reize bei ihren Nationalteams mit anderen Coaches erhalten haben, so sind sie wieder frisch im Kopf“, sagt der Trainer der Füchse Berlin.

Seit Dienstag erst hat Richardsson den kompletten Kader nach der Länderspielpause wieder zusammen. Wenig Zeit also, um sich auf das Heimspiel am Mittwoch gegen den VfL Gummersbach (19 Uhr, Schmeling-Halle) vorzubereiten. Dennoch sind die Berliner Favorit. Oder wie Sportkoordinator Volker Zerbe sagt: „Es muss unser Anspruch sein, dieses Spiel zu gewinnen.“ Mit 13:9-Punkten belegen die Füchse Rang acht, die Gäste (10:12) sind derzeit Zwölfter.

Trainer Richardsson will das Spiel weiterentwickeln

Nach dem furiosen Saisonstart mit elf Spielen ohne Niederlage und dem sensationellen Gewinn der Klub-WM in Katar erlebten die Berliner zuletzt mit drei Pflichtspiel-Niederlagen in Folge einen Dämpfer. Diesen Negativtrend gilt es nun gegen Gummersbach aufzuhalten. Dabei geht es Coach Richardsson vor allem darum, dass die Spieler immer besser seine Grundidee vom Handball umsetzen. „Mein Fokus liegt darauf, das Spiel zu entwickeln und weniger auf dem Ergebnis“, sagt der 43-Jährige. Er sei ja erst vier Monate mit dem Team zusammen, erklärt Richardsson, der im Sommer das Amt von Bundestrainer Dagur Sigurdsson übernommen hatte, „wir haben noch viel Verbesserungspotenzial, aber jedes Training bringt uns einen Schritt weiter.“

Für die Partie gegen den VfL Gummersbach hat der Isländer eine klare Vorgabe an die Mannschaft: „Wir müssen noch besser die Initiative im Angriff und der Abwehr ergreifen.“ Bei der 24:27-Niederlage gegen den THW Kiel hatte der Gegner das Spiel der Berliner noch zu einfach stoppen können, der EHF-Pokalsieger stieß vor allem im Angriff an seine Grenzen. Rückraumspieler Drago Vukovic sprach danach davon, dass man jetzt in einem Loch sei, weil auch die ganzen Verletzungsprobleme nicht dauerhaft zu kompensieren seien.

Manager Hanning fordert Vertrauen in die Jugend

Die Rehabilitation von Nationalspieler Paul Drux und dem schwedischen Rechtsaußen Mattias Zachrisson nach ihren Schulter-Operationen (beide Riss der Knorpellippe) verläuft sehr gut, Termine für die Rückkehr gibt es aber noch nicht. Umso wichtiger ist für die Füchse, dass die Talente Fynn-Ole Fritz, 18, Moritz Schade, 19, und Kevin Struck, 18, mehr Spielzeiten bekommen. Ein größeres Vertrauen in die Jugend hatte auch Geschäftsführer Bob Hanning zuletzt mehrfach gefordert, „damit die Etablierten mal eine Pause bekommen“.

Im Grundsatz trägt Richardsson die Philosophie voll mit, die Ausbildung des eigenen Nachwuchses ist eine der tragenden Säulen der Berliner, allerdings hatte er die jungen Spieler bislang zu selten im Training dabei, immerhin gehen sie alle noch in die Schule. „Aber natürlich sollen die Jungs mehr auf dem Platz stehen, das ist ja unsere Philosophie“, sagt Richardsson, „wenn sich einer von den Stammkräften verletzt, setze ich sofort einen Nachwuchsmann ein.“