Handball

Der THW Kiel ist für die Füchse eine Nummer zu groß

Die Handball-Füchse unterliegen dem THW Kiel mit 24:27. Geschäftsführer Bob Hanning kritisiert die Chancenverwertung.

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Berlin.  Silvio Heinevetter lebt in der Gegenwart. Er schaut nicht oft zurück und noch viel weniger gern nach vorn. Deshalb wollte er in der vergangenen Woche auch kein Wort über die Nationalmannschaft verlieren, zu der er an diesem Montag reist. „Das gehört sich nicht, die volle Konzentration muss jetzt dem Spiel gegen den THW Kiel gelten“, sagte der Nationaltorhüter.

Die Kanalisation der Gedanken war richtig, denn der sonst so dominante THW war als Sechster der Bundesliga zum Tabellenachten nach Berlin gereist. Drei Teams hatten den Rekordmeister in dieser Saison schon besiegt, die Füchse wollten Nummer vier sein.

Heinevetter zeigte vor den Augen des Bundestrainers Dagur Sigurdsson und vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle auch eine starke Leistung, am Ende setzte sich aber der THW Kiel 27:24 (11:12) durch, vor allem, weil Kiels Schlussmann Niklas Landin einen noch besseren Tag erwischt hatte.

Die Abwehr der Füchse arbeitete zunächst gut. Jesper Nielsen und Jakov Gojun stellten einen guten Block, hinter dem Silvio Heinevetter brillierte. Geschlagene sechs Minuten benötigte der THW, bis er zum ersten Mal den Ball im Tor der Füchse untergebracht hatte.

Kiel nimmt Petar Nenadic in Sonderbewachung

Doch Abwehr- und Torhüterleistung allein reichen nicht, um ein Spiel zu gewinnen, das hatten die Füchse bereits in den vergangenen Partien erfahren müssen. Kiels Schlüsselspieler Domagoj Duvnjac trat in der ersten Hälfte zwar fast überhaupt nicht in Erscheinung, was laut THW-Trainer Alfred Gislason an einem Infekt lag, aber auch der THW hatte in den vergangenen Wochen gut aufgepasst und nahm ebenfalls den besten Werfer der Füchse, Petar Nenadic, in Sonderbewachung.

Außer einem Strafwurf, den der Serbe aber erst im zweiten Anlauf gegen Kiels starken Schlussmann Landin verwandeln konnte, trug Nenadic daher in der ersten Hälfte nichts Zählbares zum Spiel bei.

Ohne den wurfgewaltigen Serben wirkten die Füchse zunächst hilflos im Angriff und leisteten sich viele Flüchtigkeitsfehler im Kombinationsspiel. Damit luden sie die Kieler zu einfachen Gegenstößen ein, so dass sich der Spielstand ausgeglichen gestaltete (6:6/ 14. Minute).

Füchse führten zur Halbzeit noch mit 12:11

Erst als Füchse-Trainer Erlingur Richardsson wieder das Experiment mit Fabian Wiede auf der Position des Spielmachers wagte, verbesserte sich das Berliner Aufbauspiel. Auf vier Tore zogen die Füchse weg (11:7/24.), auch weil Wiede immer mehr Verantwortung übernahm und einen Ball nach dem nächsten im Tor des THW unterbrachte.

Er trug damit maßgeblich dazu bei, dass die Füchse zur Halbzeit 12:11 führten. „Wir hätten aber auch mit einem Vier-Tore-Vorsprung in die Pause gehen können, da haben wir wieder einige Chancen liegen gelassen“, bemängelte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

In der zweiten Hälfte blieb Nenadic weiterhin blass, dafür erwachte auf Seiten des THW Domagoj Duvnjak zum Leben. Die Füchse konnten den kroatischen Nationalspieler nicht mehr kon-trollieren. Immer wieder schlüpfte er durch eine Lücke und brachte sein Team schließlich eine knappe Viertelstunde vor Spielende mit zwei Toren in Führung (20:18/46.).

Überragender Kieler Torwart Niklas Landin

„Das Durchfallmittel, dass Duvnjac scheinbar genommen hat, hätte ich für meine Spieler auch gern, wenn das solche Leistungen hervorruft“, sagte Hanning. Seine Füchse scheiterten stattdessen wiederholt an Landin, der vier von fünf Strafwürfen parierte. Zwischen der 44. und der 54. Minute vernagelte der dänische Nationaltorwart das Kieler Tor komplett, vorne traf der THW Kiel weiter zum 23:18 (53.)

In seiner Not brachte Füchse-Trainer Richardsson Petr Stochl für Heinevetter (48.), der erstmals seit seiner Verletzung wieder im Kader stand. Damit konnte er das Problem im Angriff aber nicht lösen. Dort mangelt es den Füchsen nach wie vor an Alternativen.

Wieder schafften sie es nicht, ein Angriffsspiel aufzubauen und die Außen besser einzusetzen. „Vielleicht müssen wir uns jetzt wirklich mal überlegen, in Zukunft den einen oder anderen jungen Spieler auch einzusetzen, damit die etablierten mal eine Pause bekommen, denn daran hat es am Ende gelegen“, sagte Hanning.

Trainer Richardsson will das Rückraumproblem lösen

Das klang fast nach einer kleinen Kritik an Trainer Richardsson. Der ärgerte sich vor allem über die mangelnde Chancenverwertung. „Heute hatten wir eine wirklich gute Chance, zwei Punkte zu holen. Da dürfen wir zum Beispiel nicht vier Siebenmeter verwerfen“, sagte er.

Nun will der Füchse-Trainer daran arbeiten, das Rückraumproblem dauerhaft zu lösen. Damit ist eine taktische Variante gemeint, denn ein neuer Spieler ist nach wie vor nicht in Sicht. In der kommenden Woche sind wegen Länderspielen neun Athleten bei ihren Nationalmannschaften. Neues einzuüben dürfte dann sehr schwierig sein.