Gegen Ende eines Sport-Jahres wird Bilanz gezogen und nach vorn geschaut, was besser werden sollte. Aber es wird auch gewählt, in der Hauptstadt zum Beispiel beginnt an diesem Sonntag zum 37. Mal die Suche nach Berlins Sportler des Jahres. Da gibt es so viele Top-Kandidaten zur Auswahl wie nirgends sonst in der Republik. Berlin ist eben immer noch die Sportstadt Nummer eins in Deutschland. Obwohl im vergangenen März daran ernsthafte Zweifel aufkommen mussten.
Niederlage gegen Hamburg war ein schwerer Schlag
Und schon sind wir mittendrin in der Bilanz. Die kann nicht nur positiv ausfallen, wenn bei der Wahl des deutschen Olympia-Bewerbers um die Spiele 2024 der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dem Kontrahenten Hamburg den Vorzug gibt. Hauptstadt verliert gegen Hafenstadt. „Berlin ist zu stark, um dadurch zur grauen Maus zu werden“, sagt zwar Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes, gibt aber trotzdem ehrlich zu: „Die Stadt hat eine große Vision verloren.“
Es war nicht der einzige Dämpfer. Robert Harting, herausragender Sportler der vergangenen Jahre, konnte wegen seiner Knieoperation keine Wettbewerbe bestreiten. Die von ihm mitinitiierte Lotterie, die Millionen in die Kassen des Sports spülen sollte, ist bisher ein Flop. Herthas unansehnlicher Klassenkampf bis zum Juni, nun ja. Die Zahl von gut 60 Medaillen, die Berliner Athletinnen und Athleten bei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften in olympischen wie paralympischen Disziplinen gewannen, klingt zunächst erfreulich. Doch in vergangenen Jahren sind es auch schon mehr gewesen.
Barcelona gegen Juventus war einer der Höhepunkte
Jammern auf hohem Niveau? Sicher kann man das so sehen. Aber auf gehobenem Niveau erhöhen sich automatisch die Ansprüche. Es gab natürlich trotzdem reichlich Highlights in Berlin und herausragende Leistungen von Berlinern, manchmal beides in einem. Das Champions-League-Finale zwischen dem FC Barcelona und Juventus Turin im Olympiastadion etwa. Oder das Final Four der besten Volleyball-Vereinsteams mit einer Atmosphäre in der Schmeling-Halle, wie es sie in Europa nie zuvor gegeben hatte. Eine Basketball-EM-Vorrunde, die alle Zuschauerrekorde pulverisierte.
Wie selbstverständlich waren Sechstagerennen, der Marathon, das DFB-Pokalfinale, das Istaf drinnen wie draußen internationale Publikumsmagneten. Wie immer. Eine kleine Stichelei muss erlaubt sein: Der Olympia-Aspirant Hamburg könnte sich schon glücklich schätzen, nur eine solche Veranstaltung in seiner Stadt zu haben.
Lena Schöneborn holt sich den letzten Titel, der noch fehlt
Schließlich gab es auch große sportliche Erfolge zu feiern. Grandiose Handball-Füchse, die EHF-Pokal und Klubweltmeisterschaft gewannen. Herthas verblüffende Renaissance zu einem schönen Fußball spielenden Team. Wasserspringer Patrick Hausding, der selbst in einer für ihn schwachen Saison Gold, Silber und Bronze von der EM mitbrachte. Den Kanuten Marcus Groß, der im Zweier-Kajak WM- und zweimal EM-Gold herauspaddelte und sein bisher stärkstes Jahr hatte.
Bei den Frauen ragte Lena Schöneborn heraus, die in Berlin Weltmeisterin im Modernen Fünfkampf wurde; es war der einzige Titel, der in ihrer Sammlung noch fehlte. Außerdem die Schwimmerinnen Daniela Schulte und Verena Schott, die trotz Handicaps WM-Medaillen hamsterten. Und die unverwüstliche Marianne Buggenhagen, erst in dieser Woche mit 62 Jahren noch einmal Weltmeisterin mit Kugel und Diskus.
Hauptpreis ist eine Reise nach Rio für zwei Personen
Die Leser und Leserinnen der Berliner Morgenpost können ihren Favoriten in jeder der vier Kategorien Frauen, Männer, Mannschaften sowie Manager/Trainer bis zum 22. November wählen, indem sie online hier oder unter www.champions-berlin.de, postalisch (an Sportredaktion der Berliner Morgenpost, Kurfürstendamm 22, 10719 Berlin) oder in einer der 1000 Berliner Lottoannahmestellen ihre Stimme abgeben.
Mit der Stimmabgabe erhält jeder Teilnehmer die Chance, einen von zahlreichen Preisen zu gewinnen. Der Hauptpreis ist eine Reise für zwei Personen zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Die Sieger der Wahl werden am 5. Dezember auf der Champions-Gala im Estrel Berlin in Neukölln gekürt. Tickets zum Preis von 120 Euro für die Veranstaltung mit Bühnenprogramm, Gala-Büffet und Party mit den Sportlern sowie weitere Informationen sind erhältlich unter der Telefonnummer 030-301118611 oder unter oben genannter Internetadresse.
LSB-Präsident Böger wünscht sich erfolgreichere Frauenteams
Fehlt eigentlich nur noch der Blick nach vorn. Den richtet LSB-Präsident Böger auf die Damen, die aus seiner Sicht in Berlin ein wenig untergehen. „Ich finde es bedauerlich, dass ausgerechnet in Berlin, das sonst so ein Synonym für Frauen-Power ist, in den Mannschaftssportarten ein bisschen die Lokomotiven fehlen“, sagt er, „das sollte man mehr unterstützen.“ Ein schönes Ziel für 2016 – neben den Olympischen Spielen in Rio natürlich.




